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LIED DER ZEIT

Von Seherin Freitag 21.10.2022, 12:26

Mein Reich ist klein und unbeschreitbar weit.
Ich bin die Zeit.
Ich bin die Zeit, die schleicht und eilt,
die Wunden schlägt und Wunden heilt.
Hab`weder Herz noch Augenlicht.
Ich trenn`die Gut´und Bösen nicht.
Ich hasse keinen, keiner tut mir leid.
Ich bin die Zeit.

Da ist nur eins, - das sei euch anvertraut:
Ihr seid zu laut!
Ich höre die Sekunden nicht,
ich hör`den Schritt der Stunden nicht.
Ich hör`euch beten, fluchen, schrein,
ich höre Schüsse mittendrein,
ich hör`nur euch, nur euch allein...
Gebt acht, ihr Menschen, was ich sagen will:
Seid endlich still!

Ihr seid ein Stäubchen am Gewand der Zeit, -
laßt euren Streit!
Klein wie ein Punkt ist der Planet,
der sich samt euch im Weltall dreht.
Mikroben pflegen nicht zu schrei`n.
Und wollt ihr schon nicht weise sein,
könnt ihr zumindest leise sein!
Schweigt vor dem Ticken der Unendlichkeit!
Hört auf die Zeit!

Erich Kästner














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