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Antworten von Prof. Dr. med. Elmar Pinkhardt

PD Dr. med. Elmar Pinkhardt

Vor einigen Wochen hatten Angehörige von Parkinson-Erkrankten und Betroffene die Gelegenheit, Prof. Dr. med. Elmar Hans Pinkhardt Fragen zur Diagnose zu stellen. Der Facharzt für Neurologie mit den Schwerpunkten Bewegungsstörungen und Morbus Parkinson hat zahlreiche Fragen beantworten können. Eine Auswahl findest Du hier.

Schmerzen

Frage:
Ich bin 82 Jahre alt und lebe nun seit 2012 mit der Diagnose Morbus Parkinson. Zusätzlich zu Medikamenten erhalte ich eine ergotherapeutische Behandlung und halte mich außerdem mit körperlichen Übungen fit. Den Haushalt meistere ich selbstständig.
Nun zu meinem eigentlichen Problem: Ich leide an sehr unterschiedlich auftretenden Schmerzen in Beinen, Knien und Waden. Dazu kommen häufig Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, die beinahe augenblicklich verschwinden, wenn ich mich setze. Einige Mitglieder meiner Selbsthilfegruppe klagen über ähnliche Beschwerden, die sie auf ihren Parkinson beziehen. Liegen sie damit richtig oder sind es altersbedingte Erscheinungen?

Antwort:
Schmerzen können durchaus als ein Symptom des M. Parkinson auftreten. Diese Parkinson-bezogenen Schmerzen fühlen sich wie Muskelschmerzen an. Sie sind meistens dann stärker ausgeprägt, wenn auch die Beweglichkeit stärker eingeschränkt ist.
Allerdings haben Sie recht mit der Annahme, dass gerade auch in einem höheren Lebensalter Schmerzen durch Verschleiß an der Wirbelsäule und an den Gelenken auftreten können. Häufig werden diese aber durch die mit Parkinson bedingte eingeschränkte Beweglichkeit oder damit zusammenhängende Fehlhaltung verstärkt.
Daher ist es wichtig, die Symptome des M. Parkinson mit Medikamenten möglichst effektiv und kontinuierlich zu behandeln und darüber hinaus viel in Bewegung zu bleiben. Vielleicht bietet Ihre Selbsthilfegruppe gemeinsame Aktivitäten an oder kann Ihnen Ansprechpartner z.B. in Turnvereinen nennen.

Ohr-Akupunktur

Frage:
Bei meinem Mann wurde 2013 die Diagnose Morbus Parkinson gestellt, die dann 2015 auf Multisystematrophie (MSA-P) korrigiert wurde. Nun haben wir von einem Bekannten erfahren, dass eine Ohr-Akupunktur hilfreich sein soll. Ein Arzt in Spanien will damit gute Erfolge erzielt haben. Was halten Sie davon? Was hilft nach Ihrer Erfahrung überhaupt gegen die MSA-Beschwerden?

Antwort:
Berichte über den scheinbaren Erfolg einer Ohr-Akupunktur bei Parkinson gibt es schon mehrere Jahre. Die Therapie hält jedoch leider einer medizinischen Überprüfung nicht stand.
Zu zweiten Teil Ihrer Frage: Was hilft gegen die MSA Beschwerden? Leider ist es bei der MSA so, dass Patienten mit dieser Erkrankung nur gering und oft nur für kurze Zeit auf eine Therapie mit den üblichen Parkinson-Medikamenten ansprechen. Das liegt daran, dass es bezogen auf die Funktionsstörung im Gehirn eigentlich eine ganz andere Erkrankung ist. Es gibt für die MSA bisher keine spezifische medikamentöse Therapie, um die Beweglichkeit zu verbessern. Eine intensive und regelmäßige krankengymnastische und logopädische Behandlung ist bei der MSA jedoch sehr wichtig. Die MSA verursacht darüber hinaus meist
noch weitere Symptome. Im Detail sollte man solche Fragestellungen immer mit dem behandelnden Neurologen besprechen.

Nachweis durch Labortest?

