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Friseurmuseum – ein Besuch der besonderen Art

Seit Mitte Januar 2013 gibt es in Neu-Ulm das an die Deutsche Friseurakademie angegliederte Friseurmuseum, das heute, Mittwoch 13.03.2013 unser Ziel sein sollte.

6.000 Raritäten aus der Geschichte des Friseurhandwerks haben in 6 Räumen ihren Platz gefunden
Die Exponate stammen aus der Zeit von 27.000 vor Christus bis in die Gegenwart.

Wer gerne einmal erleben möchte, wie sich die Welt der Friseure im Laufe der Zeit gewandelt hat, der findet in Zopf's Friseurmuseum allerlei Geschichtliches. Ein bisschen Antike, ein wenig Moderne und jede Menge Kurioses.

Das Museum soll den Menschen das Friseurhandwerk, Sitten und Bräuche, Kulturgeschichte, die Hygiene und Mode näher bringen.
Heinz Zopf, Friseur und ehem. Berufsschullehrer sowie Sammler dieser Raritäten will uns selbst durch die Räume führen, und hat zu jedem Ausstellungsstück eine Anekdote parat.

Nachmittags standen wir in der Daimlerstraße 4 in Neu-Ulm vor der Friseurakademie und einem Hotel. Doch wo war das Museum? Ganz unscheinbar ein kleiner Wegweiser in einen Rohbau auf dem Gelände. Hier soll das Museum sein? Wir gingen in das unfertige Haus in den 1. Stock und wurden von Herrn Heinz Zopf, der die Exponate sammelte empfangen. Hier in diesen Räumen war alles voll von Raritäten, die er im In- und Ausland, auf Flohmarkt und von Privatleuten erstanden hatte.

Und schon ging der „Geschichtsunterricht“ los. Urkunden und Bücher, Ausweise und Zeugnisse, damit fing die Führung an. Zu vielen Dingen gab es eine Anekdote. Wie mussten die Perücken aus König Ludwigs Zeiten gepudert und gekämmt werden.

Wie haben die Leute den strengen Körpergeruch mit Pommade und Parfum übertüncht. Wasser war knapp, die Krankheiten groß und so war der Aderlass beim Barbier an der Tagesordnung.

Teilweise wurde sogar neugeborenen Babies und gebärenden Müttern absichtlich das Blut „abgelassen“ weil man glaubte, dass dadurch Heilung und Gesundheit vollzogen würde.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Damenrasierer. Mit Kernseife wurden die Haare gewaschen und die ersten Frisiertische bestanden aus einem Waschbecken und einer Art Birne, die an der Decke hing und mit Wasser gefüllt wurde.

Woher kommt eigentlich das Sprichwort: “über den Löffel barbiert“?
Herr Zopf erklärte es uns an Hand folgender Geschichte:
1 bis 3 mal wöchentlich gingen die Männer zum Rasieren zum Friseur, so auch die zahnlosen Herrschaften. Nun war es fast nicht möglich, die eingefallene Wange ohne Schaden zu rasieren. Deshalb nahm der Friseur einen Suppenlöffel, legte den mit der Wölbung zur Wange in den Mund des Kunden und konnte somit rasieren.

Ich für meinen Teil wollte auf keinen Fall die erste Kundin der Dauerwelle, Kaltwelle und sonstigen Neuheiten des 19. Jahrhunderts gewesen sein. Denn die Frauen hatten ganz schön unter dem Gewicht der Hauben und der danach evt. verbrannten Haare zu leiden. Die ersten Lockenwickler wurden in einem Apparat erhitzt, der nur auf 110°C einzustellen war.

Es musste immer eine Friseurin dabei bleiben, um die Wickler im richtigen Moment herauszunehmen. Das immer so genau hinzubekommen war eine Kunst und die Kundin war die Leidtragende. Aber wie heißt es doch: wer schön sein will muss leiden!

Zu Königin Viktorias Zeiten durfte, nachdem sie Witwe wurde und sie sich entschloss, ab da den Rest ihres Lebens in schwarzer Kleidung zu gehen, am englischen Hofe kein Schmuck getragen werden. Da fiel einer adligen Frau Battenberg ein, dass an dem deutschen Hofe schon längst Schmuck aus Haaren der Verstorbenen angefertigt und getragen wurde. Und so wurden Haarreifen, Armbänder, Ringe, Broschen kunstvoll aus Haaren angefertigt. (siehe Foto)

Selbst ein Teppich aus Haaren geknüpft hängt im Museum aus. Die Menschen mussten wegen des Tragens der Perücken ihre eigenen Haare kürzen, die wurden eben dann zweckentfremdet verwertet. Selbst die Haare in der Bürste wurden gesammelt und davon wurden Puppenköpfe veredelt.

In einem nachempfunden original Friseursalon aus dem 20. Jahrhundert stehen 3 Stühle mit Ledersitzen. Was für ein Luxus! Tja, und Erhard durfte an der Sitzfläche kurbeln und uns wurde gesagt, dass mit diesem Trick die abgeschnittenen Haare auf den Boden fielen und die noch warme Sitzfläche - für den nächsten Kunden etwas unangenehm – in eine frische, kalte, verwandelt wurde. Ober- und Unterseite des Sitzes war aus gepolstertem Leder.

Ja, und wie bekam Elvis seine Locke zum Halten? Natürlich mit Pommade. Aus einem dieser Tiegel durften wir alle eine Fingerspitze voll entnehmen. Sie war von Herrn Zopf selbst angefertigt aus ausgelassenem Speck und kleingeschnittenem Apfel, der für eine Woche mit Nelken bestückt war. Das alles zusammengemixt ergibt eine süßduftende Pommade.

Das wiederum ist französisch und wird vom Apfel = Pomme abgeleitet.
Die Scheren der letzten Jahrhunderte hatten teilweise eine Größe, mit denen man die Schafe scheren konnte.

Auf meine Frage: warum die Friseurin der schlechtest bezahlte Beruf sei meinte Herr Zopf, dass es an dem großen Wettbewerb liegt. Die großen Einkaufszentren vermieten Billigfriseurketten Räume. Diese unterbieten sich mit den Preisen. Noch gar nicht lange her, zu seiner Zeit als junger Friseur musste der Lehrling draußen auf der Straße stehen und die Leute mit Lockangeboten am Ärmel hereinziehen.
„und wie kommt es, dass ein Norddeutscher aus Schleswig Holstein zu uns ins Schwabenland kommt und hier sein Museum eröffnet?“ fragte ich am Ende der Führung.

„Tja, da gibt es 2 Varianten, was wollen sie hören?“ meinte Zopf.
Die erste ist, dass in Schleswig Holstein kein großes Interesse für seine Sammlung bestand und die 2., dass seine Vorfahren Banater Donauschwaben waren und er nun auf der Suche seiner Wurzeln sei. Ulm ist in der Hinsicht ja eine Stadt, von welcher die Schwaben damals loszogen, in die weite Welt. Und – die Friseurakademie hat sofort die Räume für das Museum bereitgestellt.

Nach uns war eine Gruppe von Wella-Vertretern angemeldet. “Die müssen auch noch etwas lernen“, so Zopf augenzwinkernd.
Fazit: Dieses Museum, wenn eine Führung durch den Sammler selbst gemacht wird, ist sehenswert.
Unsere Köpfe rauchten! 2 Stunden hören und sehen strengt doch an, aber schön war es doch!!

Bericht und Fotos: Tukuyu/Birgit

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