Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Verreisen mit Parkinson

Paar im Liegestuhl am Strand

Die Diagnose „Parkinson“ muss kein Grund sein, aufs Reisen zu verzichten. Wichtig ist, das richtige Reiseziel und die richtige Reisezeit zu wählen, sorgfältig zu planen und alles langsam angehen zu lassen.

Marion hat erst letztes Jahr erfahren, dass sie an Parkinson erkrankt ist. Zunächst stellte sich für die 64-Jährige die Frage nach einer Reise nicht – die Diagnose zu verkraften und die neuen Lebensumstände forderten sie als alleinstehende Frau genug heraus. Doch durch ihre Erkrankung wurde der Kontakt zu einem flüchtigen Bekannten vertieft, und die beiden beschlossen kurzerhand zusammen in den Urlaub zu fahren. „Er machte mir Mut, nahm mich unter seine Fittiche und mit ins schöne Österreich“, erinnert sie sich. Wichtig war ihr vor allem, dass sie die rund 800 Kilometer lange Autofahrt nicht allein machen musste. „Man verliert schnell das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.“ In Österreich angekommen, unternahmen die beiden viele Ausflüge, berücksichtigten dabei aber immer auch, dass Marion schnell erschöpft ist. „Dieser Urlaub hat mir sehr geholfen, wieder an mich und meine noch vorhandenen Möglichkeiten zu glauben“, ist das Fazit von Marion nach dieser Reise. „Reisen mit Parkinson ist, je nach der Art der Beschwerden, möglich. Aber ohne eine hilfreiche Hand für mich kaum vorstellbar.“

Allein reisen mit Parkinson

Das Beispiel von Marion zeigt, dass Menschen mit Parkinson nicht auf Urlaub und Reisen verzichten müssen. Tatsächlich ist es eine große Hilfe, eine verlässliche Begleitung zu haben, die einen unterstützt, sich ums Gepäck kümmert und einfach da ist. Doch auch allein reisen ist - je nach Art und Stärke der Beschwerden - möglich.

Hanne, deren Parkinson 2001 diagnostiziert wurde, hat sich Anfang des Jahres entschlossen, im Frühling Verwandte in Australien zu besuchen. Der Flug ging von Frankfurt am Main mit Zwischenstopp in Dubai nach Melbourne. Insgesamt trat die 66-Jährige die Reise recht entspannt an, lediglich der Zwischenstopp bereitete ihr ein wenig Sorgen: „Der Flughafen in Dubai ist riesig und die Wege entsprechend weit. Rund zwei Stunden Zeit fürs Umsteigen sind da nicht sehr viel und ich hatte Sorge, ob ich den Anschlussflug rechtzeitig erreichen würde.“ Die Lösung für das Problem lieferte das Reisebüro, bei dem Hanne buchte: „Ich wurde als Schwerbehinderte angemeldet. Das bedeutete, dass ich bereits in Frankfurt beim Einchecken sehr freundlich empfangen wurde und im Rollstuhl vorbei an den langen Schlangen der Mitreisenden durch die Sicherheits- und Passkontrolle bis zum Flugzeug gebracht wurde. Dort hatte man mir einen Platz mit viel Beinfreiheit reserviert. In Dubai funktionierte der Service genauso gut. Freundliches Personal brachte mich zum Warteraum und anschließend zum Boarding, das Bordpersonal half beim Verstauen des Handgepäcks und wartete bei mir, bis ich mich eingerichtet hatte.“

Aber auch unabhängig vom Service an den Flughäfen dürfen allein reisende Menschen mit Parkinson auf Hilfe rechnen, wie Hanne sie auf der Rückfahrt erlebte: „Die Rückreise verlief genauso entspannt, und sogar das Personal der Bahn half mir in Frankfurt beim Einsteigen und an meinem Heimatbahnhof bis zu meinen Abholern.“ Das Fazit für Hanne lautet: „Alles in allem gesehen habe ich diese Reise sehr genossen. Sicher liegt es auch an meiner Einstellung zu Parkinson: Ich lebe mit dieser Krankheit, aber nicht für sie.“

Reisen aus Angehörigensicht

Die beiden bisherigen Beispiele verdeutlichen die Sichtweise von Betroffenen. Wie aber sieht eine Reise aus Sicht der Angehörigen aus? Angela war mit ihrem Mann, der 75 Jahre alt ist und vor fünf Jahren die Diagnose Parkinson erhielt, im mittelfränkischen Raum zwischen Nürnberg und Erlangen sowie im südöstlichen Österreich unterwegs. Er ist stark gehbehindert und kann ohne Begleitung nicht mehr reisen.

Das Reiseziel hat er weitgehend selbst bestimmt – ganz im Sinne von Angela. „Die Reise und die Reiseziele sollten sich viel nach den Wünschen des Betroffenen richten, sonst gibt es nur Unwillen“, sagt sie. Die Planung und Organisation hat sie weitgehend allein übernommen und sich hohe Ziele gesteckt. „Vor der Abreise machte ich mir sehr viele Gedanken und wollte alles ‚perfekt‘ organisieren. Dennoch gab es einige Schwachstellen, an die ich nicht gedacht habe.“ Oft waren es eher Kleinigkeiten, die sich aber für einen von Parkinson betroffenen Menschen als fast unüberwindliche Hindernisse erweisen können. Das waren beispielsweise Unterkünften ohne Fahrstuhl, zu niedrige Betten, nicht barrierefrei Badezimmer oder fehlende Haltegriffe in der Dusche – kurz, es muss darauf geachtet werden, dass die Unterkünfte behindertengerecht sind. Angela betont, dass auch die Lage der Unterkünfte wichtig ist – sie sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein.