Frage:
Kann man Morbus Parkinson im Blut beim Labortest diagnostizieren bzw. lassen sich Hinweise darauf feststellen?

Antwort:
Leider gibt es keine Möglichkeit Morbus Parkinson oder die sogenannten atypischen Parkinson-Syndrome in einem Labortest festzustellen oder auszuschließen. Trotzdem gehört eine Laboruntersuchung immer zur Diagnosefindung dazu, da es extrem seltene Stoffwechsel-Erkrankungen gibt, die ähnliche Symptome wie M. Parkinson haben können und Laborveränderungen zeigen.

Zittern

Frage:
Ich habe ein leichtes Zittern im linken Arm, aber nur, wenn ich etwas in der Hand halte. Frage: Sind das erste Anzeichen für diese Krankheit?

Antwort:
Eine abschließende Antwort auf Ihre Frage könnte ich nur nach einer eingehenden Untersuchung geben, da es sehr viele verschiedene Gründe für ein Zittern im Arm geben kann.
Sie haben zwar recht damit, dass der M. Parkinson oft mit einem Zittern einhergeht, aber Ihre Beschreibung, dass das Zittern nur beim Halten von Gegenständen auftritt, könnte auch auf eine andere Ursache hinweisen. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die rechte Hand auch betroffen ist und sie keine Anzeichen von Muskelsteifigkeit oder Unbeweglichkeit verspüren.

Besserung des Tremors?

Frage:
Wie wirkt sich der Tremor (Zittern) im Arm- bzw. Handbereich aus? Wie entsteht er und was kann man tun, um eine Besserung zu erzielen.

Antwort:
Tremor (Zittern) ist ein Symptom, das eine Vielzahl von Ursachen haben und in vielen Formen auftreten kann. Daher ist es schwierig, diese Frage im Allgemeinen zu beantworten.
Im Rahmen des M. Parkinson ist der Tremor ein sehr häufiges Symptom, das zudem in Ruhe meist stärker ist als bei Bewegung. Wie bei Unbeweglichkeit und Steifigkeit liegt die Ursache dabei in einer Funktionsstörung der sogenannten Basalganglien. Das sind Teile des Gehirns, die wichtig für die Steuerung von Bewegungsabläufen sind.
Eine weitere häufige Form von Tremor ist der sogenannte essentielle Tremor. Er kann in fast jedem Lebensalter auftreten und ist dadurch gekennzeichnet, dass er beide Arme gleich stark betrifft, vor allem bei Tätigkeiten mit den Armen auftritt und in Ruhe kaum oder gar nicht vorhanden ist.

Diagnose korrekt?

Frage:
Wie kann man sich bei der Vielzahl der Formen und Symptomen von Parkinson überhaupt sicher sein, dass die Diagnose korrekt gestellt wurde? Gibt es ein Krankheitsstadium, in dem es keine Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt? Wie schnell schreitet die Erkrankung voran und wovon hängt das ab?

