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Biberschwänze

Es war Sommer und draußen lachte die Sonne. Vor meinen Augen gaukelten die schönsten Wochenendphantasien herum. Was würde ich dieses Wochenende unternehmen – Ausgehen – natürlich oder ins Schwimmbad ? Ach, es gab ja so vieles, was schöner war, als hier in diesem ungeliebten Büro zu sitzen und die Schreibmaschine zu quälen. Es war gar zu langweilig und immer eingesperrt – Oh, das war nichts für mich.


Gott sei Dank – heute war Sonnabend und wir hatten schon zur Mittagszeit Feierabend. Dann kann ich endlich hier raus. Viel Zeit fehlte nicht mehr, nur noch ein paar Minuten und ich fing schon an, unauffällig meine Sachen zusammenzupacken.


Leider hatte ich diese schöne Rechnung ohne den „Wirt“, nämlich unseren Chef, gemacht. Und der war ein ganz besonderes Exemplar. Man muß sich einen Typen wie J. R. Ewing aus der Fernsehserie Dalles vorstellen, immer auf`s Feinste gekleidet, geschniegelt und „gebügelt“ und von sich eingenommen, daß es nur „rauchte“. Und obendrein noch eingebildet und von „oben herab“. Er war nirgends beliebt, schon gar nicht bei den Firmen, mit denen wir es zu tun hatten . An den hatte ich in meinen schönen bunten Wochendträumereien am aller wenigsten gedacht. Ich saß da, starrte mehrere Löcher in die Luft und war so recht von Herzen froh mit meinem Dasein.


Auf einmal flog die Tür auf und hereingerast kam ER, stürmte auf mich zu, fuchtelte mit einigen Papieren durch die Luft und hechelte: „Fräulein Assie, hier ist noch ganz eilige Post, die heute noch raus muß. Ich werde sie Ihnen schnell diktieren, habe sie bereits „blanko“ unterschrieben. Machen Sie sie dann fertig und schicken sie dann sofort ab.“
Das hätte er nicht tun sollen – das war ein Fehler. ….


Schlecht war meine Laune auf einmal. Was dachte er sich denn, ich bin doch gar nicht mehr hier – bin längst auf meinen rosaroten Wolken. Aber es half ja nichts, ich musste die Briefe noch schreiben. Es war eine Bestellung über 10.000 Biberschwänze, die man zur Deckung von Hausdächern benötigte. --- Schnell runtergedonnert und dann ab nach Hause. Aus, Schluß, Feierabend.


Aber dann - - - Der Montag kam und mit ihm wieder die Arbeit. Doch das machte nichts – das Wochenende war sehr schön gewesen und ich war bester Laune.


Diese gute Laune war mit einem Knall auf einmal weg. Die Tür “ Seiner Majestät“ flog auf und herausgeschnauft kam ER mit hochrotem Gesicht – direkte auf mich zu. Ich starrte ihn mit weitaufgerissenen Augen an und dachte : Jetzt schleudert er Dich durch die Luft. Doch ich war mir keiner Schuld bewußt.


Er schrie: „Wissen Sie, was Sie getan haben ? Sie haben mich lächerlich gemacht. Die ganze Firma lacht über mich. Sie haben mein Ansehen herabgesetzt. Ich bin blamiert in der ganzen Branche. Das dortige Sekretariat konnte sich kaum beruhigen vor Belustigung und der Firmenchef hat mich gefragt, ob ich denn meine Briefe nicht durchlese, bevor ich sie untersschreibe“.


„Wissen Sie, was Sie bestellt haben Sie Unglückswurm ? Nicht 10.000 Biberschwänze, wie ich diktiert habe, nein - 10.000 Rattenschwänze haben Sie bestellt“.


Ich wurde ganz klein und kleiner. Ich dachte, er nimmt mich auseinander.
Nur meine Kolleginnen - - - die waren guter Dinge – Solch einen Reinfall hatten sie ihm schon lange gewünscht und sie konnten sich das Grinsen kaum verkneifen.


Sein Ansehen war futsch und mich mied er in den nächsten Tagen, was ich allerdings als sehr angenehm empfand.
Wieso diktiert er mir auch so kurz vor Dienstschluß noch Briefe.

von Lippehne

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