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Spion im Wohnzimmer? Datenschutz bei Sprachassistenten

„Wecke mich morgen um 7 Uhr!“

Was gestern noch Science-Fiction war, kehrt nun in unseren Alltag ein. Sprachassistenten sind groß im Kommen. Sie interpretieren natürlich gesprochene Sprache und antworten mit einer sympathischen Stimme. Vor allem von Senioren, die neue Geräte lieber intuitiv bedienen wollen, verspricht sich der Markt viel Zuspruch. Und was könnte intuitiver sein, als mit dem Smartphone oder dem PC einfach zu sprechen, anstatt frustriert darauf herum zu klicken?

Doch Kritiker äußern Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Unlängst sorgte erneut Facebook für einen riesigen Skandal: Jahrelang wurde es Entwicklern möglich gemacht, über verschiedene Apps Nutzerdaten „abzusaugen“ und für ihre Zwecke zu nutzen.

Wie neugierig sind nun Siri, Alexa und Co.? Lauschen die Sprachassistenten unseren Gesprächen, auch wenn sie gerade nicht in Verwendung sind? Und für was genau werden unsere Daten verwendet und wo werden sie gespeichert?

Google Assistant

Google Assistant

Wer den Google Assistant oder einen anderen Dienst von Google wie die Suchmaschine, Maps oder den Browser mit einem Google-Konto verknüpft nutzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit jede Menge persönliche Informationen über Standorte, Vorlieben und soziale Kontakte an das Unternehmen liefert. Zum einen nutzt Google diese Informationen, um dem Nutzer gezielt Werbung auszuspielen, und somit Geld zu verdienen, zum anderen um den Nutzer besser kennenzulernen und entsprechend gute Ergebnisse zu liefern (was ja auch im Sinne des Nutzers ist). Aus diesem Grund werden auch einmal gestellte Anfragen gespeichert und verarbeitet, so kann der Assistant auch in Zukunft auf diese Bezug nehmen.

Wer einen Blick in die Datenschutzerklärung des Google Assistants wirft, wird relativ schnell auf die allgemeinen Datenschutzlinien von Google weitergeleitet. Diese besagen u.a., dass personenbezogene Daten an Unternehmen, Organisationen oder Personen außerhalb von Google weitergegeben werden, wenn hierfür die Einwilligung des Nutzers vorliegt. Auf der Seite der Suchmaschine wird man irgendwann dazu aufgefordert, diese Einwilligung durch ein „Ich stimme zu“ zu geben. Natürlich muss man nicht zustimmen, dann jedoch schränkt Google seine Dienste nach einer Weile stark ein.

Belauscht wird man vom Google Sprachassistenten jedoch nicht. Zwar sind die Mikrofone ständig aktiviert, sie zeichnen jedoch nur auf den Befehl „Ok, Google“ oder durch Drücken eines Knopfes auf. Es werden also keine Privatgespräche aufgezeichnet, sofern man den Google Assistant nicht aktiv dazu auffordert. Einen Passwortschutz gibt es leider nicht. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte das Gerät komplett ausschalten. Dann reagiert es jedoch auch nicht auf den Befehl, sondern muss vor der Nutzung erst eingeschaltet werden.

Ab dem Zeitpunkt des Befehls wird jedes Geräusch in der Umgebung aufgezeichnet und in einer Audiodatei an die Server weitergesendet. Diese Audiodateien werden gespeichert und nicht gelöscht. Jeder Nutzer kann diese Aufzeichnungen selbst löschen. Aufschluss darüber, sowie über persönliche Einstellungen, Datenschutz und Möglichkeiten des Teilens bekommt man in der Google Assistant Hilfe.

Alexa (Amazon)

Amazon Alexa

Natürlich möchte Amazon mit Alexa vor allem erreichen, dass der Zugriff auf Waren und Dienstleistungen besonders einfach und unkompliziert vonstattengeht. Amazon sammelt nicht erst seit Alexa die Daten seiner Kunden. Wer beispielsweise schon einmal beim Surfen auf einer anderen Webseite passende Angebote aus vergangenen Amazon-Suchen mit direkter Verlinkung zum Amazon-Shop angezeigt bekommen hat, weiß das auch. Interessen und Vorlieben werden aus den Suchanfragen herausgefiltert, um ein möglichst präzises Kundenprofil zu erhalten. Schließlich möchte Amazon dem Kunden möglichst passgenau die Produkte vor die Nase halten, die er schon immer haben wollte. Genauso wie der Google Assistant, lernt Alexa seinen Nutzer kennen, um so die besten Ergebnisse liefern zu können.

Laut Amazon werden die Daten erst bei Aktivierung zur Amazon-Cloud übertragen. Eine Leuchte signalisiert, ob gerade Befehle entgegen genommen werden oder nicht. Blinkt sie blau, wird gerade aufgezeichnet, ist sie rot, sollen die Mikrofone vom Strom getrennt sein.

Wird das Aktivierungswort „Alexa“ nicht ausgesprochen, werden auch keine Daten übermittelt. Mit dem Echo holt man sich demnach keinen Spion ins eigene Wohnzimmer. Um ungewollte Bestellungen (beispielsweise von Kindern) zu vermeiden, kann der Nutzer Alexa mit einem PIN-Code schützen oder das Aktivierungswort ändern.