Antwort:
Die Diagnose des Morbus Parkinson stützt sich vor allem auf die typischen Symptome, die Patienten mit dieser Erkrankung entwickeln. So zeigt sich z. B. immer eine zunehmende Unbeweglichkeit, die oft von Muskelsteifigkeit und Zittern begleitet ist. Meist beginnen die Symptome einseitig, können aber im Verlauf der Erkrankung auf die andere Körperseite übergehen.
Sie haben recht damit, dass es viele Formen von Parkinson gibt. Das liegt daran, dass das Wort „Parkinson“ nur das Auftreten von Symptomen wie zunehmende Unbeweglichkeit und Ungeschicklichkeit beschreibt, für sich genommen aber noch nicht die Diagnose einer Erkrankung ist.
Die einzelnen Symptome, die bei jedem Patienten individuell ausgeprägt sein können, müssen dann von einem Experten in ihrer Gesamtheit beurteilt werden. Die meisten technischen Verfahren können die Verdachtsdiagnose nur unterstützen, die Erkrankung jedoch nicht beweisen. Allerdings muss der sogenannte Morbus Parkinson immer auf eine Behandlung mit L-Dopa oder die Wirkung von L-Dopa nachahmenden Medikamenten positiv reagieren. Sollte das nicht der Fall sein, muss nach anderen Ursachen für die Symptome gesucht werden.
Leider stimmt es, dass mit zunehmender Dauer der Erkrankung nicht mehr alle Symptome medikamentös behandelt werden können. Das liegt daran, dass ab einem bestimmten Stadium nicht mehr nur die Beweglichkeit, sondern auch viele andere Teile des Gehirns betroffen sein können. Dies hat unter anderem Gleichgewichtsstörungen, Stimmungsschwankungen, Vergesslichkeit, Störungen der Blasenfunktion und des Kreislaufs zur Folge. Diese Symptome sind mit Medikamenten nur zum Teil oder gar nicht behandelbar.
Man geht davon aus, dass nach 5 bis 7 Jahren die meisten Patienten mit M. Parkinson auch an solchen Symptomen leiden. Allerdings ist das Tempo, in dem die Erkrankung fortschreitet, individuell sehr verschieden. Die Ursache dafür kennt man noch nicht. Daher ist es für einen Arzt sehr schwierig für jeden einzelnen Patienten eine Prognose über den Verlauf der Erkrankung zu geben.

Wirkungsschwankungen

Frage:
Vor dreizehn Jahren wurde bei mir nach umfangreichen Untersuchungen ein "Primäres Parkinson-Syndrom“ diagnostiziert. Durch regelmäßige Besuche bei einem Neurologen, Aufenthalten in einer Fachklinik und unterstützt von meiner Familie sowie einem rührend bemühten Freundeskreis, gelang es mir die ersten zwölf Jahre mit Höhen und Tiefen zu bewältigen. Vor einem halben Jahr verschlechterte sich dann – ohne erkennbaren Grund – mein Zustand massiv. Medikamentöse Wirkungsschwankungen machten mir so zu schaffen, dass ich in meiner Lebensführung mehr und mehr eingeschränkt wurde. Darunter litt auch mein Sozialleben. Mehrmals wurde mein Behandlungsplan angepasst. Nun wieder im gewohnten Umfeld stelle ich nach nur wenigen Tagen fest, dass ich trotz der neuen Medikation immer noch sehr große Schwierigkeiten habe.
Ich wäre Ihnen für jeden Ratschlag, der mir weiterhilft, sehr dankbar.

Antwort:
Vielen Dank für die detaillierte und ausführliche Schilderung Ihrer Krankengeschichte. Mit der geschilderten Problematik stehen Sie nicht allein. Das Problem der ausgeprägten Wirkschwankungen, kombiniert mit häufigen Phasen von plötzlicher Unter- bzw. Überbeweglichkeit ist im Laufe der Erkrankung eine sehr belastende Situation.
Die Wirkungsschwankungen resultieren in erster Linie daraus, dass sich die Parkinson-Symptomatik ab einem bestimmten Erkrankungsstadium auch im Verdauungstrakt bemerkbar macht. Als Folge daraus wird der Magen nicht mehr regelmäßig entleert. So kann der Wirkstoffspiegel im Blutplasma trotz vieler über den Tag verteilter Einnahmezeitpunkten der Parkinson-Medikation nicht konstant gehalten werden. Wenn es also weiterhin zu starken Schwankungen der Beweglichkeit im Tagesverlauf kommt, dann sollte man sich Gedanken über eine kontinuierliche Parkinson-Therapie machen. Aktuell stehen hier drei Optionen zur Verfügung.
Die Möglichkeiten sind

  • Eine Medikamenten-Pumpe mit Levodopa

  • Eine Medikamenten-Pumpe mit Apomorphin

  • Eine Tiefe Hirnstimulation

Um diese Therapiemöglichkeiten genauer kennenzulernen, sollten Sie sich an einen, auf die Behandlung des Parkinson spezialisierten, Neurologen wenden. Dieser wird mit Ihnen, individuell auf Sie angepasst, die verschiedenen Möglichkeiten besprechen.

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