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Ein kritischer Kommentar zu Homöopathie

Die Schulmedizin steht im Kreuzfeuer, was hat also die alternativmedizinische Behandlungsmethode zu bieten?

Die Pharmaindustrie hat seit Jahren einen schlechten Ruf, ihr werden unsaubere Methoden, Machtmissbrauch und Profitgier vorgeworfen. Man erinnere sich an Fälle der letzten Jahre: Vioxx, ein viel verschriebenes Antirheumatikum, das schwere Nebenwirkungen hervorrief, musste vom Markt genommen werden. Ein paar Jahre später wurde ein Leukämie-Präparat zurückgenommen, um es – da gewinnbringender – zur Behandlung von Multipler Sklerose neuzuzulassen. Ein Geflecht, das ganz offensichtlich nicht dem Wohle der Menschheit in dem Maß dient, dessen Einfluss es darauf nimmt, gehört natürlich misstrauisch beäugt.

Heilung wie durch Zauberhand

Samuel Hahnemann © Georgios Kollidas - Fotolia.com
Samuel Hahnemann gilt als der Begründer der Homöopathie

Die Homöopathie muss dem verunsicherten Patienten wie der freundliche Ritter in weißer Rüstung erscheinen. Hier gibt es keine Chemiebomben, die von gekauften Gremien freigegeben wurden. Hier wird sanft geheilt, der Mensch als Ganzes betrachtet und erst dann wird ihm die richtige Substanz verabreicht. Potenzieren heißt das Zauberwort. So verheißungsvoll wie irreführend, denn es bedeutet, eine Substanz mit Wasser oder Alkohol zu verdünnen oder mit Milchzucker zu verreiben.

Die Verdünnung geht in den häufigsten Fällen so weit, dass der Wirkstoff nicht mehr nachweisbar ist. Ein Präparat mit der Angabe D24 beispielsweise bedeutet: ein Tropfen Wirkstoff auf das 100.000-fache Volumen des Atlantiks. Die gute Nachricht: Vergiftungen können ausgeschlossen werden. Die kuriose: Erwünschte Effekte sollen verstärkt werden.

Dazu muss man wissen: Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, erschloss sich um 1790, dass der Kranke mit einem Mittel behandelt werden muss, das beim Gesunden Symptome auslösen würde. Der wiederholte Eigenversuch mit einem Malaria-Mittel brachte ihm Gewissheit und der Leitsatz war geboren: Similia similibus curentur - Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt.

Das Potenzieren ist übrigens kaum von Wert, wenn nicht das Prozedere des Schüttelns hinzukommt. Nur in Kombination können sich magische Heilkräfte entwickeln. Der Wirkstoff, der so verdünnt ist, dass er nicht mehr nachweisbar ist, „erfährt“ durch das Schütteln - wichtig: gen Erdmittelpunkt -, dass er sich potenzieren soll. Die Frage stellt sich, woher der (nicht mehr messbare) Wirkstoff weiß, dass nur er und nicht die ihm beigemischten Verunreinigungen sich potenzieren soll.

Mehr Glauben als Wissen

Fakt ist, eine Zahl von Erkrankung wie Erkältungen oder Erschöpfungszustände verschwinden ohne Zutun, durch Hausmittel oder simple Schonung. Das macht sich die Homöopathie gewiss zu Nutze. Und nicht zuletzt kommt es zu Placebo-Effekten. Ein solcher Effekt kann sich einstellen, wenn der Patient eine bestimmte Erwartungshaltung hat, z.B. eine Tablette hilft. Das funktioniert sogar bei Kindern und Tieren und nicht immer bewusst. So kann ein wirkungsloses Präparat (ein Placebo) Heilung hervorrufen.

Der Erfolg jeder Therapie lässt sich in Doppelblind-Experimenten prüfen. Bei Untersuchungen auf dem Gebiet der Homöopathie ließ sich bis heute keine über einen Placebo-Effekt hinausgehende Begründung für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimitteln feststellen. In diesem Zusammenhang werden stets die Untersuchungen von Aijing Shang zitiert, die 2005 im renommierten Lancet erschienen. Homöopathen und ihre Anhängerschaft kritisieren hier einmal mehr, dass ihr Vorgehen nicht nach wissenschaftlicher Methodik untersucht werden darf.

Des einen Kritik ist nicht des anderen Persilschein

Immerhin: Todesfälle wegen einer Überdosis Globuli sind bislang nicht bekannt. Berühmtes Beispiel: Im Jahr 2010 fanden in britischen Städten Protestaktionen statt. Vor Filialen einer Apothekenkette versammelten sich Protestler und schluckten kollektiv eine absurd hohe Menge homöopathischer Arsenpillen. Hinter der Aktion, die natürlich bei keinem eine Vergiftung hervorrief, stand der Appell an das Gesundheitssystem, die jährlich vier Millionen Pfund, die für homöopathische Mittel ausgegeben werden, sinnvoller einzusetzen.

Ungefährlich ist die Homöopathie freilich nicht ganz. Schließlich verschlechtern sich Heilungschancen bestimmter Krankheiten, wenn man „nichts“ unternimmt.

Die Vorgehensweise der Pharmaindustrie ist zweifelsohne verbesserungswürdig, doch hat sie erheblichen Einfluss darauf genommen, dass wir heute gesund altern können, dass bösartige Tumore nicht zwangsläufig ein Todesurteil sind und das Masern nichts mit dem Tod eines Kindes zu tun haben müssen. Ist der richtige Weg, berechtigte Kritik zu üben der, Zuckerpillen im Mund zergehen zu lassen?

Katja Ruhl

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