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Todes-Erfahrung - R.M. Rilke

Von EwigerBrunnen01 20.11.2022, 08:49 – geändert 20.11.2022, 08:50

Bild: gemeinfrei - Rilkes Grabstätte



Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das

nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,

Bewunderung und Liebe oder Hass

dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund



tragischer Klage wunderlich entstellt.

Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.

Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,

spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.



Doch als du gingst, da brach in diese Bühne

ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt

durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,

wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.



Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes

hersagend und Gebärden dann und wann

aufhebend; aber dein von uns entferntes,

aus unserm Stück entrücktes Dasein kann



uns manchmal überkommen, wie ein Wissen

von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,

so dass wir eine Weile hingerissen

das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

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