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Buchlesung am 25. Januar 2011

Ort der Handlung: Rostock-Toitenwinkel, Hüsung von Clementine1
Mitwirkende:Clementine1, Helene & Hagen,Blackhuskyman & Christine,
Freizeitfan, nomoko & Arno

Das Thema:
Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud
von Christa Wolf


Los Angeles, das ist die Stadt der Engel. Hier verbringt Christa Wolf zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mehrere Monate. Sie ist Gast des Getty Center, lebt und arbeitet hier mit Schriftstellern aus aller Welt zusammen, erlebt die Stadt der Engel.
Aus dem Nachlass einer Freundin hat sie Briefe dabei, die sie nicht loslassen, die sie fordern, dem Leben dieser Frau nachzuspüren. L., die Freundin, war aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigriert, wo sich ihre Spur zeitweise verlor.
Gut zehn Jahre mussten vergehen, bis Christa Wolf über diese Zeit, über ihr Leben und ihre Befindlichkeit in den Jahren nach dem Mauerfall in Deutschland reflektieren konnte. Als sie dieses Buch im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit vorlegt, heißt es in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: “Es ist das radikale Bekenntnisbuch einer Schriftstellerin, die einst die bedeutendste Autorin der DDR gewesen ist, ein Buch der Suche und des Abschiednehmens, ein kämpferisches Buch, ein Buch über die Kämpfe des letzten Jahrhunderts, ein Buch der Verzweiflung (…) Sie hat nicht aufgehört, nach ihrer Variante der Wahrheit zu suchen.” Und der “Tagesspiegel schrieb: “So erfrischend selbstironisch wie in ‘Stadt der Engel’ war Christa Wolf wohl noch nie. ‘Stadt der Engel’, der lang erwartete neue Roman der 81-jährigen Ost-Berliner Autorin, ist vieles: Ein Buch der Erinnerung und des Abschieds. Eine waghalsige, in zehnjähriger Schreibarbeit entstandene, atemberaubende Selbstbefragung, ja Lebensbeichte. So ungeschützt präsentierte sich Christa Wolf noch nie; sie schreibt ‘Jede Zeile, die ich jetzt noch schreibe, wird gegen mich verwendet werden…’”
Diesen Einschätzungen ist kaum etwas hinzuzufügen. Ehemalige DDR-Bürger werden sich und ihre Nachbarn, ihre Kollegen, Chefs, Freunde und Feinde in diesem Werk wiederfinden; mehr oder weniger.
Für unsere Diskussionsrunde war dieses Buch ein bewegender Blick zurück; und auf jeden Fall ein Buch, das Emotionen wachgerüttelt hat. Eine Aussage in diesem Werk jedoch bewegt und erschüttert mich bis heute: Warum steht sie nicht zu ihrer IM-Tätigkeit - in einer sonst so ehrlichen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit? Es ist mir unglaublich, dass sie wirklich vergessen hat, für die Stasi tätig gewesen zu sein. Sie belegt es mit einigen Aussagen im ihrem Buch ja selbst. Schade, Christa Wolf. Das war nicht nötig; sie hätte sich viele Diskussionen und viel Häme danach erspart.
Nichtsdestotrotz schrieb Christa Wolf mit “Stadt der Engel” ein Buch für alle, die ihre Zeit erlebt haben. Der Aufbau des Buches, ihre Kunstgriffe darin - eine große Arbeit. Eine Rückbesinnung, die man gelesen haben sollte.

Nomoko

Dazu ein Brief von Helene!

