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Tänzerische Bewegungen statt Zittern -
Sportliche Aktivitäten stärken bei Parkinson Beweglichkeit und Selbstvertrauen

Selbsthilfegruppe Parkinson beim Qi Gong

Der Raum ist hell und freundlich, in der Ecke steht ein Schrank mit Sportgeräten, der Boden ist mit Matten ausgelegt und eine Ballettstange dient als Trainingsgerät und gibt gleichzeitig Halt. Die Frankfurter Selbsthilfegruppe "e v a n d a – Leben mit Parkinson e.V." hat in ihrem Zentrum einen eigenen Gymnastikraum eingerichtet, in dem sich regelmäßig Gruppen zum Sport treffen. „Sport hilft uns, mit den körperlichen Einschränkungen besser umzugehen“, sagt Brigitte Kämpf, zweite Vorsitzende der Selbsthilfegruppe, die seit 17 Jahren mit Parkinson lebt. „Wenn man Parkinson hat, ist man oft nicht so, wie man gerne sein würde. Bewegungstraining hilft, sich besser zu fühlen und mehr Vertrauen zu sich selbst zu haben.“

Parkinson Betroffene beim Qi Qong

Sport begleitet die medikamentöse Therapie

Studien zu begleitenden, nicht medikamentösen Therapien bei Parkinson belegen zwar nicht eindeutig deren Wirksamkeit. Trotzdem werden immer stärker auch begleitende Therapien wie beispielsweise sportliche Aktivitäten empfohlen.1 Denn die wirken sich einerseits positiv auf körperliche Symptome aus, andererseits haben sie auch – wie die persönliche Erfahrung von Betroffenen zeigt – wohltuende Wirkung auf die Psyche und das gesamte Wohlbefinden.

Selbsthilfegruppe Parkinson macht Gymnastik

Angehörige einbinden

Viele Sportarten können auch zusammen mit Angehörigen ausgeübt werden, besonders natürlich das Tanzen, aber auch Nordic Walking, Gymnastik oder Qi Gong. Die Unterstützung durch die Partnerin oder den Partner motiviert Betroffene oft, den Sport regelmäßig auszuüben. Doch kann sich die gemeinsame Unternehmung darüber hinaus auch auf die Partnerschaft positiv auswirken. Denn die gemeinsam verbrachte Zeit zeigt, dass es weiterhin Dinge im Leben gibt, die man als Paar ausüben kann. Parkinson wird so möglicherweise als weniger trennend erlebt.

Aktivitäten der „Evanda“-Selbsthilfegruppe in Frankfurt

Bei der „Evanda“-Selbsthilfegruppe in Frankfurt treffen sich Menschen mit Parkinson zum Nordic Walking im Park oder zum Badminton in einem Fitnessstudio, eine Zeit lang gab es auch eine Gruppe, die gemeinsam Tango Argentino lernte. In dem kleinen Gymnastikraum im Zentrum der Gruppe findet regelmäßig Qi Gong und Gymnastik nach der Hora-Methode statt.

Qi Gong: Tanz statt Zittern

Übungsleiter erklärt Qi Gong

Qi Gong ist eine chinesische Bewegungsform, die zugleich die Konzentration übt und darüber hinaus auch meditativen Charakter hat. Die Mitglieder der Frankfurter Selbsthilfegruppe haben Qi Gong 2013 im Rahmen einer AOK-Veranstaltung kennengelernt. Der 76-jährige Bernhard Schaaf, der seit 12 Jahren mit Parkinson lebt, war damals einer der Teilnehmer. Heute leitet er die Gruppe. Die Wirkung von Qi Gong ist nicht eindeutig belegt, doch gibt es Hinweise darauf, dass es sich positiv auf den Gang und das Gleichgewicht auswirkt.2 Für Bernhard Schaaf bedeutet Qi Gong allerdings mehr: „Für mich ist es ein ganzheitliches Training, auch eine Meditation. Die Atemübungen sorgen dafür, dass mein Zittern etwas nachlässt und die Überbeweglichkeit wird gemildert. Man lernt dadurch mit den Störungen umzugehen.“ Und Brigitte Kämpf, die an dem Training ebenfalls teilnimmt, ergänzt: „Durch Qi Gong wird das Zittern umgesetzt in lange, schöne, tänzerische Bewegungen.“ Danach befragt, was Qi Gong von anderen Sportarten unterscheidet, meint Schaaf: „Qi Gong führt auch zu einer inneren Ausgeglichenheit. Das Training unterstützt darin, sich selbst anzunehmen, seine Krankheit nicht zu bekämpfen.“

Gymnastik nach der Hora-Methode

Übungsleiterin erklärt die Übung

Die Hora-Methode wurde von dem Physiotherapeuten Peter Hornung speziell für Parkinson-Betroffene entwickelt. „Wer an Parkinson erkrankt“, erklärt Übungsleiterin Birgit Schmidt „hat spezifische Defizite. Die Bewegungsabläufe sind nicht immer flüssig, sich drehen oder der Schulterblick fallen schwer und oft sogar das Lächeln. Das Hora-Training hilft vielen, das wieder auszugleichen." Die 62-Jährige, die auch vor ihrer Erkrankung schon sehr sportlich war und früher als Übungsleiterin Kinder trainiert hatte, hat diese Trainingsmethode zusammen mit anderen Mitgliedern der Selbsthilfegruppe vor über 10 Jahren bei einem Kurs kennengelernt und sich bei Peter Hornung zur Übungsleiterin ausbilden lassen. „Die Gymnastik trainiert Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht, Koordination, Reaktion und Atmung. Wichtig ist auch, die Übungen zu Hause regelmäßig auszuüben.“ Einer der Teilnehmer bestätigt dies: „Die Wirkung der Übungen hält kurzfristig an. Man muss das regelmäßig machen. Aber in der Gruppe funktioniert das viel besser, da wird man von den anderen motiviert.“

Selbsthilfegruppe Parkinson macht Gymnastik

Sport gemeinsam machen

Tatsächlich gehört es zu den positiven Wirkungen der sportlichen Aktivitäten, dass sie häufig in der Gruppe ausgeübt werden. Die gemeinsame Bewegung mit anderen Betroffenen motiviert nicht nur zum Durchhalten, sondern ermöglicht auch Austausch und bietet sozialen Kontakt. So kann Tendenzen, sich aus dem sozialen Leben zurückzuziehen, vorgebeugt und einer Vereinsamung entgegenwirkt werden. „Hier in der Gruppe“, sagt Bernhard Schaaf „bin ich Mensch, hier park ich ein.“ Und übersetzt lachend für mich: „Damit meinen wir: Hier darf ich Parki sein.“

(1) Reuter I, Engelhardt M. Sport und M. Parkinson - Sports activity in Parkinson`s disease. Dt. Zschft f Sportmedizin. 2007 58(5): 122-131.
(2) Schmitz-Hübsch T et al. Qigong exercise for the symptoms of Parkinson's disease: a randomized, controlled pilot study. Mov Disord. 2006 Apr;21(4):543-8.


Gabriele Hofmann-Maibaum, Feierabend.de

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Themen > Gesundheit > Parkinson > Sport bei Parkinson