Lied einer schlesischen Weberin
Von
EwigerBrunnen01
Donnerstag 30.03.2023, 17:15
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
EwigerBrunnen01
Donnerstag 30.03.2023, 17:15
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Bildquelle: www.g-geschichte.de /plus/weberaufstand/
Wenn′ s in den Bergen rastet,
der Mühlbach stärker rauscht,
der Mond in stummer Klage
durch′ s stille Strohdach lauscht;
wenn trüb die Lampe flackert
im Winkel auf dem Schrein:
dann fallen meine Hände
müd in den Schoß hinein.
So hab′ ich oft gesessen
bis in die tiefe Nacht,
geträumt mit offnen Augen,
weiß nicht, was ich gedacht;
doch immer heißer fielen
die Tränen auf die Händ′ -
gedacht mag ich wohl haben:
hat′ s Elend gar kein End? -
Gestorben ist mein Vater -
vor Kurzem war′ s ein Jahr -
wie sanft und selig schlief er
auf seiner Totenbahr′!
Der Liebste nahm die Büchse,
zu helfen in der Not;
nicht wieder ist er kommen,
der Förster schoss ihn tot. -
Es sagen oft die Leute:
"Du bist so jung und schön,
und doch so bleich und traurig
sollst du in Schmerz vergehn?" -
"Nicht bleich und auch nicht traurig!"
Wie spricht sich das geschwind
wo an dem weiten Himmel
kein Sternlein mehr ich find′!
Der Fabrikant ist kommen,
sagt mir: "Mein Herzenskind,
wohl weiß ich, wie die Deinen
in Not und Kummer sind;
drum willst Du bei mir ruhen
der Nächte drei und vier,
sieh′ dieses blanke Goldstück!
Sogleich gehört es Dir!"
Ich wußt′ nicht, was ich hörte -
sei Himmel du gerecht
und lasse mir mein Elend,
nur mache mich nicht schlecht!
O lasse mich nicht sinken!
Fast halt′ ich′ s nicht mehr aus,
seh′ ich die kranke Mutter
und′s Schwesterlein zu Haus′!
Jetzt ruh′ n so still sie alle,
verloschen ist das Licht,
nur in der Brust das Wehe,
die Tränen sind es nicht.
Kannst du, o Gott, nicht helfen,
so lass′ uns lieber gehn,
wo drunten tief im Tale
die Trauerbirken steh′n! -
Louise Aston