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Apfent

Nein, das ist kein Schreibfehler, das ist auch nicht Alemannisch - meine mir angeborene Muederschproch - obwohl es sich so ähnlich anhört, wenn ein ächder Alemanne Advent ausspricht.
Apfent ist ein Kunstwort, gerade von mir im Moment erdacht und ist die Kombination aus Apfel und Advent also Apfent.
Gerade, wenn ich so hier sitze und mir überlege, was es denn noch zum Schreiben gäbe, in einer Zeit, wo es nichts gibt, was nicht schon beschrieben wurde, ziehen Adventsdüfte durch unsere Wohnung. Unser Wohnzimmer wächst langsam Weihnachten entgegen. Kerzen beleuchten geheimnisvolle Dinge. Auf einem Bücherschrank steht bereits eine beflügelte Damenkapelle, genauer gesagt ein Trio, die aber noch nicht in die Posaunen und Schalmeien pusten dürfen, denn noch ist nicht Heiliger Abend.

Die Woche vor dem Advent waren wir oft im Wald und haben die Ohren gespitzt. Nicht auf den Gesang von Singvögel waren wir aus, obwohl die Bergfinken hoch oben über dem Nebel im Sonnenschein sich gerade so anhörten, als sei der Frühling ausgebrochen.
Wir lauschten ganz anderen Tönen nach.
Das Gekreische und der Klang von Baumsägen war uns liebliche Musik und leitete die Wanderschuhe über Wurzel und Stein, dorthin wo gerade Bäume, namentlich Tannen und Fichten, ihr Leben für Bedürfnisse von uns Menschen lassen müssen.
Der Ruf: „Baum fällt“, hielt uns zwar kurz auf Abstand, aber dann nichts wie hin und das schönste Reis geschnitten, von ganz oben, wo man sonst niemals mit der Gartenschere hinkäme. Der Abtransport ist nicht so einfach, denn das Grün muss Kilometer lang zurück geschleppt werden. Der Kofferraum ist total versaut und die Kleider harzig. Aber für einen richtigen Adventstannenduft ist nichts zu schwer oder zu weit.
Das Tannenreis wird im Wohnzimmer verteilt, der Adventskranz profitiert besonders vom Waldesgrün und auch der Balkon bekommt eine Ladung ab. Schmuck nach außen und für die hungrigen Piepmätze, ihnen dienen die immergrünen Äste als Sitzplätze und Wetterschutz.
Aber bei aller Schwärmerei für Tannengrün habe ich fast vergessen meine Apfelschnitz-Dörranlage zu kontrollieren.

Seit langem besitzen wir so ein Ding und wenn die Hohe Zeit näher rückt, wird sie hervorgeholt. Saftige süße Äpfel schneide ich in Ringe und lege diese wohl geschichtet auf die Bleche, die von unten her elektrisch beheizt werden. Und dann, nach wenigen Minuten, zieht ein Duft durch die Wohnung, der jeden, der noch riechen kann, in einen wahren Apfenttaumel versetzt. Die apfeligen Duftschwaden durchströmen das Wohnzimmer und verbinden sich dort mit dem harzigen Tannengeruch. Es entsteht eine Apfentatmosphäre, die uns weihnachtliche Vorfreude entlockt und uns einstimmt auf das was bald geschehen wird: Es wird wieder Weihnachten werden.

Früher in meiner Jugendzeit - und das ist verdammt lange her - haben wir, sobald die Apfelernte begann, die Äpfel genau so in Ringe geschnitten, und diese dann an geeigneten Sonnenplätzen auf Schnüre aufgezogen und Frau Sonne hat dafür gesorgt, dass wir Kinder etwas Süßes an Weihnachten zum Knabbern hatten. Getrocknete Apfelschnitze entwickeln eine ganz besondere, süße Note und man kann lange auf ihnen herum kauen. Nur im Vergleich zur alten Art des Trocknens, diesen Duft habe ich erst mit der elektrischen Darre kennengelernt. Leider ist diese System nicht im Sinne von Strom sparen, das gebe ich unumwunden zu.
Aber dieser Apfentduft: unbeschreiblich!



Autor: Fiddigeigei

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Themen > Leben > Weihnachten 2019 > Adventskalender > 06. Dezember