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Ziele und Beweggründe der Roten Armee Fraktion (RAF)

Die Ausgangssituation

Um die Entstehung der RAF nachvollziehen zu können, muss man sich die Ausgangssituation in der Bundesrepublik Deutschland der 1960er Jahre vor Augen führen. Die erste Nachkriegsgeneration war nun in dem Alter, wo sie begann, der Generation ihrer Eltern unangenehme Fragen zu stellen. Die mangelnde Bereitschaft, die Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten, war ein entscheidender Faktor, der zur politischen Positionierung der Jugend gegen das bestehende System beitrug. Dies machte sich etwa an der Person des Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger (CDU) fest, der sein Amt trotz einstiger Mitgliedschaft in der NSDAP innehatte.

Auch die Nähe der BRD-Regierung zu der der Vereinigten Staaten von Amerika wurde mit äußerster Skepsis bis hin zu totaler Ablehnung betrachtet. Hauptkritikpunkte waren Menschen- und Völkerrechtsverstöße wie der Vietnamkrieg. Gleichzeitig wurden die Protestbewegungen in den USA selbst auch zum Vorbild für die Außerparlamentarische Opposition (APO) herangezogen.

Wichtigstes Ziel der Bewegung war neben einer Distanzierung von den USA und einer lückenlosen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Kampf für Gleichberechtigung bzw. gegen konservative Rollenverteilungen und Gesellschaftsstrukturen.

Der zündende Funke

Angespannte politische Lagen eskalieren oft wegen einer einzelnen Handlung, einem zündenden Funken, der das Feuer entfacht. Der Funke, an dem sich die bis dahin friedliche Studentenbewegung entzündete und radikale und militante Strömungen in ihr an Macht und Zulauf gewannen, war die Erschießung Benno Ohnesorgs.

Am 2. Juni 1967 besuchte der Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, die Bundesrepublik Deutschland. Der Staatsbesuch war allein aufgrund der Person des Schahs, der mit autokratischen Methoden die Interessen der USA im Nahen Osten mitdurchsetze, für viele ein Affront. So kam es vonseiten der Studentenbewegungen zu Demonstrationen gegen den Staatsbesuch. Bei einer dieser Demonstrationen wurde der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen. Obgleich vor Gericht Kurras’ Behauptung, in Notwehr gehandelt zu haben, widerlegt wurde, wurde er von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Gedenktafel der Skulptur von Alfred Hrdlicka

Gedenktafel Benno Ohnesorg am Relief "Der Tod des Demonstranten" von Alfred Hrdlicka, vor der Deutschen Oper Berlin

Anfänge der RAF

Bestimmte Kreise innerhalb der Studentenbewegung gelangten zu der Überzeugung, dass das „imperialistische System“ mit friedlichen Mitteln nicht wirkungsvoll bekämpft werden könne. Am 2. April 1968 wurden in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brände gelegt. Die Täter wurden nach zwei Tagen verhaftet und im Oktober desselben Jahres zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Während sich einer der beiden Rädelsführer, Gudrun Ensslin, dem Vollzug des Urteils entziehen konnte, wurde der andere, Andreas Baader, inhaftiert.

Das Attentat auf den Wortführer der Studentenbewegung, Rudi Dutschke am 11. April 1968 führte zum Zerfall der bis dahin geeinten Bewegung, was wiederum zur Folge hatte, dass manche aufgaben, andere den „langen Marsch durch die Institutionen“ antraten und einige sich zunehmend radikalisierten.

Zu jenen, die nun auch bereit waren, zu radikaleren Mitteln zu greifen, gehörte die damals renommierte Journalistin Ulrike Meinhof. Unter dem Vorwand, sie wolle mit Baader an einem Buch arbeiten, gelang es ihr, ein Treffen mit ihm im Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen genehmigt zu bekommen, bei dem sie Baader zur Flucht verhalf. Diese Aktion gilt heute gemeinhin als Geburtsstunde der RAF, obgleich sie ihren Namen erst später erhielt.

In Jordanien wurden die Mitglieder der ersten Generation nach ihrer Flucht von Al-Fatah-Kämpfern im Umgang mit Waffen und Sprengstoffen ausgebildet, ehe sie ab 1972 Terroranschläge in der BRD verübten.

Wichtige Köpfe der ersten Generation:

Andreas Baader: Anders als etwa Ensslin oder Meinhof war Baader vermutlich kein Überzeugungstäter und bis zu seiner Beziehung zur überzeugten Marxistin Gudrun Ensslin praktisch gänzlich unpolitisch. Im Ausbildungslager in Jordanien kristallisierte Baader sich als Führungsperson heraus, weil er andere Mitglieder von oben herab behandelte, schikanierte und gar mit ihrer Tötung drohte. Ferner widersetze er sich Anweisungen der Ausbilder. Bezeichnet ist etwa seine Weigerung, statt seiner modischen Samthosen einen Kampfanzug zu tragen. Ferner soll er nicht in der Lage gewesen sein, intellektuell mit anderen Mitgliedern mitzuhalten.

