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Weihnacht

Auch diese Geschichte haben wir von Ingelore bekommen.
Danke Ingelore!

Weihnachten

Es ist die Stunde, in der sich der Tag verabschiedet, und der Abend noch nicht angekommen ist.
Es ist die Zeit ohne Zeit und Ziel. Es ist die Zeit ohne Stunde, aber doch so voller Erwartung auf das Kommende.
Auch die dunklen Wolken wissen nicht, wohin sie ziehen sollen und verharren reglos.
Sogar das Meer hat aufgehört zu atmen, und es ist still. Nichts ist zu hören, nicht einmal die Schritte des Mannes, der sich dem großen Felsen am Strand nähert. Er scheint über dem Strand zu schweben. Sein Mantel, der bis auf die Erde reicht, hat die Farbe des Ozeans. Kleine weiße Schaumkronen scheinen sich darauf hin und her zu bewegen.
Als sich ein zweiter Mann nähert zieht ein Lächeln über sein altersloses Gesicht.
„Mein Bruder, mit deinem weißen Mantel erkenne ich schon von Weitem.“
Beide verneigen sich leicht voreinander, als sich ein Dritter sich zu ihnen gesellt.
„Es ist schön euch hier wieder zu treffen. Wie schnell doch ein Jahr vergeht.“
Als auch er sich nach vorne beugt, rieselt aus seinem rötlichen Mantel feiner Staub.
„Bist du wieder übermütig über die Steppe gefegt,“ fragt der Vierte, der sich ihnen unbemerkt näherte. Sein Mantel leuchtet so gelb auf wie die Sonne, als er zu ihnen tritt. „Unser Bruder ist manchmal sehr ungestüm.“
„Wie ihr wisst, führt mich mein Weg oft hier vorbei, und ich schaute oft zu den Steinen, die wir jedes Jahr hinter den Felsen legten,“ unterbricht der blaugekleidete Mann. „Es waren so viele, dass ein Fischer davon ein kleines Haus bauen konnte. Lasst es uns anschauen.“
Seine Brüder nicken zustimmend und umgehen den Felsen.
„Es ist ein schönes Häuschen geworden,“ flüstert der Mann. Er klopft auf seinen Mantel, und mit dem rötlichen Staub fallen Blütensamen auf die Erde. „Im nächsten Sommer werden hier viele Blumen blühen.“
„Hier ist es von den Unwettern geschützt,“ murmelt der Mann im gelben Mantel.
Die Vier gehen um das Haus herum, und es rauscht wie der Wind, der aus allen Richtungen zu kommen scheint. Dabei streichen sie über die Steine als wollen sie sie glätten.
„Schaut, die schönsten sind in dem Giebel zu einem Kreis gemauert worden,“ ruft der Weißgekleidete, und blitzartig legt sich Raureif über das Dach.
Vorsichtig nähern sie sich einem kleinen Fenster, durch das ein rötliches Licht schimmert.
Sie sehen eine Frau, die am Kamin sitzt und näht. Neben ihr auf dem Tisch brennt eine Kerze, die mit ihrem Licht das Gesicht der Frau erhellt. Ab und zu hebt sie den Kopf, schaut zu ihrem Kind, das in seinem Bett schläft, und ein kleines Lächeln zieht über ihr Gesicht.
„Kommt, wir wollen ihnen ein frohes Fest wünschen.“ Und vorsichtig klopft der Mann in Gelb an die Tür, die mit einem Ruck auffliegt.
Die Kerze erlischt, und die Flammen des Feuers flackern unruhig hin und her. Erschrocken springt die Frau auf. Das kleine Mädchen ist aufgewacht, und flüchtet sich in die Arme der Mutter.
„Das ist sicher der Wind, der uns besuchen kommt,“ beruhigt sie die Kleine. „Er will uns eine Geschichte erzählen.“
Ein kalter Wind fegt herein, und mit ihm kommen die vier Männer.
„Schließt die Tür,“ bittet die Frau. „Es wird kalt.“
„Wir sind die vier Winde. Ich komme aus dem Norden,“ sagt der Erste. „Schau, mein Mantel ist aus Eis und Schnee.“
Er schließt die Tür, und dabei glitzern die Eiskristalle, die auf ihm liegen, durch den Feuerschein rötlich auf.
Der Zweite wendet sein Gesicht ab, als er anfängt zu sprechen.
„Ich bin der Südwind, und der Älteste von uns. Als die Welt noch ein Feuerball war, wurde ich geboren. Mein Atem ist so heiß das alles verbrennen würde was mir zu nahe kommst.“
Sein gelber Mantel flattert bei jeder Bewegung hin und her.
