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Die weiße Düne und die blaue Ballie

Von Feierabend-Mitglied 03.07.2022, 11:10

Die weiße Düne bei Nordernei,
Ein Stückchen Land in der See,
Trägt weder Moos, noch Strauch, noch Baum,
Trägt weder Gras, noch Klee;
Die blaue Ballie bei Wangeroog,
Ein Stückchen See im Land,
Hegt weder Fisch, noch Frosch, noch Krebs,
Noch Muscheln auf ihrem Strand.
Da war einmal ein Schwesterpaar
In alter grauer Zeit, —
Die eine die trug ein blaues stets,
Die andre ein weißes Kleid —
Die hatten geschworen bittern Haß
Der Liebe bis in dm Tod,
Und machten weit und breit im Land
Den Freiern große Noth.

Und als sie starben, wer hätt's geglaubt?
War Sand und Wasser ihr Herz;
Der Inselkönig, ihr Vater, sank
Darob in tiefen Schmerz;
Die eine begrub er in Nordernei,
Die andre in Wangeroog,
Und setzte jeder wohl auf das Grab
Von Stein ein Denkmal hoch.

Das eine versenkte gar bald das Meer
Und wälzte drüber die Fluth,
Das andre bedeckte hoch mit Sand
Der Wind in seiner Wuth;
Und Wasser und Sand blieb unsruchtbar
Bis aus den heutigen Tag:
Da kann man sehen, was Sprödigkeit
Auch noch im Grabe vermag.

Gustav Pfarrius

August Konrad Gustav Pfarrius (* 31. Dezember 1800 in Heddesheim, † 15. August 1884 in Köln)

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