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"An meine Mutter B. Heine, geborene von Geldern"

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 14.12.2022, 16:57

Ich bin´s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
mein Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
ich würde nicht die Augen niederschlagen.
Doch, liebe Mutter, offen will ich´s sagen:
wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,
in deiner selig, süßen, trauten Nähe
ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.
Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet,
und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget
quält mich Erinnerung, dass ich verübet
so manche Tat, die dir das Herz betrübet?
Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?

Im tollen Wahn hab ich dich einst verlassen,
ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf alles Gassen,
vor jeder Tür streckt ich aus die Hände,
und bettelte um geringe Liebesspende -
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer
und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
und ach! was da in deinem Aug geschwommen,
das war die süße, langgesuchte Liebe.


Gestern jährte sich zum 225. Mal Heinrich Heine´s Geburtstag.
Ich finde, eine bessere Liebeserklärung an eine Mutter kann man nicht schreiben.

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