Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

2 3

Das Veilchen und der Schmetterling (Nikolaus Lenau

Von EwigerBrunnen01 Donnerstag 20.01.2022, 10:38

Bildquelle: Pixabay kostenlos

Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,

bei sanftem Frühlingswehen

süßen Duft durch die Luft.

Da kommt auf schwankendem Flügel

ein Schmetterling über den Hügel

und senket zur kurzen Rast

zum Veilchen sich nieder als Gast.

Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,

zu blühen, wo niemand dein genießt!

Veilchen:

Nicht ungenossen blüh ich hier,

ein Schäfer kommt gar oft zu mir

und atmet meinen Duft und spricht:
„Ein solches Blümchen fand ich nicht,

wie Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!

Schmetterling:

Es ist schöner doch, glaub meinem Wort,

zu blühn auf freier Wiese dort,

in jener bunten Blumenwelt,

als hier im dunklen Schattenzelt!

Veilchen: 

Hier bin ich meines Schäfers Wonne,

dort aber bleichet mich die Sonne,

und ohne Farbe, ohne Duft,

find ich zu früh dort meine Gruft,

drum blüh ich in der Einsamkeit,

wenn auch nur Einer mein sich freut.


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Deutsche Lyrik > Forum > Das Veilchen und der Schmetterling (Nikolaus Lenau