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Hillibaby's Dezember-Glosse

Angst

Was ist denn in mich gefahren, dass ich ausgerechnet in der Zeit vor Weihnachten von Angst spreche? Nun, eine ganze Menge Leute haben tatsächlich ein komisches Gefühl, wie dieses sie meist vor den Feiertagen beschleicht. Besonders, wenn sie alleinstehend sind, im Familienkreis etwas nicht stimmt oder die Sorge um Gesundheit und Existenz in den Vordergrund tritt.

Sobald wir uns mit eigenen Ängsten auseinandersetzen müssen, haben wir nur allzu oft Denkblockaden. Wir sind dann nicht fähig, klare Gedanken zu fassen und richtige Entscheidungen zu treffen. Zweifelsohne ist die Angst ein menschliches Grundgefühl. Da gibt es die Angst vor Prüfungen, vor Flügen oder die Klaustrophobie, ja sogar die Angst vor der Angst, und, und, und… Die stärkste Form ist die Angst vor dem Unbekannten. Einerseits reagiert der Körper in mannigfacher Weise auf Reize von innen und außen, buchstäblich von Kopf bis Fuß; jeder von uns kennt solche Symptome. Andererseits müssen wir anerkennen, dass Angst eine sehr wichtige Schutzfunktion ist. Sie gibt uns Warnsignale und hilft uns nichts zu tun, was wir normalerweise nicht wollen und uns schaden könnte. Wir fangen an zu überlegen und suchen nach Auswegen aus dem für uns unangenehmen Zustand. Wenn wir aber diese Alarmsignale bewusst abschalten, können wir uns nicht mehr gegen Angriffe wehren.

Wir sind doch alle erfahren und alt genug, um uns gegen den “Angstschweiß“ zu wehren. Da ist mir doch ein Ausspruch des deutschen Schriftstellers Paul Ernst aufgefallen, der da lautet: „Der Edle hat Angst um andere, der Gemeine um sich selber.“ Was bedeutet das? Nichts anderes, als den Blick auf unsere Mitmenschen, ob groß oder klein, zu richten und die eigenen Sorgen und Zipperlein mal nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn wir also unsere Aufmerksamkeit nicht auf uns, sondern nach außen lenken, können wir gar nicht mehr so viel falsch machen. Wir werden dann selbst nicht mehr vor der Angst kapitulieren, mit diesem Gefühlsumstand umgehen lernen und zum richtigen Zeitpunkt verantwortungsvoll entscheiden können. Jahrhundertlange Erfahrung hat gezeigt, dass der Mensch in Krisenzeiten mehr aushalten kann, als er denkt.

Aber jetzt wieder zurück zu der Advents- und Weihnachtszeit. Lasst uns dies mitnehmen, dass die Angst im Leben eines jeden Menschen dazugehört. Sie gibt uns die Erkenntnis, dass wir die Zukunft durch bereits erlebte Erfahrungen meistern können. Wenn wir gerade jetzt anfangen, unser Augenmerk nicht egoistisch auf uns zu beschränken, sondern unseren Hilfe bedürfenden Mitmenschen widmen, sie an die Hand und ihnen die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen versuchen, dann haben wir schon einen wesentlichen Beitrag geleistet, mit diesem uns innewohnenden Gefühl, das nicht nur Menschen, sondern auch Tiere kennen, verantwortungsvoll umzugehen.

Möge uns allen eine ruhige und besinnliche Adventszeit ohne unüberwindbare Ängste beschieden sein.

Euer Hillibaby

(eingestellt am 4.12.10)

Hillibaby's November-Glosse

Nahrung für alle?

Schon mal Hunger gehabt? Nicht so, wie ihr meint: An den Kühlschrank gehen, Butter und Wurst rausholen, eine Scheibe Brot abschneiden und belegen. Oder ein Süppchen mit Nüdelchen kochen. Oder, oder…. Nein: Der Magen verkrampft sich, weil nicht viel da ist und wahrscheinlich auch nicht viel da sein wird. So geht es ungefähr einem Fünftel der Weltbevölkerung.

