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Frieden - Ricarda Huch

Von EwigerBrunnen01 Samstag 19.11.2022, 09:06

Bild lizenzfrei

Von dem Turme im Dorfe klingt
ein süßes Geläute;
man sinnt, was es deute,
daß die Glocke im Sturme nicht schwingt.
Mich dünkt, so hört ich‘s als Kind;
dann kommen die Jahre der Schande;
nun trägt’s in die Weite der Wind,
dass Friede im Lande.

Wo mein Vaterhaus einst fest stand,
wächst wuchernde Heide;
ich pflück, eh ich scheide,
einen Zweig mit zitternder Hand.
Das ist von der Väter Gut
mein einziges Erbe;
nichts bleibt, wo mein Haupt sich ruht,
bis ich einsam sterbe.

Meine Kinder verwehte der Krieg;
wer bringt sie mir wieder?
Beim Klange der Lieder
feiern Fürsten und Herren den Sieg.
Sie freuen sich beim Friedensschmaus,
die müß’gen Soldaten fluchen –
Ich ziehe am Stabe hinaus,
mein Vaterland suchen.


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