„Mein Weg brachte mich aus dem Osten hierher,“ flüstert der Dritte heiser. „Ich überflog viele Länder und hohe Berge. Es gefällt mir, über Höhen und Tiefen zu brausen. Darum schimmert mein Mantel rötlich. Er ist mit Blütenstaub und Sand bedeckt.“
„Dann bist du der, der aus dem Westen kommt,“ sagt die Frau und zeigt auf den Mann in Blau.
„Ich kam über viele Meere. Die Farbe des Himmels und des Wassers siehst du auf meinem Mantel.“
„Ihr müsst müde sein. Setzt euch zu mir und meinem Kind, und ruht ein wenig aus,“ bittet die Frau, und zeigt auf die Bank neben dem Feuer.
„Ich danke dir, aber mir ist es am Feuer zu warm. Auch würden mein weißer Mantel aus Eiskristallen schmelzen.“
„Ich werde noch mehr aufgeheizt, und mein Mantel wird verbrennen.“ Aus den Haaren des Südwindes leuchten kleine Blitze auf.
„Und du, aus dem Osten? Dein Weg war so weit. Du bist weder zu kalt noch zu heiß. Setzt du dich zu uns,“ fragt ihn die Frau.
„Mein Atem ist so stark, dass ich lieber im Hintergrund bleibe. Dein Kind würde sich erschrecken,“ spricht er, und hält dabei beide Hände vor den Mund.
„Dann bleibe ich noch übrig,“ lacht der Mann aus dem Westen und setzt sich vorsichtig. „Auch mein Weg war weit. Ich bin über den weiten Ozean gereist.“
„Einmal im Jahr kommen wir hier zu dem Felsen, um uns zu treffen. Wir haben uns diesen Platz ausgesucht, weil es hier weder zu kalt noch zu warm ist,“ erzählt der Nordwind.
„Seid willkommen. Heute, zum Weihnachtsfest wurde das Haus fertig.“
„Es ist ein schönes Haus geworden.
„Wo ist dein Mann? Er sollte doch an diesem Feiertag bei euch sein.“ Der Blauengekleidete runzelt die Stirn und schaut zu der Frau, die ihr Kind immer noch in den Armen hält.
„Er ist zum Fischen aufs Meer hinaus gefahren,“ antwortet sie leise. „Ich habe große Angst um ihn, denn es wird schon dunkel. Habt ihr ihn nicht gesehen?“
„Sorge dich nicht. Als ich über das Meer kam, sah ich ein kleines Boot nah am Ufer. Hat es zwei Sterne auf seinem Segel?“
Das kleine Mädchen beobachtet stumm das Geschehen. Doch nun zieht ein Lächeln über ihr Gesicht.
„Das ist mein Vater, und die Sterne sind Mama und ich.“
Sie wendet sich wieder an ihre Mutter.
„Mir ist so kalt, und ich habe Hunger.“
Da streicht der Südwind mit den Händen über die Außenwand, haucht darauf, und die Steine leuchten hell auf.
„Sie werden euch im Winter wärmen.“
Der Ostwind tritt hüstelnd näher, und legt einen kleinen braunen Stein auf den Tisch.
„Dies ist mein Geschenk. Wenn ihr ihn in einen Topf legt, werdet ihr immer zu Essen haben.“
„Auch ich will dir einen Stein geben,“ sagt der Westwind. Aus seiner Hand rollt ein roter Kiesel.
„Wenn du krank und voller Kummer bist, halte ihn fest in deiner Hand. Er wird dich heilen.“
„Ich werde nicht näher kommen,“ murmelt der Nordwind. „Ich hänge ein kleines silbernes Glöckchen an den First. Immer zu Weihnachten wird es klingeln.
Aber dieses Glöckchen wird nur dann läuten, wenn ihr euch ein gutes Herz bewahrt, und Frieden in diesem Haus herrscht.“
„Wie soll ich euch danken,“ fragt die Frau und steht auf.
„Du musst uns nicht danken. Wir sind schon so alt und kennen jeden Winkel der Erde, und schauen nicht nur in die Häuser, sondern auch die Herzen der Menschen. Vieles was wir sehen, macht uns traurig,“ sagt der Westwind leise. „Die Menschen haben verlernt zu lieben, und Liebe zu verschenken.“
„Mein Bruder hat recht,“ seufzt der Südwind. „Lieber Bruder, ich bitte dich, sei nicht so streng mit den Menschen. Schau, hier diese Frau mit ihrem Kind. Sie werden ihre Liebe verteilen.“
Da öffnet sich die Tür, und die Männer verlassen das Haus. Doch das Kind folgt ihnen, und bittet sie zu bleiben.
„Mein Kind, komm zurück. Du kannst den Wind nicht aufhalten,“ ruft die Mutter, und nimmt die Hand des Kindes fest in ihre.
Aus dem Haus hört man das Läuten des Glöckchens, und „frohe Weihnachten,“ flüstert es aus allen Himmelsrichtungen.

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