Trotz der kleinen Mängel, hatten die beiden einen schönen Urlaub: „Abschließend muss ich sagen, bis auf die unerwarteten Hindernisse, hat mein Mann die Reise sehr gut überstanden und mental sogar davon profitiert.“

Tipps für die Reiseplanung

  • Viele Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn bieten Menschen, die weniger mobil sind, bei Start und Ankunft eine kostenlose Betreuung oder komfortable Sitzplätze.

  • Parkinsonorganisationen und Selbsthilfegruppen vermitteln Kontakte zu Anbietern, die auf Reisen für Menschen mit chronischen Krankheiten spezialisiert sind.

  • Informationen über Kreuzfahrten in Kooperation mit der Deutschen Parkinson Vereinigung(dPV) sind unter Tel. 02153 70347 und www.reisen-mit-parkinson.de erhältlich.

  • Es ist sinnvoll, vor einer Reise mit dem Arzt zu besprechen, wie man sich vorbereiten kann und auf was man vor Ort achten sollte. Zum Beispiel kann Reisedurchfall die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen.

  • Es sollten genügend Medikamente für die Reise und einige weitere Tage mitgenommen werden. Im Flugzeug gehören sie ins Handgepäck. Bei der Einnahme der Medikamente sollte die Zeitverschiebung beachtet werden.

  • Es kann nützlich sein, sich gegebenenfalls vom Arzt bestätigen zu lassen, dass diese Medikamente benötig werden, damit es zum Beispiel bei der Sicherheitskontrolle kein Problem gibt.

  • Der Arzt oder Apotheker und die dPV können die internationale Bezeichnung von Parkinsonmittel nennen. Sie zu kennen, ist hilfreich, wenn man im Ausland unerwartet neue Medikamente benötigt.

Auto fahren mit Parkinson

Die Entscheidung, ob Menschen mit Parkinson das Auto, die Bahn oder das Flugzeug wählen, um an ihr Ziel zu kommen, hängt natürlich davon ab, wie weit das Reiseziel entfernt ist, unter welchen Beschwerden sie leiden und ob sie in Begleitung reisen. Beachtet werden muss auch, dass manche Medikamente Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit haben. Grundsätzlich sollten Betroffene, die allein unterwegs sind, sich keine allzu langen Autofahrten zumuten. Reisen sie trotzdem mit dem Auto, ist es sinnvoll, längere Ruhepausen einzuplanen, so wie Tiqvah es beschreibt: „Ich fahre viel Auto und bin viel unterwegs. Ich habe immer eine kleine Reisetasche im Auto. Wenn es mir nicht gut geht und ich erschöpft bin nach einigen Hundert Kilometern, dann gehe ich in ein Hotel, mache 1-2 Tage Erholungspause. Dann geht es weiter.“ Tiqvahs Parkinson verlief zwischenzeitlich sehr negativ, so dass „kaum jemand dachte, dass ich wieder auf die Beine komme“. Er hat sich glücklicherweise wieder erholt und einen Eignungstest fürs Autofahren gemacht, den er bestanden hat. Er sagt heute: „Wichtig ist es, vor allem daran zu denken, was man noch kann, als daran, wozu man nicht mehr die Fähigkeiten hat. Das Leben ist sehr schön. Es lohnt sich nicht, wegen Krankheiten daran zu zweifeln oder nicht mehr zu genießen!“

Reiseziel wählen

Grundsätzlich steht auch Menschen mit Parkinson die Welt offen. Doch sollten Betroffene und ihre Begleitung einige Einschränkungen beachten. So kann es bei der Parkinson-Krankheit manchmal zu einer verminderten Fähigkeit des Körpers kommen, die eigene Temperatur zu regulieren. Extremes Klima, egal ob Hitze oder Kälte, wird deshalb unter Umständen nicht gut vertragen. Gute Reiseziele sind daher Regionen mit gemäßigtem Klima oder eine entsprechende Jahreszeit, zum Beispiel Herbst oder Frühling in den Mittelmeerregionen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich an Anbieter wenden, die auf Reisen für Menschen mit einer chronischer Krankheit spezialisiert sind. So organisiert beispielsweise Margarete Bongartz vom Reiseservice der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) Kreuzfahrten für Menschen mit Parkinson und deren Angehörige. Andere Reiseveranstalter bieten spezielle Hotels, besonderen Transfer oder ärztlich begleitete Reisen an. Parkinsonorganisationen und Selbsthilfegruppen vermitteln Kontakte zu solchen Anbietern.

Aber egal, für welches Reiseziel oder für welche Urlaubsform Betroffene und ihre Angehörigen sich entscheiden: Sie sollten Stress vermeiden, sich Zeit lassen und darauf achten, dass die körperlichen Anstrengungen an den Fähigkeiten angepasst sind. So steht einer guten Reise nichts mehr im Wege.


Lies hier die vollständigen Erfahrungsberichte unserer Mitglieder.

Artikel Teilen

Themen > Gesundheit > Parkinson > Verreisen mit Parkinson