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Von jungen Mond

Von Fiddigeigei Donnerstag 23.06.2022, 12:24

Als der Mond noch jung war.

Als der Mond noch jung war wollte er unbedingt sehen, was so auf der Erde vor sich ging. Das ist schon irgendwie verständlich, denn wenn er Nachts auf die Erde leuchtet, sieht er von uns da unten nur Lichter.
Aber wie anstellen, dass er möglichst unerkannt zu uns heruntersteigen kann, denn der Mond wollte auf keinen Fall neugierig sein?
Und da fiel ihm ein, dass irgendwo eine alte unbenutzte Himmelsleiter herumstand und über die kletterte er hinab am hell lichten Tag. Also unsichtbar für uns Menschenkinder.
Da hat der dumme Kerl doch nicht gesehen, dass er die Himmelsleiter genau in einen dichten Busch gestellt hatte. Wie er nun unten ankam um seine Neugier zu befriedigen verhedderte er sich so stark in den Zweigen, dass es weder vorwärts noch Rückwärts ging. Und so hing er nun unten auf der Erde fest und zu sehen bekam er auch nichts.
Er zappelte und ruckelte an den Äste und begann leise Hilfe, Hilfe zu rufen aber niemand hörte ihn, denn es war im tiefen Walde, wo normal kein Mensch seinen Fuß hinsetzt.
Die Geschichte von dem jungen und neugierigen Mond wäre jetzt zu Ende erzählt und wir Menschen würden jede Nacht sehnsuchtsvoll zum dunklen Nachthimmel hinauf starren und uns verwundert fragen was mit dem Mond nur los sei. War er gar krank oder ist ihm die Leuchtfarbe ausgegangen.
Die Chinesen die den Mond besonders verehren haben bereits ein Raumschiff, beladen mit wirksamen Heilkräutern und gestartet um zu sehen wo er denn nun bleibt und wie man helfen könnte.
Aber da geschah es. Ein Menschenpärchen verlief sich im tiefen Wald und die hörten den jungen neugierigen Mond um Hilfe rufen. Als sie an die Stelle kam wo der Mond verzweifelt zappelte, griff der Mann in seine Tasche und leistete Erste Hilfe. Er hatte wie jeder „richtige Mann“ ein Taschenmesser dabei und damit schnitt er den Mond aus seinem Gefängnis frei.
So schnell hat noch niemand einen Mond eine Leiter hinaufklettern gesehen. Und er verschwand ohne Danke zu sagen am Himmel.
Abends dann leuchtete er wieder und besonders hell über der Wohnung wo seine Retter wohnten.
Die waren so was von froh den dummen Kerl wieder an der Stelle zu sehen wo er hingehörte und sie riefen hinauf:
„Schon gut aber bitte keine Experimente mehr.“

Wie das Raumschiff der Chinesen weich landete funkten sie an ihre Bodenstation:
„ Schin mon hel beng bong“
Was soviel heißt wie“ Er leuchtet wieder“

Der Mond ist aufgegang
Die gold'nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön:
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil uns're Augen sie nicht seh'n.

Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott lass' dein Heil uns schauen,
Auf nichts Vergänglich's trauen,
Nicht Eitelkeit uns freu'n!
Lass' uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Woll'st endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und wenn du uns genommen,
Lass' uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon' uns, Gott! mit Strafen
Und lass' uns ruhig schlafen!
Und uns'ren kranken Nachbarn auch!

Matthias Claudius

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