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Schloss Albeck - Ein Platz für Träumer

Jahre vergingen, bevor ich meinem Wunsch Bildhauerei zu betreiben nachging. Das Angebot in der VH nahm ich wahr und meldete mich an. Nun war es soweit und ich begab mich mit meinen Erwartungen und Befürchtungen nach Albeck, ca.6 km westlich von L.
Der Tag versprach schön zu werden, als ich mich morgens um zehn Uhr ins Auto setzte. Obwohl in unmittelbarer Nähe von L., stand ich erstmals vor diesem schwarzen, schmiedeeisernen Eingangstor, mit goldenem Wappen.
Der Anblick durch das filigran geschmiedete Eisentor ließ mein Herz höher schlagen. Idyllisch lagen Skulpturen und Werkzeuge im Eingangsbereich. Ein Platz für Träumer! Vorfreude beschlich mich als ich die einstige Festung betrat.
Der Weg zum Steinmetzatelier führte alte Steintreppen runter, in ein kleines verwildertes Schlosswäldchen. Bäume, Sträucher und Büsche säumten den holprigen Schotterweg. Mal ein Schubkarren, mal ein Ball oder Dreirad. Ein Spielparadies für Kinder. Die Luft roch würzig nach Waldmeister und die Baumwipfeln gaben dem sanften Drängen des Windes nach. Es war, als würde man in eine andere Welt eintauchen.
Ein verwittertes Holzhäuschen zwischen Bäumen und Gestrüpp, zogen meine Blicke auf sich. Nach ca. 5 Minuten sahen wir eine Lichtung und mit wenigen Schritten hatten wir das „Bildhauerei-Atelier“ erreicht. Zuerst wurde alles mal gebührend bestaunt, bevor ich mir meinen Platz aussuchte.

Ich fühlte mich wohl und mir schien, als wenn ich hierhin gehören würde.
Gleißendes Sonnenlicht erwärmte an diesem Frühlingsvormittag Tische und Bänke. Knüpfel, Meisel, Schlageisen, Spitzeisen, Zahneisen, Steine etc. standen darauf und warteten auf ihren Einsatz. Sandsteine in unterschiedlichen Tönungen, Härten und Größen lagen verstreut herum. Idylle pur!
Nach kurzer Einführung hatte nun jeder seinen Platz und Stein. Meine leicht pastellierte Zeichnung „Julia“, hatte ich mir als mein Erstlingswerk auserkoren. Ich hatte mir viel vorgenommen.

Zuerst musste die Figur aus Ton modelliert werden, bevor man sie aus Stein schlug. Zirka17 Jahre war es her, dass ich letztmals getöpfert hatte und stand nun etwas hilflos vor einem großen Klumpen braunen Ton. War gar nicht so einfach aus diesem formlosen Etwas eine Büste zu formen. Aber ich hatte sie „großzügig“ geformt, um schnell fertig zu werden.
Nun wurde der Sandstein geholt, auf den Tisch gehievt und Meisel und Knüpfel angesetzt, deren Klopfen und Hämmern im Wald verhallten.
Ich und meine Kollegen waren munter und voller gute Dinge. Schon nach kurzer Zeit hatten wir graue, staubige Hände, Haare und Kleidung. Steinstückchen schwirrten um den Kopf und manch Steinsplitter hängten im Haar.
Mit Eifer war ich dabei. Glücklich und zufrieden. Konnte kaum erwarten „Julia„ als „Endprodukt“ zu sehen.

Pause war angesagt. Jetzt merkte ich erst wie meine Muskeln schmerzten. Wir packten unsere mitgebrachte Verpflegung aus und setzten uns erschöpft ins Gras. Der milde Frühjahrswind säuselte durch die Baumkronen. Ringsum munteres Gelächter. Ich genoss es abseits der Straße, die Sonne und die Stille des Waldes. Hier machte der Alltag eine Vollbremsung.
Die Verschnaufpause hatte gut getan und ich schlug wieder frohen Mutes auf den Stein. Vergessen die schmerzenden Glieder und die aufkommende Müdigkeit. Gegen Abend betrachtete ich kritisch mein Erstlingswerk und legte nochmals letzte Hand an. Mal hier, mal da noch ein Schlag.
So, nun war sie fertig. Meine „Julia“. Jeden einzelnen Muskel hatte ich verspürt. Aber ich war ausgeglichen und zufrieden gewesen. Zufrieden darüber, dass ich wieder was in meinem Leben gelernt hatte und ausgeglichen darüber, dass es ein so wunderschöner Tag gewesen war.

Copyright Text und Fotos:Jarosch/Ingrid










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