Am Brunnen vor dem Tore
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Feierabend-Mitglied
Dienstag 08.02.2022, 08:56
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Seltsam, immer wieder wache ich morgens auf und hab ein Lied im Kopf, das mein Vater, er war ein sentimentaler Mensch, oft vor sich hin gesungen hat.
Mein Vater war als junger Müller ein Wandersmann, er liebte dieses Lied, wohl in Erinnerung, die ich zu ergründen suchte, er aber niemals verriet.
Seine Augen glänzten feucht und seine Stimme klang bewegt, so als ob ein Liebesleid sich darin verbarg.
Am Brunnen vor dem Tore
Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum
Ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum
Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort
Es zog in Freud und Leide zu ihm mich immer fort
Zu ihm mich immer fort
Ich mußt auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht
Da hab ich noch im Dunkeln die Augen zugemacht
Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu
Komm her zu mir, Geselle, hier findst du deine Ruh
Hier findst du deine Ruh
Die kalten Winde bliesen mir grad ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe, ich wendete mich nicht
Nun bin ich manch Stunde entfernt von diesem Ort
Und immer hör ich's rauschen: du fändest Ruhe dort
Du fändest Ruhe dort . . . .
Seine Gesangskunst, etwas kläglich, vermischte sich in meiner
Erinnerung mit der wundervollen Stimme von Hermann Prey,
und manchmal, mit dieser Stimme im Ohr, spielte ich es auf
meiner Mundharmonika.