Unsere Buchbesprechung am 25.1. 2011 bei Clementine war sehr interessant, Clementine hatte alles sehr schön vorbereitet und so konnten wir dann nach dem Kaffee/ Tee und wohlschmeckenden Kuchen mit der Diskussion starten. Thema war das Buch von Christa Wolf „ Stadt der Engel or der Overcoat von S. Freud. Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich das Geschriebene aufgenommen wird, jeder empfindet anders und die daran anschließende Besprechung fördert und bringt Auffassungen zu Tage, an die man lange Zeit nicht gedacht hat.. Ich hatte beim Lesen der ersten Seiten zunächst Probleme, konnte mich nicht so recht begeistern, habe insgesamt das Buch auch nicht als Roman werten können, aus meiner Sicht mehr eine Zeitbeschreibung, Eine Zeit, die wir unmittelbar miterlebt haben. Ich möchte hier keine Inhaltsbeschreibung machen, das macht Nomoko ohnehin viel besser, aber ich möchte an dieser Stelle einmal einen der Schwerpunkte nennen, worüber wir lange gesprochen haben. Die Tatsache, dass C. W. als noch ganz junge Frau,. sicherlich voll des guten Glaubens, das Richtige zu tun, Informantin der Stasi war, einfach vergessen zu haben, kann ich mir nicht vorstellen, weil sie auch im Buch sagt, dass sie „die „ ein paar Jahre später gar nicht in die Wohnung gelassen hätte. Ich finde, wenn C. W. ehrlich gesagt hätte. ja ich bin Informantin gewesen, damals aus Überzeugung und aus Unerfahrenheit, wäre es eine ehrliche Beantwortung gewesen. Damit hat C. W. sich einen schlechten Dienst erwiesen, denn so etwas kann man nicht vergessen oder verdrängen. Das was man mit C- W. gemacht hat, nämlich mundtot zu machen, weil sie eine andere Meinung hatte, egal in welchem Regime ist nicht gelungen. C. W. wird weiter gelesen, man konnte Ihre Existenz nicht zerstören, sie findet Ihre Leser im Osten und Westen, findet Anerkennung und Lob auch international.
Helene

und noch eine Meinung zu dem Buch von Blacky

Ich habe mich an das Buch Stadt der Engel von Christa Wolf gewagt, aber zunächst mit dem Lesen schwer getan. Ich war einfach neugierig, was das honorierte Buch von Christa Wolf mir wohl geben würde. Ich bin absolut reich beschenkt worden, sie hat mir - ehemaliger DDR Bürger - in vielen Sätzen aus der Seele gesprochen. Ich kann vieles (wahrscheinlich auch aus Altersgründen), was sie bewegte sehr gut verstehen. Die Liebe zu diesem Land, zum Versuch eine neue bessere Gesellschaft zu bauen und die Enttäuschung, die sich einstellte, als die Erbauer nicht hielten, was sie versprachen. Gerade die Zweifel sind es, die das Buch so interessant machen, die Frage "was hätte ich anders machen können" und natürlich die Frage "warum habe ich so gehandelt". Es geht nicht um richtig oder falsch, es geht einfach um das WARUM.
Wie verletzlich das Individuum ist, wie schnell aus Begeisterung und Patriotismus Verletzlichkeit und Depression, zeigen die Erinnerungen sehr deutlich und ich kann diese gut nachvollziehen. Auch ihre Empfindungen, als die Mauer fiel decken sich total mit meinen eigenen Empfindungen.

Ich finde gerade die fehlenden Vorwürfe im persönlichen Bereich und das quasi Abhaken der Vergangenheit mit Bespitzelung und Denunziation einen sehr positiven Zug in diesem Buch, denn verteufelt und beschimpft hat man diese Republik doch nun oft genug. Und dass sie ihre Mitarbeit zur Stasi (heutzutage IM genannt) verdrängt und vergessen hatte, ich glaub es ihr. Zumal sie ja nie eine schriftliche Verpflichtung geleistet hat! Es wird jeder angefeindet, der die guten Seiten des Landes sucht, dabei geht es gar nicht darum, mit dieser Suche die DDR wieder auferstehen zu lassen oder zu verklären. Sie war einmal, und die gemachten Fehler aufzuzeigen, um es beim nächsten Mal besser zu machen, kann auch heute jedem nutzen.
So finde ich, sollte man das Buch lesen.
Ich kann nur empfehlen, unbedingt lesen, je mehr eigener Bezug zur DDR vorhanden, desto besser findet man sich selbst beim lesen. Es sei denn man hat sich inzwischen total verbogen. Von der Sorte gibt es ja leider genug heutzutage.
Uli(Blackhuskyman)

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