Die erschütternde Tatsache ist die, daß in der Bundesrepublik jährlich Lebensmittel im Wert von 20 (in Worten Zwanzig) Milliarden Euro einfach so in den Müll wandern, das ist der Umsatz der Aldi-Gruppe. Unvorstellbare 500.000 Tonnen Brot fallen binnen 12 Monaten der Entsorgung anheim, nur weil Bäckereien und Supermärkte dieses Grundnahrungsmittel nicht am Backtag verkauft haben, wir als Käufer auf ultrafrischer Ware bestehen und wenn’s ginge, gleich vom warmen Backblech essen wollen. Mehr als 24 Stunden altes Brot erzeugt ja leider auch kein Bauchweh, macht zu schnell satt und mindert den Umsatz. Aber, die Schweine sind uns sehr dankbar für das gute Futter. Da haben doch findige Leute in Großbäckereien die glänzende Idee gehabt, Brotabfälle zu mahlen, in Pellets pressen zu lassen und als hochwertiges Heizmaterial für die eigenen Backöfen zu verfeuern. Es wird sogar berichtet, daß wir ein Atomkraftwerk abschalten könnten, wenn alle Bäckereibetriebe in Deutschland, ob groß oder klein, auf diesen Brennstoff umstellen würden. Auch die Bioenergieerzeuger freuen sich über uns als Wegwerfweltmeister. Aus dem Gemüseabfall werden viele Milliarden Bakterien satt und erzeugen alternative, umweltschonende Energie. Aber wer will schon eine etwas übelriechende Biogasanlage in Wohnortsnähe haben? Eine derartige Umstellung ist für die derzeitigen Strommonopolisten und Politiker nicht akzeptabel, die Aktionäre müßten ja ihre Gürtel enger schnallen.

Da gibt es tatsächlich Kunden, die abends in den Supermarkt kommen und sich beschweren, daß Backwaren- und Gemüseregale nicht mehr ganz voll sind und nicht aufgefüllt sind. Aber nach Geschäftsschluß werden Unmengen von frischer Ware an die Lieferanten zurückgegeben oder vernichtet. Der Gipfel der Bösartigkeit ist für mich erreicht, wenn Leute sich darüber aufregen, daß durch ehrenamtliche Mitarbeiter z.B bei der Tafel hierzulande die Bedürftigen mit Lebensmitteln, Gemüse, Obst und Brot versorgt werden. Also Sachen, die wir als verwöhnte Kunden eh nicht mehr kaufen würden, (weil angeblich nicht mehr ganz frisch oder dem Verfallsdatum nahe) sollen lieber in den Mülltonnen als im Bauch von Menschen landen. Da wird fast 50 % der Kartoffelernte ausgesondert, weil diese Gewächse entweder zu groß oder zu klein sind. Gurken haben gerade gewachsen zu sein, damit mehr in den Pappkarton passen. Kohlrabis sind mit Blättern auf dem Regal zu lagern, damit wir und nicht vorher das Ladenpersonal das Grünzeug abreißen und wegschmeißen. Ein kleiner Fleck auf einem Apfel oder einer Erdbeere und schon werden die Früchte des ganzen Obstkorbs oder der -schale zum Wegwerfen verurteilt, weil sie nicht mehr schön aussehen.

Jeder Einwohner Europas ißt jährlich 10 kg künstlich bewässertes Gemüse aus Südspanien, da herrscht Wasserknappheit. In den USA kontrollieren Computer durch ausgeklügelte Programme Tomaten nach Farbe, Größe und Form. Alles was abweicht, wird aussortiert. Dort gibt es jetzt aber Verbrauchergruppen, die gegensteuern, direkt beim Landwirt kaufen und im Kleinen gegen die Allmacht der Supermarktketten und Händler kämpfen. Da werden exotische Früchte 6.000 Kilometer von Kamerun nach Frankreich geflogen um gleich im Müll zu landen, weil das Aussehen nicht den Anforderungen entspricht. Wenn alles noch Genießbare an Lebensmitteln nicht weggeworfen oder vernichtet, sondern bei denen verteilt würde, die nichts haben, müßte niemand auf der Welt hungern.

