"Der Mai ist gekommen" von Emanuel Geibel
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Feierabend-Mitglied
01.05.2022, 11:01
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Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt´!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht;
es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.
Und abends im Städtlein, da kehr´ ich durstig ein:
"Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kann blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust´ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing´ ich dazu!"
O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!
E. Geibel (1815 - 1884)
Die 1. Strophe kann sicher Jeder mitsingen, dagegen Str. 2 bis 4 ist weniger bekannt bzw. geläufig.
Einen schönen 1. Mai wünscht allen Lyrikfreunden
Bärbel