Ulrike Meinhof: Im krassen Gegensatz zu Baader kann die einst als Redakteurin von konkret erfolgreiche und renommierte Journalistin Ulrike Meinhof als Idealistin und der spätere intellektuelle Kopf der Roten Armee Fraktion gesehen werden. Die Entwicklung, die das linksgerichtete Magazin ab 1968 nahm, führte letztendlich zum Zerwürfnis mit Herausgeber und Gründer Klaus Rainer Röhl. Meinhof gelangte zu der Überzeugung, dass die friedfertige Linke im Grunde ein Feigenblatt wäre, das nur dazu diene, den Kapitalismus länger am Leben zu halten, weshalb sie den bewaffneten Kampf als unumgänglich ansah.

Gudrun Ensslin: Die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin, deren politische Haltung wohl auch als Rebellion gegen die Bigotterie des Elternhauses gesehen werden kann, nahm vor allem bei der Entstehung der RAF die wohl entscheidendste Rolle ein. Nicht nur, dass sie Andreas Baader überhaupt erst dazu gebracht haben dürfte, politisch motivierte Anschläge auszuführen, nein, sie brachte nach Baaders Inhaftierung auch Ulrike Meinhof ins Spiel. Danach hielten aber vor allem Baader und Meinhof selbst die Zügel in der Hand.

Horst Mahler: Der damalige Star-Anwalt der linken Szene beteiligte sich – zumindest so weit bekannt – selbst nie aktiv an Anschlägen, wurde aber 1971 wegen Bankraubes und Gefangenenbefreiung zu 14 Jahren Haft verurteilt. Seine Anwälte waren Hans-Christian Ströbele und Otto Schily. Eine vorzeitige Entlassung im Jahre 1980 erzielte schließlich Gerhard Schröder, der damals ebenfalls als Anwalt für Mahler aktiv war. Inwieweit Mahler wirklich Überzeugungstäter war, gilt seit seiner Kehrtwende zum Rechtsextremismus hin als fragwürdig.

Jan-Carl Raspe: Raspe war Mitbegründer der Kommune 2. Die gemeinsame Wohnung Raspes und seiner Freundin Marianne Herzog, welche mit Meinhof befreundet war, diente 1970 als versteck der Gruppe um Baader und Meinhof. Raspe war in gewisser Weise der Techniker der RAF und vermutlich der Konstrukteur der meisten ihrer Bomben.

Ziele und Vorgehen

Das wirkliche Endziel der RAF ist nur schwer zu fassen. Es ist bis heute ungewiss, ob sie sich überhaupt selbst konkrete Gedanken darüber machten, wo sie irgendwann hinwollten. Strebten sie Kommunismus nach Marx’ Vorstellungen an, eine Art Utopia? Orientierten sie sich an irgendwelchen real-sozialistischen Staaten ihrer Zeit? Sahen sie sich nach Erfolg der Revolution selbst in Führungsrollen?

Wirklich sicher ist man sich nur hinsichtlich der ursprünglichen Nahziele, die man wie folgt zusammenfassen kann:

- Aufzeigen faschistischer Strukturen innerhalb der BRD
- Mythos von der Unangreifbarkeit des Staates zerstören
- Infragestellung des staatlichen Gewaltmonopols
- Thematisierung der sozialen Frage
- Anknüpfen an internationale Guerillakämpfe

Nach der Ausbildung in Jordanien beging die erste RAF-Generation zunächst eine Reihe von Banküberfällen, um das nötige Kapital zur Finanzierung späterer Aktionen zu erbeuten. In dieser Phase erschienen auch verschiedene Schriften Meinhofs, in denen sie auch die wachsende Kritik aus Seiten der radikalen Linken selbst ansprach und „Populäre Aktionen“ ankündigte. Diese folgten in der Mai-Offensive in Form von sechs Sprengstoffanschlägen im Jahre 1972. Zwei der Anschläge richteten sich gegen Militäreinrichtungen der US-Streitkräfte, zwei gegen Polizeibehörden, einer gegen das Hamburger Verlagsgebäude des Springer Verlages und einer gegen den Richter Wolfgang Buddenberg. Die erste Generation wurde bald darauf verhaftet, was die zweite auf den Plan rief, deren Hauptaugenmerk nun mehr darauf lag, die Mitglieder der ersten Generation freizupressen, womit sich der einst idealistische, politische Anspruch endgültig verlor.

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