Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Wirkschwankungen bei Parkinson - Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten

Mann nimmt Tabletten

Nach der Diagnose „Parkinson“ spüren viele Betroffene mit gut eingestellten Medikamenten nur wenig von den Auswirkungen ihrer Erkrankung. Bei zunehmender Krankheitsdauer treten häufiger Beschwerden auf oder die Wirkung der Medikamente schwankt. Aber auch in diesem fortgeschrittenen Stadium gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.

Bei Menschen mit Parkinson kommt es zum Verlust der Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Medikamente helfen unter anderem, den Dopaminspiegel auszugleichen, die Symptome zu bekämpfen und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Bei fortgeschrittener Erkrankung nimmt der körpereigene Dopaminspiegel immer weiter ab und es wird schwieriger, die Wirkung der Medikamente zu regulieren.

Wirkschwankungen – Das tägliche Auf und Ab

Erreichen die Betroffenen dieses Stadium, kann es zu so genannten „Wirkschwankungen“ kommen. Diese können zu wechselnden Phasen von guter und schlechter Beweglichkeit wie auch zu unkontrollierbaren überschießenden Bewegungen führen. Mediziner sprechen von „On-Phasen“ bei guter Beweglichkeit und „Off-Phasen“, wenn die Beweglichkeit sich verschlechtert und Störungen wie Zittern, Steifigkeit oder vollständige Unbeweglichkeit auftreten. Viele Betroffene in einem späteren Stadium der Erkrankung erleben den Wechsel zwischen diesen Phasen mehrfach am Tag.

Anderes Einnahmeschema

PD Dr. Martin Wolz, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Elblandkliniken in Meißen, sieht jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten: „Ein verändertes Einnahmeschema der Medikamente kann oft gegensteuern. Statt höheren Einzeldosen kann die Gesamtmenge der Medikation auf kleinere Einzeldosen verteilt werden. Zudem können zusätzliche Medikamente helfen.“ Das setzt jedoch voraus, dass das komplexe und vielschichtige Zusammenspiel von Beschwerden und Medikamentengabe, das bei jedem Menschen mit Parkinson anders ist, durchschaut wird. Hilfreich ist ein genau geführtes Tagebuch, in dem notiert wird, wann die Medikamente genommen werden und wann welche Beschwerden auftreten. „Die Beschreibungen der Angehörigen sind hierfür oft ebenso wertvoll wie die der Betroffenen“, weiß Wolz. „Beide können sich in ihren Beobachtungen sehr gut ergänzen.“

Wirkstoffe umgehen den Magen

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es jedoch immer schwieriger werden, den Dopaminspiegel mit den oral verabreichten Medikamenten konstant zu halten. Zum einen kann es generell nach Einnahme einer Tablette recht lange dauern, bis die Wirkung einsetzt, zum anderen führt eine verlangsamte Magenentleerung bei von Parkinson Betroffenen oft zusätzlich zu einer verzögerten Magen-Darm-Passage. Dazu kommt, dass Betroffene in dieser Phase oft eine große Menge verschiedenster Tabletten nach einem komplizierten Tagesplan einnehmen müssen, was dann immer die Gefahr birgt, dass es unabsichtlich zu Unregelmäßigkeiten in der Einnahme kommt.

Infografik Grafik Medikamentenzufuhr bei Parkinson
Geschluckte Medikamente wie Tabletten und Kapseln müssen zunächst den Magen passieren, um in den Dünndarm zu gelangen, der ihre Arzneistoffe an das Blut abgibt. Bei Menschen mit Parkinson führt eine verlangsamte Magenentleerung oft zu einer verzögerten Magen-Darm-Passage. Dadurch werden auch die Wirkstoffe verzögert weitergegeben und es kann zu Wirkschwankungen kommen.

Therapiemöglichkeiten

Wenn Tabletten aus den oben genannten Gründen nicht mehr optimal wirken können, stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören die Levodopa-Pumpe und die Apomorphin-Pumpe. Bei diesen gelangen die Wirkstoffe durch den Dünndarm beziehungsweise über die Haut direkt ins Blut.

Bei der Levodopa-Pumpe wird in einem operativen Eingriff eine Sonde durch die Bauchdecke in den Dünndarm gelegt. Der Wirkstoff wird durch einen dünnen Schlauch gleichmäßig und individuell dosiert in den Dünndarm abgegeben. Die Kassette mit dem Wirkstoff muss einmal täglich gewechselt werden.

Die Apomorphin-Pumpe zielt ebenfalls auf eine gleichmäßige Wirkstoffgabe - in diesem Fall mit einem Schlauch und einer Kanüle subkutan, das heißt über das Gewebe direkt unter der Haut. Da Betroffene diese Pumpen in der Regel nur während der Wachzeit tragen, muss die Kanüle einmal pro Tag in die Bauchdecke gestochen werden.

Beide Pumpen werden dauerhaft am Körper getragen.

Eine dritte Möglichkeit im späteren Stadium der Erkrankung ist die Tiefe Hirnstimulation, bei der in einer Operation zwei Elektroden in das Gehirn eingesetzt werden. Diese geben elektrische Impulse ab, die die Wirkschwankungen regulieren sollen.


Nicht jede dieser Behandlungsmöglichkeiten eignet sich in allen Fällen. Ebenso ist es für viele Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen ein großer Schritt, die vertraute Behandlung mit Tabletten aufzugeben und zu einer der beschriebenen Folgetherapien zu wechseln. Sollten diese aber feststellen, dass ihre aktuelle Therapie nicht mehr zufriedenstellend wirkt oder die Einnahme der Tabletten sehr kompliziert ist, lohnt es sich auf jeden Fall, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen.


Gabriele Hofmann-Maibaum, Feierabend.de

Artikel Teilen


Artikel bewerten
4 Sterne (10 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:

Themen > Gesundheit > Parkinson > Wirkschwankungen bei Parkinson