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Ostern - Ernst Preczang 1870-1949

Von EwigerBrunnen01 17.04.2022, 08:51

Eigenes Foto

Freund, zieh deinen Kittel aus,

lass den Sonntagsrock uns bürsten,

und dann gehen wir hinaus,

wo die jungen Keime dürsten.

Wo begehrlich sie sich recken

nach des Frühlings erstem Kuss,

wo es klingt aus allen Hecken:

Kommen wird, was kommen muss!

In den jungen, frischen Düften,

von dem Werden rings beglückt,

wollen wir die Brust uns lüften

und vergessen, was uns drückt.

Von dem Auge fällt die Binde,

von der Seele Staub und Ruß,

und die Hoffnung sinkt im Winde:

Kommen wird, was kommen muss!

Ostern! Unterm warmen Strahle

schmilzt und wandelt sich der Schnee,

und er fließt verjüngt zu Tale

durch die Acker in den See.

Tau und Sandkorn, Luft und Samen,

alles, alles ist im Fluss!

Darum, in der Erde Namen:

Kommen wird, was kommen muss!

Morgensonne auf dem Gipfel!

Schimmer, leuchtend, goldenrot!

Sieh, der Sturm geht durch die Wipfel

und zerbricht, was morsch und tot.

Und er jauchzt in all das Stöhnen:

Auch der Kampf ist ein Genuss!

Und es hallt in frohen Tönen:

Kommen wird, was kommen muss!

Mensch, verstehe diese Weise,

die dich überall umklingt,

wo sich dröhnend oder leise

eine Kraft zum Siege ringt.

Kein Gedanke wird zunichte:

Christus, Galilei, Huß –

ehern spricht die Weltgeschichte:

Kommen wird, was kommen muss!

Ich wünsche Euch allen frohe und sonnige Ostertage und viel Freude an diesen herrlichen Frühlingstagen.
Auch danke ich für Eure Ostergrüße ganz herzlich.

Helga










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