Krieg oder Frieden
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 13.10.2021, 11:32
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 13.10.2021, 11:32
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Capitain Antoine Allard
Ich war einmal ein Kind. Genau wie ihr.
Ich war ein Mann. Und jetzt bin ich ein Greis.
Die Zeit verging. Ich bin noch immer hier
Und möchte gern vergessen, was ich weiß.
Ich war ein Kind. Ein Mann. Nun bin ich mürbe.
Wer lange lebt, hat eines Tags genug.
Ich hätte nichts dagegen, wenn ich stürbe.
Ich bin so müde. Andre nennen's klug.
Ach, ich sah manches Stück im Welttheater.
Ich war einmal ein Kind, wie ihr es seid.
Ich war einmal ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.
Und meistens war es schade um die Zeit...
Ich könnte euch verschiedenes erzählen,
Was nicht in euren Lesebüchern steht.
Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen,
Sind immer die, um die sich alles dreht.
Wir hatten Krieg. Wir sahen, wie er war.
Wir litten Not und sah'n, wie sie entstand.
Die großen Lügen wurden offenbar.
Ich hab' ein paar der Lügner gut gekannt.
Ja, ich sah manches Stück im Welttheater.
Ums Eintrittsgeld tut's mir noch heute leid.
Ich war ein Kind. Ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.
Und meistens war es schade um die Zeit...
Wir hofften. Doch die Hoffnung war vermessen.
Und die Vernunft blieb wie ein Stern entfernt.
Die nach uns kamen, hatten schnell vergessen.
Die nach uns kamen, hatten nichts gelernt.
Sie hatten Krieg. Sie sahen, wie er war.
Sie litten Not und sah'n, wie sie entstand.
Die großen Lügen wurden offenbar.
Die großen Lügen werden nie erkannt.
Und nun kommt ihr. Ich kann euch nichts vererben:
Macht, was ihr wollt. Doch merkt euch dieses Wort:
Vernunft muß sich ein jeder selbst erwerben,
Und nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort.
Die Welt besteht aus Neid. Und Streit. Und Leid.
Und meistens ist es schade um die Zeit.
Erich Kästner nach dem schrecklichen Krieg
Genau vermag ich nicht mehr zu sagen, wie oft ich an dem einsamen Gedenkkreuz, dort oben zwischen Reben und Wald vorbei gelaufen bin ohne es weiter zu beachten. Es war aus meinem Wahrnehmungskreis entschwunden und die Inschrift kannte ich ja auch:
„Capitain Antoine Allard“
Viele Jahre später, diese Strecke war ich lange schon nicht mehr gelaufen, blieb ich stehen. Es war an einem trüben Novembertag im letzten Jahr und irgendwie bekam ich das Bedürfnis, mir die Inschrift auf dem aus Granit gehauenen Kreuz genauer anzusehen. Jetzt erst fielen mir die eingeschlagenen Jahreszahlen auf:
„1920 Capitain Antoine Allard 1945“.
Jetzt erst kapierte ich Antoine war 1920 geboren und 1945 gestorben.
Gestorben an diesem Ort, fern seiner Heimat, die normalerweise, wie aus dem Namen heraus zu lesen war, in Frankreich gelegen haben musste.
Ein junger Mensch 25 Jahre alt hat hier sein schreckliches Ende erlebt. Gestorben für den Wahnsinn des Krieges. Wie wird seine Mutter, sein Vater und die Geschwister erschrocken sein, als der Brief mit dem schwarzen Rand abgegeben wurde. Was muss an Tränen geflossen sein für Antoine 25 Jahre jung.Gestorben für was? Ja, für was eigentlich. Wer kann diese verdammte Frage überhaupt beantworten?
Sichere hat man ihn als Helden hingestellt, gestorben fürs Vaterland und solchen Quatsch mehr. So einfach geht das aber nicht!
Er hätte ein gutes Leben mit einer Frau geführt. Die beiden hätten sich geliebt und es wären kleine Antoines nachgewachsen und es gäbe Urenkel an denen man sich freuen könnte. Nein, für Antoine ging es nicht gut aus.
Seitdem konnte ich mich vom Schicksal Antoines nicht mehr trennen. Ich dachte an ihn, wollte unbedingt heraus bringen, was 1945 passiert war, dort oben zwischen Wald und Reben. Niemand aber, der im Umkreis des geheimnisvollen Granitkreuzes lebte konnte mir Näheres sagen.
Gut, dass hier ein Unglück in einer unglücklichen Zeit geschehen war, dass wusste jeder,- aber was-?
Durch einen Zufall stieß ich dann doch nach langem Suchen auf einen Protagonisten, der das Geheimnis lüften konnte.
Er war damals ein kleiner Junge von 10 Jahren. Der Krieg stand bereits vor dem Rhein und für Nazi- Deutschland Gott sei Dank verloren......Und ganz in der Nähe des Kreuzes stöberte er im Wald herum. Plötzlich hörte er Geräusche von Flugzeugen. Diese Geräusche, dieses schreckliche Brummen kannte er ganz genau und er wusste, das sind gefährliche Geräusche. Meist mit Tod und einem Flammenmeer verbunden. Er trat aus dem Waldstück heraus und sah 3 Flugzeuge an diesem klaren Apriltag 1945. Es waren kleine , einmotorige Maschinen, Aufklärer müssen es gewesen sein und befanden sich im Flug Richtung Frankreich. Sie flogen übereinander in einer Staffel. Plötzlich stürzte die obere Maschine nach unten, berührte das Flugzeug in der Mitte, in der mein Antoine saß. Sie fing Feuer und trudelte so schnell ab, dass Antoine keine Zeit mehr blieb auszusteigen.
Ich versuchte mich auf die Gefühle der 3 Flieger einzulassen. Sicher dachten sie, nun sind wir nur noch wenige Flugminuten von der befreiten Heimat entfernt, wo uns kein Feind vom Himmel schießen will.
Sicher dachten sie daran, dass sie, die glorreichen Sieger sind. Sicher wollten sie heute Abend im Casino mit ihren Mädchen und Kameraden und viel Champagner auf die Niederlage dieses grausamen Feindes anstoßen. Wir werden ganz groß feiern, ja, ganz groß!
Wurden sie durch diese von mir hypotetisch gedachten Gedankengänge etwa leichtsinnig? Oder Übermütig?
Leider fand ich trotz Bemühungen Französischer Freunde kein Protokoll über die wirkliche Unfallursache die am Tode von Capitain Antoine Allard die Schuld gegeben werden kann.
Aber ich dachte an den immer noch mysteriösen Absturztod eines anderen Antoins- etwa ein Jahr früher- und über dem Mittelmeer, ebenfalls ein Opfer unseres sinnlosen und unmenschlichen Handelns:
Aus Nachtflug
„Wir wollen nicht ewig leben, aber wir wollen auch nicht alles Tun und alle Dinge plötzlich jeden Sinn verlieren sehen. Dann zeigt sich die Leere, die uns umgibt“
• Antoine de Saint-Exupéry -
_____________________
Daran erinnern ist wichtig und daran denken. Nichts ist niedriger und schlimmer auf unserer Welt, als die Pest des Hasses und Krieges.Wir alle müssen unbedingt- wollen- es zu verhindern! Wir müssen alle den Krieg und den Hass ächten und verdammen und ihn nie als Ziel unseres Handelns zulassen.
Ich weiss von was ich spreche!