Ein Zigarettenende
Von
Fliess
Freitag 13.02.2026, 12:43
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Fliess
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Die Zigarette lag im Gras
Zertreten und zu Tode wund
Der Wind war kalt, der Boden nass
Doch brennend heiss ihr roter Mund
Jungfräulich weiss war einst ihr Leib
Eh‘ ihre Wärme man missbraucht
aus Gier oder zum Zeitvertreib
Und all ihr Sein in Nichts verraucht
Noch einmal zuckt im Todeskampf
Der welke Rest, achtlos verschmäht
Verlöscht dann still im eignen Dampf
Und wird vom Wind hinweggeweht.
Kurt Schwitters, 1878-1948
Schwitters war eigentlich eine prominente Figur des Dadaismus - das Gedicht ist eher untypisch für ihn. Mich fasziniert hier, wie man aus einer Kippe Poesie machen kann (egal, wie man zum Rauchen steht), ganz im Sinne von Eichendorffs „Wünschelrute“:
Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort
Und die Welt hebt an zu singen
Triffst du nur das Zauberwort