Vom Kirschbaum
Von
Fiddigeigei
Freitag 29.10.2021, 10:41
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Fiddigeigei
Freitag 29.10.2021, 10:41
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Der Kirschbaum
Die Zeile
Und eh ich die Zeile hinschreiben konnt:
"Durch den blühenden Kirschbaum flimmert der Mond" -
Da mußt ich erst tausend Kirschbäume sehn
In weißen, leuchtenden Blüten stehn,
Und tausend Bäume in Schnee und Eis,
Und mich sehnen nach Blüten, rot und weiß,
Und mußte durch tausend Mondnächte schreiten,
Wenn durch die Blätter die Strahlen gleiten,
Und tausend Bilder in meine Augen
Und tief, tief in die Seele saugen,
Und mußte dem Klange der Worte lauschen,
Ob sie von Mond und Blüten rauschen,
Eh daß ich die Zeile hinschreiben konnt:
"Durch den blühenden Kirschbaum flimmert der Mond"
Hugo Salus 1866-1929.
Er war ein böhmischer Gynäkologe und deutschsprachiger Schriftsteller.
Oft gehe ich oder besser gesagt durchstreife ich die weite Natur um ganz alleine mit mir zu sein. Meine Gedanken haben dann freien Ausgang und wirbeln wie jetzt die bunten Herbstblätter umher. Ich will sie nicht zwinge in eine Richtung zu gehen, die ich bestimme. Sie haben freien Ausgang.
Nun, ich bin kein Dichter und ehrlich, ohne eine Hilfe von oben vom Hohen Norden, wären wohl meine dichterischen Gedanken völlig durcheinander gepurzelt.
DER KIRSCHBAUM
Im lustign Frühjahr, am Wegesrand,
ein wundersames Bäumchen stand,
allein, im grünen Feld der Heide.
Ein Kirschbaum war´s, im Hochzeitskleide.
Als wir uns wiedersahen, war der Sommer gekommen.
Die weißen Blüten waren jetzt dem Baum genommen.
In leuchtendem Grün hat er dort gestanden,
unterm Blätterdach sich saftig-rote Kirschen fanden.
Dann kam der Herbst mit kühlen Schritten.
Die Blätter ließen sich zum Färben nicht bitten.
Sie fingen sogleich feurig zu brennen an.
Leuchteten wie Fackeln dem Wandersmann.
Das konnte der raue Winter nicht leiden.
Den Kirschbaum ließ er braun sich kleiden.
Mit kahlen Ästen und Zweigen stand dann der Baum.
War das des Lebens ganzer Traum?
Die Blätter bedeckten die kühle Erde.
Ich liege darunter – und sterbe …
Bitte denkt nicht, dass ich jetzt schon sterben will aber wenn der Tag für mich einmal kommt,
fände ich es schön unter einem Kirschbaum ruhen zu dürfen. Langweilig ist es sicher nicht.
Ein grosses Dankeschön an die Dichterin Elke, mit Nick- Egalis -für die Nachhilfe aus Ostfrieslands rauer Küste.