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Die letzte Begegnung

Als wir uns begegneten, waren wir jung und voller Zuversicht, ab jetzt für immer zusammen zu bleiben. Ein Blick-Kontakt und schon war es um uns geschehen: Liebe auf den ersten Blick nach 2 Jahren Trauer um meinen jäh verstorbenen Ehemann.
Ein neues Glück, mein Sohn hatte wieder einen Vater, schöne Reisen, Skilaufen im Winter, radeln im Sommer, heitere Feste, viele gemeinsame Freunde, die Welt war wieder in Ordnung.

Der Absturz in die Trennung kam jäh und unerwartet: Berufliche Überforderung seinerseits, kaschiert durch Bier und Cognac, mein Sohn akzeptierte seinen *Leitwolf* nicht mehr, nichts war mehr wie es vorher war. Eine ganz alltägliche Geschichte, die viele Frauen kennen wenn ihre Männer Alkohol zum Abschalten des beruflichen Stresses konsumieren.

Nein, es war keine gute Zeit, weder für ihn, noch für mich, wir fanden einfach keine bessere Lösung als eine Trennung. Unsere Freunde hatten sich inzwischen von allein zurück gezogen.

Ja, es gab irgendwann einen neuen Anfang, für ihn, wie auch für mich, neue Partnerschaften - aber nie wieder so ein starkes Gefühl füreinander, wie wir es hatten.

Inzwischen sind 30 Jahre vergangen, wir sind alt geworden, jeder auf seine Weise: Er passte sich seinen neuen Partnerinnen an, fuhr nie wieder Ski, nie wieder radelte er durch Fuhrbergs Kieferwälder wie wir damals.

Ich bin inzwischen im Schwarzwald heimisch geworden, habe hier einen einheimischen, liebevollen Partner gefunden, wandere und radele immer noch, meine Langlaufski stehen immer noch bereit, nur sind sie jetzt neu und haben viele schwarze Loipen im Schwarzwald kennen gelernt.

Vor einer Woche besuchte ich ihn am alten Wohnort von damals, dieses Mal im betreuten Wohnen. Vor mir stand ein Fremder: Dick geworden, krank, gezeichnet von Herz-OPs und Medikamenten. Nein, er raucht und trinkt schon lange nicht mehr - und dennoch, zu spät kam die Einsicht, das Leben radikal zu ändern.

Weißt du noch, damals...? Es kamen so viele wunderbare gemeinsame Erinnerungen in uns hoch und das Erkennen des *Nie wieder*.... absolut und unwiederbringlich.

Was bleibt: Friede zwischen uns, kein böses Wort, nur das Gute soll bewahrt bleiben, wir sind weiser geworden als damals, als wir jung waren und noch nicht daran dachten, dass das Leben einmal ein Ende hat.

Mit schleppenden Schritten brachte er mich zur Straßenbahn, schaffte den Weg nicht mehr, die Luft wurde ihm knapper bei jedem Schritt.
Er fühlt sich so einsam im betreuten Wohnen, er hatte nie eigene Kinder.

Ich schritt leichtfüßig über die beiden 2-spurigen Autostraßen, drehe mich immer wieder um. Er stand still auf seinem Platz, sah mir nach, winkte, wenn ich mich umdrehte. Als die Bahn kam, waren fast 10 Minuten vergangen. Ich lehnte am Geländer der Haltestelle und sah ihn die ganze Zeit bewegungslos und verloren am Übergang stehen. Ab und zu hob er die Hand zu einem lieben Gruß, wir wussten beide, es war unsere letzte Begegnung...

von amazonia

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