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Geschichte ohne Namen

Diese Geschichte habe ich von unserer Autorin Ingelore aus Bremen.

Leichter Nebel liegt still über der Landschaft. Nur über dem kleinen See wogt er dichter hin und her. Von einem Baum, der nahe am Ufer steht, lässt sich ein Tropfen fallen, der die spiegelglatte Oberfläche des Wassers verletzt.
Mit kleinen Wellen glättet der See seine Wunde, bis er wieder unberührt wirkt. Der Wind hat das Geschehen mit angehaltenem Atem beobachtet.

Lautlos kommt ein kleiner Vogel geflogen und setzt sich auf den Zweig, der diesemal viele Tropfen fallen lässt. Der Vogel schaut mit seinen schwarzen, unergründlichen Augen auf das Wasser, auf dem sich viele kleine Wellen überkreuzen. Mit leisem Pfeifen fliegt er davon.
Sachte atmet der Wind aus und kräuselt die Oberfläche des Sees.

"Dein kalter Atem kitzelt mich", säuselt das Wasser. "Woher kommst Du?" "Von den Höhen der Eisberge."

"Ach, wie gerne würde ich dich auf deinen Reisen begleiten", seufzt der See. "Aber ich kann meinen Platz nicht verlassen."
"Ich wehe schon so lange über die Welt und bin oft sehr müde."
"Wie kannst du müde sein, wenn du immer wieder etwas Neues siehst? Mir ist es oft so langweilig."
"Was höre ich da", fragt der kleine Vogel, der unbemerkt zurückgekommen ist.
"Wie kann Dir langweilig sein, wenn es in und neben dir so viel Leben gibt?"
"Vieles, was ich sehe, wiederholt sich. Manches macht mich so wütend, dass ich meinem Zorn freien Lauf lasse", faucht der Wind über die Oberfläche des Sees, und türmt kleine Wellen auf.
"Lass das" Du bringst mich in Unordnung", ruft der See, und schleudert eine Fontäne hoch in die Luft.
Der Baum wiegt sich hin und her, und in seiner Krone rauschen die Blätter. Der kleine Vogel duckt sich und umklammert mit seinen dünnen Füßchen den Ast.
"Ihr streitet euch wegen nichts", pfeift er laut.
Der Wind atmet wieder leise, die Wogen glätten sich, und der Baum richtet sich wieder auf.
Der Nebel ist davon geweht, und die Sonne scheint auf das Wasser, auf dem ihre Strahlen wie kleine Sterne glitzern.

"Einen schönen Tag, ihr Lieben", sirrt die Sonne.
"Dir auch einen guten Tag auf deinem Weg, liebe Freundin", haucht der Wind.
"Was höre ich von Dir, kleiner See? Dir ist langweilig, obwohl du in Frieden leben kannst", fragt die Sonne.
Ihr Strahlen leuchtet bis zu dem hellen Sand des Grundes. Zeigen lange Pflanzen, die sich sacht hin und her wiegen. Dazwischen schwimmen kleine, bunte Fische.

"Liebe Sonne, ich würde so gern die weite Welt sehen wie du und der Wind", seufzt der See.

"Ich werde einen Teil von dir in Dampf auflösen und als Regenwolke aufsteigen lassen", sagt die Sonne.
"Und ich werde sie um die Welt tragen", murmelt der Wind.

Der kleine Vogel, der alles mit anhörte, pfeift aufgeregt, und hüpft auf dem Ast hin und her.
Bleib hier, die Welt kann so böse sein.
Aber das Wasser hört ihn nicht mehr. Eine weiße Wolke schwebt leicht über die Oberfläche des Sees, und saugt sich voller Wasser, bis sie eine dunkelgraue Farbe annimmt. Der Wind hebt sie hoch, und schwerfällig tritt sie ihre Reise an.

Es ist wieder Ruhe in dieser kleinen Welt. Kein Zweig bewegt sich, nur der kleine Vogel fliegt hin und her, um nach Futter zu suchen. Er ist so damit beschäftigt, dass er das Singen vergisst. Auch der See liegt unbeweglich da, und lauscht in die Ferne. Die Sonne schickt ihr Licht, und ihre Wärme stumm von dem hohen Himmel. Die Luft flirrt vor Hitze, die sich erst gegen Abend etwas abkühlt, als sich dunkle Wolken am Horizont zeigen. Der Wind treibt sie mit Macht vor sich her. Sie ballen sich zusammen, lösen sich von einander, um sich wieder mit Blitz und Donner zu treffen.
Der Baum ächzt und stöhnt, weil er so geschüttelt wird. Der kleine Vogel klammert sich an den Zweig, und die Blätter geben ihm Schutz.

Es ist dunkel geworden. Die Sonne hat sich hinter den Wolken versteckt, die auf einmal ihr Wasser fallen lassen. Nur die grellen Blitze erleuchten für Sekunden die kleine Welt.

Erregt wogt der See hin und her und ruft den Regentropfen zu:
"Erzählt mir, was ihr erlebt habt."
"Später, später", wispern sie leise.
Der Wind atmet noch einmal tief aus, und die Wolken ziehen weiter. Die Sonne scheint so hell hinter der letzten Wolke, dass der Rand silbern aufleuchtet. Wasser tropft von den Blättern des Baume, als er seine Zweige ordnet. Der kleine Vogel schüttelt sein Gefieder, und trillert sein Lied, als er hoch in die Luft fliegt.
Der See glättet die Wellen, und bittet die Tropfen wieder, ihm doch zu erzählen, was sie erlebten.

"Wir stiegen s hoch, dss wir einen guten Überblick über die Welt hatten. Schnell glitten wir über ein blühendes Land, dann über ein großes Meer. Das Wasser ist so blau wie der Himmel, und wir konnten tief hinein schauen. Große Fische durchkreuzten den Ozean.
Dann sahen wir einen neuen Kontinent. Über der Sandwüste war es sehr heiß. Es gab kein Wasser in den Bächen und Flüssen, und die Seen waren ausgetrocknet. Manche Tiere starben vor Durst. In einem anderen Land gab es große Kriege, in denen viele Menschen umkamen. Sie schrieen laut vor Schmerz und Wut. Nur die Kinder starben leise."

"Sprich nicht weiter", unterbricht sie der See traurig.
"Du wolltest wissen, wie es auf der Welt aussieht. Wir sahen so viel Schönes, und so viel Hässlichkeit."

Der See schüttelt sich vor Trauer, und die Tropfen vermischen sich mit dem Wasser.
Danke, Sonne und Wind. Ihr habt mir gezeigt, wie gut es hier ist. Aber manchmal übersieht man sein Glück.

Die Oberfläche des Sees ist so ruhig, dass sich die untergehende Sonne darin spiegelt. Der Wind haucht über das Wasser, dass es sich leicht kräuselt.

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