Aber was passiert lokal und was passiert auf den Servern von Amazon? Die Erkennung des Key-Words erfolgt lokal. Das heißt, erst wenn Alexa ihr Stichwort hört, werden die Daten an ein sogenanntes Backend geliefert, das Rechenzentrum des Anbieters. Alle Sprachbefehle, die ein Nutzer nach der Ansprache an Alexa richtet, werden auf (den amerikanischen) Amazon-Servern verarbeitet und gespeichert. Die Daten werden voll verschlüsselt übertragen. Inwieweit diese Daten von Amazon an Dritte weitergegeben werden, kann jeder hier nachlesen.

Über die Alexa-App hat der Nutzer Einblick in und Kontrolle über die gespeicherten Suchen. Sie werden chronologisch aufgelistet und der Nutzer kann einzelne Punkte oder auch die gesamte Liste löschen. Amazon rät davon jedoch ab, denn Alexa benötigt so viele Informationen wie nötig, um hilfreich zu sein. Wenn sie nichts über den Nutzer weiß, kann sie auch nicht ahnen, was er sucht.

Siri (Apple)

Siri Logo

Vielen Nutzern von neueren iPhone- und iPad-Modellen ist die smarte Stimme von Siri bereits vertraut. Schon seit dem iPhone 4s fungiert sie als Eingabehilfe, mit dem z.B. die Termin- und Navigations-App nicht mehr angeklickt werden müssen, sondern Siri bestimmte Sprach-Kommandos entgegen nimmt. Mit jeder IOS-Generation wird sie besser darin, Software für den Nutzer zu bedienen und ihre Fähigkeiten werden vielfältiger. Sie beweist oft auch viel Witz darin, unsinnige Anfragen zu Interpretieren.

Doch was macht Apple mit den Anfragen? Genau wie bei den anderen Sprachassistenten auch, wartet Siri auf ihr Kommando. Je nach Gerät kann das ein gesprochenes „Hey Siri“ sein, ein Tastendruck oder ein Klick auf ein Symbol. Die Erkennung des Kommandos soll ausschließlich lokal, also beispielsweise auf dem Smartphone, stattfinden. Demnach erfolgt durch Siri keine „Dauerüberwachung“, in der permanent Gespräche und Geräusche aufgenommen und versendet werden.

Erst nach dem Kommando beginnt die Aufzeichnung der Audiodatei, die verschlüsselt an Apple übertragen und auf deren Servern analysiert und verarbeitet wird. Auf welchen Servern (und in welchen Ländern) des Konzerns die Daten letztendlich verarbeitet werden ist unklar. Von Siri gestartete Suchanfragen werden jedenfalls an Google weitergeleitet und dort bearbeitet.

Auch Siri möchte den Nutzer besser kennenlernen. Deswegen registriert sie Daten wie den Standort (kann in den Einstellungen deaktiviert werden), den Namen des Gerätebesitzers, dessen Kontakte, Beziehungen zu Kontakten, die abgespielten Musikstücke oder Suchanfragen und lädt sie auf Apple-Server hoch. Erst durch diese Informationen wird es möglich, dass Siri den Nutzer mit dem Namen ansprechen oder über das Wetter am Standort informieren kann. Laut Angaben des Unternehmens werden diese Informationen jedoch nicht mit der Apple-ID des Anwenders verknüpft, sondern mit einer zufällig generierten Kennung. Somit kann Apple kein umfangreiches Profil des Nutzers erstellen, aber dennoch die Informationen mit dem jeweiligen Gerät verknüpfen. Deaktiviert man Siri, werden laut Angaben von Apple alle zuvor übermittelten und gespeicherten Daten gelöscht. Ansonsten bleiben die Daten zwei Jahre, die Kennung sechs Monate gespeichert. Ein erneutes Aktivieren erzeugt eine neue Kennung.
Generell räumt sich Apple in den Nutzungsbedingungen (Lies hierüber den Datenschutz) das Recht ein, die Daten an Dritte weiterzugeben.

Fazit

Bei diesem Thema verhält es sich wie im echten Leben. Ein Assistent erfährt ziemlich viel über seinen Auftragsgeber. Digitale Assistenten wie der Google Assitant, Alexa oder Siri verfügen zudem über ein Elefantengedächtnis. Sie merken sich jede Kleinigkeit und speichern es teilweise, bis man sie aktiv dazu auffordert es zu löschen. Doch genau das macht sie ja auch aus. Es können nur dann optimale Ergebnisse geliefert werden, wenn der Assistent den Nutzer, seine Vorlieben und Interessen kennt.

Sprachassistenten bieten nicht nur ein großes Potenzial was Unterhaltung und Komfort angeht, sondern machen eine umfangreiche Nutzung des Internets und weiterer Dienstleistungen auch für Menschen mit Handicap (z.B. Seheinschränkungen) möglich.

Wer die Angebote von Amazon, Google oder Apple verantwortungsbewusst nutzt, die Nutzungsbedingungen liest und Gebrauch von den verschiedenen Möglichkeiten der Privatsphäre-Einstellungen macht, braucht eigentlich keine Bedenken zu haben. Denn nur wer auch sonst niemals die Google Suchmaschine nutzt, etwas bei Amazon bestellt und sich konsequent im Inkognito-Modus durch das Internet bewegt, ist wirklich sicher, dass seine Daten von keinem gespeichert, genutzt oder weitergegeben werden.

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