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Trauer - wie viel Schmerz ist normal?

Trauer zu bewältigen gehört zu einer der schwierigsten Lebensaufgaben überhaupt. Wer einmal einen geliebten Menschen verloren hat weiß, warum in der Trauerforschung von "TrauerARBEIT" gesprochen wird. Vom Menschen wird in dieser Zeit Höchstleistung gefordert. Körper, Geist und Seele müssen verstehen, akzeptieren und mit dem Verlust leben lernen. Wie lange dieser Prozess dauert, welche Wege der Trauernde dafür gehen muss und wann Trauer als "bewältigt" gilt ist individuell sehr unterschiedlich. Es ist schwer, eine verbindliche Aussage darüber zu treffen, wie viel Trauer eigentlich normal ist. Und was ist eigentlich normal, in einer Zeit in der die Welt des Trauernden auf dem Kopf steht?

Weinende Frau wischt sich Tränen weg

Trauer hat viele Gesichter

Auf der emotionalen Ebene finden sich Kummer, Leere, Sehnsucht, Schuldgefühle, auch Wut, manchmal Erleichterung. Trauer wirkt sich auch oft körperlich aus. Die Beschwerden reichen von Schlafstörungen und Appetitlosigkeit über somatisierte Schmerzen bis hin zu Herz-Kreislaufproblem. Sozial beobachtet man oft einen Rückzug. Auf spiritueller Ebene gerät so mancher in eine Sinnkrise oder macht beispielsweise Nachtoderfahrungen (Visionen vom Verstorbenen), die nicht selten große Angst auslösen können, über den Kummer "verrückt" geworden zu sein. Auch Angst- und Panikstörungen sind nicht selten. Insbesondere die Angst vor Krankheiten und dem eigenen Tod ist unter Trauernden weit verbreitet.

Ein individueller Prozess mit Höhen und Tiefen

Eine Zeitrichtlinie, wie lange Trauer dauern darf, gibt es nicht. Viele Trauernde kennen den wohlmeinenden Rat aus dem Umfeld, "es wäre doch mal wieder an der Zeit" sich dem Leben zuzuwenden. Der ist genauso falsch, wie die Einschätzung von außen, ein Mensch würde gar nicht richtig trauern, weil er vielleicht zeitnah nach einem Sterbefall schon wieder freudvoll am Gesellschaftsleben teilnimmt. Nur einer bestimmt, wie lange er trauern möchte: der Trauernde selbst. Denn Trauer will gesehen, gehört und durchlebt werden. Es gibt keine Abkürzungen, keine Pillen, keine Wundermittel. Psychologen sind lange davon ausgegangen, dass Trauer nach einem bestimmten Schema verläuft. Phasen von Verzweiflung, Begreifen, Annahme und Zukunftsorientierung sollen dabei aufeinander folgen, an dessen Ende das "Loslassen" steht.

Mann schaut traurig auf ein Bild

Die Trauerforschung weiß aber mittlerweile, was Trauernde schon lange spüren, dass Trauern so nicht funktioniert. Trauer kommt in Wellen, wirbelt die Gefühle durcheinander und kann innerhalb kürzester Zeit zwischen den Polen von Verzweiflung und Zuversicht changieren. Bewältigt Geglaubtes wird nach oben gespült, erwarteter Schmerz bleibt aus. Erleichterung in Momenten der Sehnsucht. Wut trotz liebender Erinnerung. Drei Schritte vor, fünf Schritte zurück. Und obwohl Trauern keine Krankheit ist, sondern Teil des menschlichen Lebens, und wir alle Ressourcen haben, sie zu bewältigen, braucht es manchmal doch Hilfe von außen.

Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der/die Trauernde
  • Suizidgedanken hat
  • auch noch nach 6-12 Monaten nicht zur Alltagsgestaltung fähig ist
  • eine Angst-, Panik,- oder Zwangsstörung entwickelt
  • Tabletten, Alkohol oder sonstige Drogen missbraucht
  • psychosomatische Ausprägungen ausbildet, wie Schmerzsyndrome oder Herz-Kreislauferkrankungen

Keine Scheu vor Hilfe von außen

Trauer verläuft oft erschwert, wenn eine gewaltsamer Tod, ein Suizid oder ein Kindstod verarbeitet werden muss. Auch wenn die Todesumstände traumatisch waren, wie zum Beispiel bei einem Autounfall, kann die Bewältigung schwierig sein, genauso wie bei einem "unsicheren" Tod, wie wir ihn vielmals in Vermisstenfällen haben. Sozial aberkannte Trauer (z.B. die heimliche Geliebte oder bei einem abgetriebenen Kind) und die damit verbundene Isolation macht das Trauern noch schwerer als es ohnehin schon ist. Doch es gibt gute Möglichkeiten, Unterstützung zu finden.

weinende Frau wird getröstet

Erster Ansprechpartner kann beispielsweise ein Hospizdienst sein. Der kann schon unterstützen, wenn sich ein Angehöriger in der Sterbephase befindet. Die Betreuung trauernder Angehöriger gehört ebenfalls zum Aufgabengebiet. Oft betreiben diese Dienste auch spezielle Trauergruppen, beispielsweise für Verwitwete, für Kinder und Teenager oder Suizid-Betroffene. Freie Trauerbegleiter stimmen sich ganz mit den individuellen Bedürfnissen der Trauernden ab. Kinder auf Beerdigungen vorbereiten, Jahrestage gestalten, bei Behördengängen begleiten, Gespräche führen und Gefühle miteinander aushalten - all das gehört zum Aufgabengebiet eines Trauerbegleiters. Auch eine psychotherapeutische Betreuung, eventuell auch mit medikamentöser Unterstützung, ist möglich. Ambulant, in Tageskliniken oder Krankenhäusern - je nach Stärke der Symptome. Liegt eine Traumatisierung vor, sollte nach Unterstützung bei speziell ausgebildeten Traumatherapeuten gesucht werden. Wichtig ist, die Isolation zu durchbrechen, die Trauern oft mit sich bringt. Dann ist der erste Schritt in Richtung Zukunft schon getan.

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