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O Täler weit, o Höhen

Von EwigerBrunnen01 Donnerstag 19.05.2022, 10:26

Eigenes Foto - Blick auf den Millstättersee, Kärnten

Text: Joseph von Eichendorff
Vertonung: Felix Mendelssohn-Bartholdy

Beide müssen den Wald geliebt haben, ein ähnliches Gedicht hatte ich neulich eingegeben „Wer hat dich du schöner Wald“, in dem sich Eichendorff und Mendelssohn die Hand gereicht haben. Sie waren Zeitgenossen, ob sie sich einmal persönlich begegnet sind? Eichendorffs Werke wurden über 5000mal vertont von Schumann, Hugo Wolf, Brahms und Mendelssohn. Er war der bedeutendste Dichter der Romantik, kein Wunder dass Komponisten von diesem Geist inspiriert worden sind.

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt´ger Aufenthalt.
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft´ge Welt;
Schlag noch einmal die Bogen,
Um mich, du grünes Zelt.

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit

Im Walde steht geschrieben
Ein stilles, ernstes Wort
Vom rechten Tun und Lieben
Und was der Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte schlicht und wahr.
Und durch mein ganzes Wesen
Ward´s unaussprechlich klar

Bald werd ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernsts Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt

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