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Potter und Hohlbein lassen grüßen

Da ist er also wieder: Der Herbst. Deutlich spürbar werden die Tage kürzer und die Nächte länger. Ich mag es lieber umgekehrt: Lange Tage, kurze Nächte. Wir können es nicht ändern und müssen das nun so nehmen wie es ist.
Noch wage ich mich abends zu Fuß zum Haus hinter der Mühle. Der Beutel mit Buch und Thermosflasche ist nicht so schwer, dass er nicht zu tragen wäre.
In dieser Gegend lebe ich noch nicht lange. Mancher Spaziergang hat mich neue Wege finden lassen. So weiß ich inzwischen, welche Sackgasse nicht wirklich eine ist und welche dann doch vor einem tiefen Graben endet. Geholfen hat mir auch eine Straßenkarte, die ich mir so gut einprägte, dass ich sie im Kopf habe. Dass es aber doch wohl nicht gut genug war, merkte ich an diesem Abend.

Zwei Stunden später war der Singabend vorüber. Meine Güte, wie dunkel es war und nebelig dazu! Mit meiner kleinen Taschenlampe fand ich ohne zu stolpern den Weg zur rund 165 Schritte entfernten Hauptstraße. Auf der anderen Seite ist eine Gasse, die ich zu laufen habe. Dann geht es durch eine leichte Rechtskurve, an einem kleinen Park entlang und ich bin da, wo mein Schlüssel ins Schlüsselloch passt.

Normalerweise.

Wieso war denn nur die Straße heute so lang? – Das kommt von der Dunkelheit und dem Nebel, beruhigte ich mich. Dann sieht die Welt ja bekanntlich etwas anders aus.
Aber seltsam, diese Straßenbiegung – war die denn sonst auch da? Das ist mir ja nie aufgefallen!? – Und – hatte ich die Häuser schon mal gesehen? Aber mit herunter gelassenen Rollläden sieht auch ein Haus um diese Tageszeit anders aus. Das kommt sicher auch von der Dunkelheit und dem Nebel...

Ich fühlte ein leichtes Kribbeln in meinem Nacken und ein Fragezeichen nach dem anderen schlich sich in meine Gedanken. Dann hörte ich plötzlich Autos fahren. Es hörte sich nach einer großen Verkehrsstraße an. Auf meiner Landkarte im Kopf konnte ich die nicht finden. Wohin war ich bloß geraten?

Jetzt stand ich hier und wusste nicht weiter. Vor lauter Nebel konnte ich nicht sehen, ob an der anderen Straßenseite ein Fahrradweg oder ein Graben war.

Aber halt, an meiner Seite stand ein Straßenschild. Das hatte ich doch auch schon woanders gesehen? Und da sah das aber ganz anders aus als hier!

Ich hatte plötzlich das unheimliche Gefühl, als wäre ich mitten in einer Harry-Potter-Geschichte oder in einem Roman von Wolfgang Hohlbein. Bei denen geht es auch nicht mit rechten Dingen zu.

Fragen konnte ich niemanden. Es war keiner da. Und mein Handy lag zu Hause auf dem Tisch.
Na denn: Tief durchatmen, beruhigen und bis dahin zurück laufen, was mir wieder bekannt vorkommt. –

Ich bin dann doch noch zu Hause gelandet. Später habe ich mir bei Tageslicht und ohne Nebel angesehen, welchen Weg ich genommen hatte. Mehr rechts hätte ich laufen müssen, mich nicht nur an der Straßenkante zu meiner Linken orientieren. Die Denkmalstraße macht einen Bogen wieder zur Hauptstraße hin, über die ich vordem gelaufen bin. Das hätte ich wissen müssen.

Aber jeder Weg führt irgendwo hin. Und wenn es nach Rom ist...

(c)Elke Bontjer-Dobertin / egalis

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