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der alte König in seinem Exil
der alte König in seinem Exil

Besser spät als nie. . .

Kürzlich war Weihnachten. Dann auch noch der Jahreswechsel. Familienbesuche überall. Reisen mit und zu Freunden. Sogar noch zwei Geburtstage, die gefeiert werden wollten: Hoffentlich reicht das als Entschuldigung, dass der Bericht über die Buchlesung am 19. Dezember des VERGANGENEN JAHRES! jetzt erst ins Feierabend-Blatt kommt. . . ?!

Also, wie gewohnt in der Vergangenheit, trafen wir uns, um über unser letztes Leseerlebnis zu sprechen. Diesmal war Diedrichshagen der Tagungsort, mit dabei Blackhuskyman mit Christine, Clementine, Freizeitfan mit Siegmar, Helene mit Hagen, nomoko mit Arno und als Lese-Treff-Neuling ing0504.

Auf der Tagesordnung Arno Geigers Buch über seinen dementen Vater

alles ist gespannt
alles ist gespannt

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger erzählt die Geschichte seines Vaters August, dessen Biografie wie die einer ganzen Generation vom Krieg geprägt wurde. Seine Erinnerungen, aufgeschrieben im Alter von 24 Jahren, entdeckt der Sohn in einem Wandregal im Vorratskeller des elterlichen Hauses. Erst mit dessen Lektüre erfährt er von den Ängsten und Wünschen seines Vaters, dem Überleben im Lazarett in Bratislava, wo um ihn herum Gevatter Tod Überstunden schob, den Vater aber überleben ließ. „Derartige Traumata vergisst man nicht. Keine Form der Demenz radiert sie aus dem Lebenslauf“, so eine Rezension.

Selten haben uns Bücher, die wir uns zum Besprechen ausgesucht hatten, so tief emotional bewegt wie dieses. Verwunderlich ist das nicht. Immerhin weiß jeder von uns: Niemand ist davor gefeit, ein Schicksal wie das des „alten Königs“ zu erleiden. Und Geiger erzählt uns, lässt es uns miterleben (!), wie die Krankheit Demenz seinen Vater zunehmend beschleicht und verändert. Wir lesen, wie schwer es ist, diese menschliche Katastrophe zu erkennen und dann auch noch zu akzeptieren. „Wir schimpften mit der Person und meinten die Krankheit“, schreibt er.
Natürlich waren/sind wir als Leser erschüttert, wenn ein naher Verwandter, wenn überhaupt jemand sein altes Ich verliert, seine Erinnerung weitestgehend ausgelöscht wird. Dies auch, weil es ja jedem von uns passieren kann. Doch dieses Buch ist keineswegs von Traurigkeit und Resignation erfüllt. Arno Geiger lässt uns tief in seinen Erkenntnisprozess blicken, als er erst lernen muss, die Realität von Alzheimer zu akzeptieren. Dass man nicht gegen die Krankheit leben sollte, sondern mit ihr.

Einmal erklärt der Autor: „Ich stellte mich weiterhin ungeschickt an, weil ich nicht aufhören wollte zu glauben, dass ich die Verbindung des Vaters zur Realität durch Hartnäckigkeit wach halten könne.“ Dann aber bekennt er, dass er lernen musste, dass er ein neues Verständnis aufbringen musste, „und irgendwann schlugen wir einen Weg ein, der von der nüchternen Wirklichkeit wegführte und über Umwege zur Wirklichkeit zurückkehrte“, erklärt der Autor. „Oft sei es, als wisse der Vater nichts und verstehe alles“, staunt der Sohn und legt mit diesem Buch eine regelrechte Liebeserklärung an seinen Vater vor. Er schließt eine völlig neue Freundschaft mit dem Vater – und lässt sie die Leser in berührender Weise miterleben.

Dieses Buch hat uns in vielfacher Weise die Augen geöffnet, wurde zu einer Lehrstunde im Umgang auch mit anderen Krankheiten und Gebrechen. Schön, dass es kein Klagelied ist, natürlich aber ein Buch der Traurigkeit. Doch es gelingt dem Sohn, die unausweichliche Niederlage seines Vaters gleichfalls als eine Geschichte vieler Siege darzustellen.

Also – man sollte dieses Buch unbedingt weiterempfehlen!

nomoko

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