SommerDu gute Linde, schüttle dich!Ein wenig Luft, ein schwacher West!Wo nicht, dann schließe dein GezweigSo recht, dass Blatt an Blatt sich presst.Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;Allein die bunte FliegenbrutSummt auf und nieder übern RainUnd lässt sich rösten in der Glut.Sogar der Bäume dunkles LaubErscheint verdickt und atmet Staub.Ich liege hier wie ausgedorrtUnd scheuche kaum die Mücken fort.O Säntis, Säntis! läg' ich dochDort, - grad' an deinem Felsenjoch,Wo sich die kalten, weißen DeckenSo frisch und saftig drüben strecken,Viel tausend blanker Tropfen Spiel;Glücksel'ger Säntis, dir ist kühl!Annette von Droste-Hülshoff (1797-184Ich hoffe, Annette von Droste-Hülshoff verzeiht mir, wenn ich gestehe, dass ich lieber an der Nordseeküste wäre, als am Säntis. Da dieses auf die Schnelle nicht möglich ist, verziehe ich mich gleich in die schattigen Eifelwälder und geniesse das herrliche Sommerwetter.Euch wünsche ich auch einen schönen Tag,Marianne
SommerDu gute Linde, schüttle dich!Ein wenig Luft, ein schwacher West!Wo nicht, dann schließe dein GezweigSo recht, dass Blatt an Blatt sich presst.Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;Allein die bunte FliegenbrutSummt auf und nieder übern RainUnd lässt sich rösten in der Glut.Sogar der Bäume dunkles LaubErscheint verdickt und atmet Staub.Ich liege hier wie ausgedorrtUnd scheuche kaum die Mücken fort.O Säntis, Säntis! läg' ich dochDort, - grad' an deinem Felsenjoch,Wo sich die kalten, weißen DeckenSo frisch und saftig drüben strecken,Viel tausend blanker Tropfen Spiel;Glücksel'ger Säntis, dir ist kühl!Annette von Droste-Hülshoff (1797-184
Ich hoffe, Annette von Droste-Hülshoff verzeiht mir, wenn ich gestehe, dass ich lieber an der Nordseeküste wäre, als am Säntis. Da dieses auf die Schnelle nicht möglich ist, verziehe ich mich gleich in die schattigen Eifelwälder und geniesse das herrliche Sommerwetter.Euch wünsche ich auch einen schönen Tag,Marianne