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Unruhe - A. Droste v. Hülshoff 1816

Von EwigerBrunnen01 Mittwoch 16.11.2022, 11:30

Eigenes Bild, Ostseebad Zingst

Ich will hier ein wenig ruh'n am Strande. 

Sonnenstrahlen spielen auf dem Meere. 

Seh ich doch der Wimpel weiße Heere. 

Viele Schiffe zieh'n zum fernen Lande.

Oh, ich möchte wie ein Vogel fliehen!

Mit den hellen Wimpeln möcht' ich ziehen! 

Weit, o weit, wo noch kein Fußtritt schallte,

keines Menschen Stimme widerhallte, 

noch kein Schiff durchschnitt die flüchtige Bahn!

Und noch weiter, endlos, ewig neu 

mich durch fremde Schöpfungen, voll Lust, 

hinzuschwingen fessellos und frei! 

Oh, das pocht, das glüht in meiner Brust! 


Rastlos treibt’s mich um im engen Leben. 

Freiheit heißt der Seele banges Streben, 

und im Busen tönt’s Unendlichkeit!
Fesseln will man mich am eignen Herde!


Meine Sehnsucht nennt man Wahn und Traum. 

Und mein Herz, dies kleine Klümpchen Erde, 

hat doch für die ganze Schöpfung Raum!
Doch stille, still, mein töricht Herz! 


Willst vergebens du dich sehnen? 

Aus lauter Vergeblichkeit hadernde Tränen

ewig vergießen in fruchtlosem Schmerz?

Sei ruhig, Herz, und lerne dich bescheiden.

So will ich heim vom feuchten Strande kehren.

Hier zu weilen, tut nicht wohl. 

Meine Träume drücken schwer mich nieder. 

Und die alte Unruh kehret wieder.


Ich muß heim vom feuchten Strande kehren. 

Wand’rer auf den Wogen, fahret wohl!


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