Lebt wohl - A. Droste-Hülshoff
Von
EwigerBrunnen01
Dienstag 15.11.2022, 12:46
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Annette Droste von Hülshoff-Haus
Eigenes Foto
Lebt wohl, es kann nicht anders sein!
Spannt flatternd eure Segel aus,
lasst mich in meinem Schloss allein,
im öden geisterhaften Haus.
Lebt wohl und nehmt mein Herz mit euch
und meinen letzten Sonnenstrahl;
er scheide, scheide nur sogleich,
denn scheiden muss er doch einmal.
Lasst mich an meines Sees Bord,
mich schaukelnd mit der Wellen Strich,
allein mit meinem Zauberwort,
dem Alpengeist und meinem Ich.
Verlassen, aber einsam nicht,
erschüttert, aber nicht zerdrückt,
solange noch das heil'ge Licht
auf mich mit Liebesaugen blickt.
Solange mir der frische Wald
aus jedem Blatt Gesänge rauscht,
aus jeder Klippe, jedem Spalt
befreundet mir der Elfe lauscht.
Solange noch der Arm sich frei
und waltend mir zum Äther streckt
und jedes wilden Geiers Schrei
in mir die wilde Muse weckt.