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Gedanken auf Abwegen

Ich sitze in der Eingangshalle eines renommierten Budapester Hotels. Es ist ein beeindruckendes Gebäude, entstanden in der vorletzten Jahrhundertwende. Mein Blick schweift umher: stuckverzierte Decke, funkelnde Kristalllüster und schwere Samtvorhänge - Luxus pur.
Da entdecke ich etwas, das auch Luxus pur ist: der Mann, der mir gegenüber sitzt.
Sein Gesicht ist edel mit markanten Zügen, die üppigen dunklen Haare sind an den Schläfen leicht ergraut.
Was für ein gut aussehender Mann! Er liest die New York Times, doch dann blickt er auf und sieht mir direkt in die Augen. Oh, der Blick aus diesen Glutaugen geht mir durch und durch. Das sind Plüschaugen! Meine Mutter nannte solche Art von Männeraugen Plüschaugen. Er hat sich wieder seiner Zeitung zugewandt. Ist echt ein toller Typ, so eine Mischung aus Omar Sharif und Pierre Briece. Ja, das waren tolle Schauspieler! Lang, lang ist's her.
Apropos lange her - mir kommt in den Sinn, dass ich vielleicht etwas älter bin als dieser Typ. Ach was, der moderne Mann steht heutzutage auf ältere Frauen. Oder etwa nicht?Wenn der mich kennenlernen würde wäre er bestimmt so fasziniert von mir, dass die fünf oder fünfzehn Jahre hin oder her für ihn kein Thema wären! Naja, die Hoffnung stirbt wohl zuletzt...
Im Geiste sehe ich schon unseren Hochzeitsempfang. Meine Freundinnen würden mich fragen: "Wo hast du denn so einen tollen Mann kennengelernt?" Nonchalant würde ich antworten: "Er hat mich in der Lobby eines Budapester Hotels angesprochen."
Ich betrachte seine Hände. Lange, sinnliche Finger, männlich und stark. "Wenn diese Hände...." naja, die Fantasie geht wohl wieder mit mir durch. Wieder wirft Plüschauge mir einen Blick zu und schmunzelt leicht. "Oh Gott, kann dieser Typ etwa Gedanken lesen?" Ich merke wie mir schlagartig das Blut in die Wangen schießt und halte meine Zeitung voll vor mein Gesicht.
Alles was ich jetzt noch von ihm sehen kann sind seine braunen Hochglanzschuhe. Da höre ich Geklapper von Absätzen, die auf uns zu klappern. Eine Frauenstimme ruft: "Oh Darling, there you are!" Mein Schönling erhebt sich, legt seinen Arm um die Dame und schreitet von dannen. Naja.... das war's dann wohl.......

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