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Wenn der Honeymoon vorüber ist

Morbus Parkinson ist eine Krankheit, die langsam, mit teilweise wenig eindeutigen Symptomen beginnt und deshalb nicht gleich erkannt wird. Die Diagnose bringt Klarheit und damit häufig Erleichterung für die Betroffen und deren Angehörige. Zudem ist in der Zeit nach der Diagnose die Behandlung meistens erfolgreich. Die Symptome können weitgehend ausgeglichen werden, oft ohne Nebenwirkungen. Diese Phase wird deshalb als Honeymoon-Phase („Flitterwochen“) bezeichnet.

Wirkungsschwankungen

Doch die Flitterwochen gehen irgendwann vorbei. Schon wenn sich die ersten Symptome von Parkinson zeigen, ist die Dopamin-Produktion um die Hälfte reduziert. Eine Behandlung kann den Zellverlust nicht aufhalten, sondern lediglich ausgleichen. Wenn die Erkrankung weiter voranschreitet, sterben immer mehr Zellen ab, das Dopamin kann nicht mehr gespeichert werden und die Behandlung wird immer komplexer, zum Teil mit vielen verschiedenen Medikamenten. Die Wirksamkeit der Medikamente kann stark schwanken:

In den sogenannten ON-Phasen wirken die Medikamente gut und viele Betroffene können dann ihren Alltag selbstständig meistern. Doch in den OFF-Phasen, wenn die Wirkung der Medikamente nachlässt, brauchen sie oft Unterstützung bei den einfachsten Verrichtungen wie beispielsweise Anziehen, Gehen oder Essen. Hinzu können Phasen mit starker Überbeweglichkeit kommen, die den Alltag ebenso beeinflussen.

Es ist viel Geduld nötig, mit Hilfe des Arztes, eventuell auch bei Krankenhausaufenthalten, die Einstellung der Medikamente immer wieder neu an den Bedarf anzupassen. Das Fortschreiten der Erkrankung stellt eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Manche Menschen mit Parkinson verzweifeln in dieser Phase und tendieren dazu, die Verantwortung für sich selbst ganz abzugeben. Andere Erkrankte wollen möglichst selbstständig bleiben, auch wenn alle Verrichtungen wesentlich länger dauern. Die Schwankungen in der Wirkung erfordern zudem viel Einfühlungsvermögen von den Angehörigen, die immer wieder neu entscheiden müssen, wieviel Hilfe gerade benötigt wird. Für Angehörige und Betroffene ist es am besten, immer wieder ein Gleichgewicht zwischen Hilfeleistung und Unterstützung zu finden. Nur durch Gespräche kann man herausfinden, welches Maß an Selbstständigkeit gewünscht ist, und dem Betroffenen so viel Selbstständigkeit wie möglich lassen.
Sinnvoll ist es, sich ein Unterstützungs-Netzwerk aufzubauen, um bei Bedarf Hilfe zu organisieren. Pflegende Angehörige müssen hier auch die Möglichkeit haben, sich Unterstützung zu holen und dadurch Zeit für sich zu gewinnen.

Therapiemöglichkeiten bei Wirkungsschwankungen

Wenn die Wirkungsschwankungen im Verlauf der Erkrankung auch mit erneuter Anpassung der Tabletten nicht mehr ausgeglichen werden können, dann stehen weiterführende Therapien zur Verfügung:

• Kontinuierliche Apomorphin-Infusion
• Kontinuierliche L-Dopa-Infusion
• Tiefe Hirnstimulation

Alle drei Methoden haben das Ziel, die Lebensqualität und Selbstständigkeit von Menschen mit Parkinson wieder zu steigern. Sie stellen unterschiedliche Anforderungen an den Betroffenen, seinen Partner und sein Umfeld und sind nicht immer für jeden geeignet. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt müssen daher individuell passende Entscheidungen gefällt werden. Bei den kontinuierlichen Infusionen mit Apomorphin und L-Dopa kommen Medikamentenpumpen zum Einsatz, die nach entsprechender Schulung selbst bedient werden können. Beide Methoden können vorab auf ihre Wirksamkeit getestet werden.

Mit der kontinuierlichen L-Dopa-Infusion werden beeinträchtigende Wirkungsschwankungen vermieden, indem der Wirkstoff Levodopa gleichmäßig und fein dosiert in den Dünndarm abgegeben wird. Von dort gelangt er über das Blut in den Körper. Hierfür wird in einem operativen Eingriff eine Sonde durch die Bauchdecke in den Dünndarm gelegt. Durch dieses System lässt sich auch die ungleichmäßige Magenentleerung umgehen, die im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium auftreten kann und Wirkstoffschwankungen von Tabletten begünstigt.

Die Apomorphin-Pumpe zielt ebenfalls auf eine gleichmäßige Wirkstoffgabe - in diesem Fall über die Haut. Durch das tägliche Einstechen einer Nadel in den Bauch, wird eine Art Ersatzstoff für das Dopamin (Apomorphin) in den Körper transportiert. Ein gute Hygiene ist daher sehr wichtig.

Bei der Tiefen Hirnstimulation werden in einem operativen Eingriff Elektroden in das Gehirn geschoben und mit einem Impulsgeber verbunden. Dieser "Hirnschrittmacher" hat das Ziel, Bewegungsstörungen, insbesondere bei starkem Zittern, zu mindern.

Obwohl die Methoden erst im fortgeschrittenen Stadium angewendet werden, sollten sich Menschen mit Parkinson dennoch frühzeitig über sie informieren, um in Ruhe gemeinsam mit den Angehörigen entscheiden zu können, welche Methode in ihrem Falle die beste sein könnte. Denn der Wunsch des Betroffenen und seiner Angehörigen steht bei der Wahl der Behandlung im Vordergrund.

Detaillierte Informationen zur Behandlung von fortgeschrittenem Parkinson findest Du hier.

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