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Ort der Handlung:
Neu Mistorf bei Helene, 6. Dezember - Nikolaustag
Anwesende:
Helene mit Hagen, Hundeliebhaberin, Blackhusykman,
Freizeitfan mit Siegmar, Clementine mit Begleitung,
gittelis, nomoko mit Arno

Thema:
Lied ohne Worte - Roman von Sofja Tolstaja

Alle haben wir in der Schule voller Ehrfurcht von Leo Tolstoi gehört, über sein Leben gesprochen, von seinen Büchern erfahren, mindestens “Anna Karenina” gelesen oder im Film erlebt. Graf Tolstoi - der große Romancier des alten Russland, einstiger Offizier, der Europa bereiste, um auf sein Gut in Jasnaja Poljana zurückzukehren, dem Realismus und Naturalismus zu frönen - und urplötzlich den pompösen Lebensstil des Adels zu verpönen. Verheiratet mit Sofja, einer Adligen mit deutschen Wurzeln, 16 Jahre jünger als er, hatte er 13 Kinder zu ernähren. Und dennoch: Als er im fortgeschrittenen Alter sein Habe “dem Volke”, den Tolstoianern, vermachen will, nimmt das Ehedrama Tolstoi-Tolstaja seinen Lauf.
In dieser Zeit hat Sofja Tolstaja bereits Bücher geschrieben, sie leider vernichtet, nur, um ihrem berühmten Mann, dem weltweit verehrten “Hohepriester der Kunst”, zu Diensten zu sein. In ihrem Büchlein “Lied ohne Worte” verarbeitet sie ihre Gram, die sie immer wieder in der Ehe mit Tolstoi erlebt. Teils autobiografisch beschreibt Sofja Tolstaja in wunderschönen Worten die platonische Liebe der jungen Sascha zu dem Musiker Iwan Iljitsch, der sie nicht nur mit Mendelssohns “Liedern ohne Worte” auf dem Klavier verzaubert. In der Musik findet sie Ruhe und Glück - ihr Ehemann (im Buch) dagegen frönt nur seiner Leidenschaft für Baum, Strauch und Gemüse. Für Saschas (Sofjas) Gefühle ist er blind. Vom Landgut nach Moskau zurück gekehrt, lässt Sascha (Sofja) kein Konzert mit Iwan Iljitsch (im wahren Leben der Komponist Sergej Tanejew) aus, verzweifelt in dieser Zuneigung, die sie ihrer Ehe zuliebe bezwingen will - und denkt an Selbstmord. Sie verfällt dem Wahnsinn, begibt sich freiwillig in eine Heilanstalt, weil “das Lied ihrer Liebe zu Iwan Iljitsch ohne Worte zu Ende ging”.

Sofja Tolstaja lässt mit diesem Buch in ihre Seele blicken, die zutiefst verletzt wurde durch ihren Ehemann, durch das Leben in dieser Zeit, durch die Missachtung der Tolstoianer, die in ihr eine Feindin der Bewegung sahen.

Bewegend für uns an diesem Abend in Neu Mistorf der Film, der mit Helen Mirren und Richard Chamberlain nach diesem Buch gedreht wurde, sowie eine Original-Kopie des Films über Leo und Sofja Tolstoi. Diesen großen Dichter im Original zu sehen, ist einfach ein beeindruckendes Erlebnis. Und das hat uns alle sehr beeindruckt.

Kaum einer von uns wusste viel über die Frau an der Seite Tolstois, dass auch sie hoch geschätzte Bücher schrieb. Erst im Jahr 2010 lag das Buch “Lied ohne Worte” in deutscher Übersetzung vor, nachdem es in Russland veröffentlicht wurde. 40 Jahre nach ihrem Tod; so hatte sie es bestimmt. Sofja Tolstaja schrieb das Lied ohne Worte in den Jahren 1897-1900 als ihr zweites Werk nach “Eine Frage der Schuld”. Alles, was sie schrieb, korrespondierte mit ihrem eigenen Leben und Erleben, mit Tod (ihr Lieblingssohn Wanetschka starb mit nur fünf Jahren), Weltenleid und Liebesglück. Alles in allem erlebt der Leser in ihren Werken das Leben einer Ehefrau im Russland des 19. Jahrhunderts in einer sehr bewegenden schönen Sprache. Das “Lied ohne Worte” beschreibt ihre Zerrissenheit, ihre Verantwortung für ihre 13 Kinder (weitere drei Kinder starben) und ihren Drang zur Selbstverwirklichung.
Kritiker beschreiben das Leben der Sofja Tolstaja als eine “Kampf-Liebe-Beziehung” zu ihrem Mann Leo Tolstoi. Beide waren vielseitig begabt, charismatisch, ungeduldig, eifersüchtig, hysterisch. “Und beide investierten viel Willenskraft in ihre Ehe, sowohl in deren Zerstörung als auch deren Erhaltung.” Bis zu Tolstois tragischem Ende auf einer Bahnstation im alten Russland.

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