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Tränen des Vaterlandes

Von EwigerBrunnen01 27.02.2022, 12:08 – geändert 27.02.2022, 12:16

Bild: YouTube

Das Gedicht stammt aus der Feder von Andreas Gryphius, der während des 30-jährigen Krieges lebte 1616 - 1664

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret.
der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,
das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun
hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret,
das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,
ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot:
Daß auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.


Ja angesichts solchen Elendes und Leids stirbt auch das Seelenleben.
Gryphius Leben war geprägt von den Leiden und Erfahrungen seiner Zeit, speziell dem frühen Verlust seiner Eltern, der Zerstörung Glogaus im Dreißigjährigen Krieg und den damit verbundenen Religionsverfolgungen. Erfüllt von einer tiefen Friedenssehnsucht empfand er die Tragödien seiner Zeit besonders stark. Und dies kommt in seinen Gedichten zum Ausdruck.


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