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Anno 1839 - Heinrich Heine

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 03.11.2022, 08:08

Eigenes Foto - Am Rhein


Oh, Deutschland, meine ferne Liebe,

gedenk ich deiner, wein ich fast!

Das muntre Frankreich scheint mir trübe,

das leichte Volk wird mir zur Last.



Nur der Verstand, so kalt und trocken,

herrscht in dem witzigen Paris -

Oh, Narrheitsglöcklein, Glaubensglocken,

wie klingelt ihr daheim so süß!



Höfliche Männer! Doch verdrossen

geb ich den art'gen Gruß zurück. -

Die Grobheit, die ich einst genossen

im Vaterland, das war mein Glück!



Lächelnde Weiber! Plappern immer,

wie Mühlenräder stets bewegt!

Da lob ich Deuschlands Frauenzimmer,

das schweigend sich zu Bette legt.



Und alles dreht sich hier im Kreise,

mit Ungestüm, wie 'n toller Traum!

Bei uns bleibt alles hübsch im Gleise,

wie angenagelt, rührt sich kaum.



Mir ist, als hört' ich fern erklingen

Nachtwächterhörner, sanft und traut;

Nachtwächterlieder hör ich singen,

dazwischen Nachtigallenlaut.



Dem Dichter war so wohl daheime,

in Schildas teurem Eichenhain!

Dort wob ich meine zarten Reime

aus Veilchenduft und Mondenschein.

Aus diesem Gedicht ist die Sehnsucht Heines nach Deutschland erkennbar. Und was hätte er 100 Jahre später über Deutschland geschrieben - im Jahr 1939?

1827 schrieb er: „Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin […]“

Er kehrte nie wieder nach Deutschland zurück und starb in der „Fremde“.


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