Besonders regt mich auf, wenn Leute in Restaurants darüber meckern, daß das Essen nicht auf den Punkt genau den Vorstellungen der einzelnen Gäste entsprechend. zu weich, kross, fett, mager, zu heiß oder zu kalt, als zu große oder zu kleine Portion serviert wird. Und das, wo wir doch fast alle einen BMI-Index haben, der Ärzten und Gesundheitsbewußten die Haare zu Berge stehen läßt. Genug der Aufzählung, die ich stundenlang weiterführen könnte. Mir jedenfalls ist bei der Recherche zu dieser Glosse schlecht geworden, was ich in den letzen 8 Tagen an Informationen sammeln konnte. Wir haben einen Brottopf, wo dieses Grundnahrungsmittel länger hält und im übrigen sowenig Vorräte im Haus, daß wir wahrscheinlich zu den ersten gehören, die verhungern würden. Zum Wegwerfen gibt’s fast nichts.

Ein Wissenschaftler hat treffend bemerkt, ich zitiere ihn sinngemäß: Früher mußten unzählige hungernde Menschen satt gemacht werden, heute müssen zu viele satte erst wieder hungern lernen. Wie wahr. Das mußte ich an dieser Stelle mal so loswerden, jetzt geht’ mir besser.

Bis zum nächsten Mal, Euer Hillibaby

(eingestellt am 24. Oktober 2010)

Hillibaby's Oktober-Glosse

Allein oder einsam?

Sehr viele Menschen fühlen sich alleine oder einsam. Hierzu hat der Philosoph Arthur Schopenhauer der Nachwelt eine Erkenntnis hinterlassen, die ich uns nicht vorenthalten möchte: „All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können.“ Allein sind wir ganz einfach doch schon, sobald gerade Mal niemand um uns herum ist. Wenn wir die Wohnung oder das Haus verlassen, ist das Alleinsein schon in Gefahr, weil wir Leute treffen könnten, je nach Tageszeit oder auch nicht. Das wollte Schopenhauer sicher nicht ausdrücken, ich denke, er hat die Einsamkeit gemeint.

Natürlich ist der Mensch einsam, wenn er nichts mit sich anzufangen weiß, sich hilflos oder verlassen fühlt, den Kontakt mit anderen bewusst meidet und sich nicht um Hilfe bemüht. Vielfach hat der Einsame auch zu hohe Erwartungen an seine Umwelt, das Gefühl nicht gemocht zu werden oder wertlos zu sein, erscheint ihm als kaum überwindbares Hindernis. Andere Menschen können und dürfen für das eigene Glück nicht verantwortlich sein. Aber, es gibt auch Situationen, in denen jemand nicht mehr eigenständig handeln kann, aus welchen Gründen auch immer. Da sind wir dann als Gemeinschaft gefordert.

Alleinsein kann sehr wohltuend sein. Ich brauche mal keine Rücksicht auf andere zu nehmen, tue und lasse, was ich will und nehme mir all das vor, was mir Wohlbefinden schafft. Ich kann mir selbst beweisen, was ich ohne Hilfe anderer zu leisten imstande bin. Es stört mich niemand beim Hineinhören in mich selbst und ich habe bei aller Alltagshektik eine Rückzugsmöglichkeit. Da ich dann mit mir selbst im Reinen und zufrieden bin, kann ich auf andere Menschen zugehen. Wenn ich aber den Eindruck erwecke, lästig zu fallen, bin ich schon wieder auf dem Weg in die nicht gewollte Isolation und Einsamkeit.

Es gibt schon einige Einrichtungen, wo wir alles Mögliche versuchen können, um weder allein noch einsam zu sein. Gleichgesinnte finden sich immer für gemeinsame Unternehmungen und zur Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen. Aber denken wir alle an die alte Weisheit: Leben und leben lassen. Denn sonst geht uns die Luft aus. Einen schönen Oktober wünscht Euch

Euer sich (was für ein Glück) weder allein noch einsam fühlender Hillibaby

(eingestellt am 26. September 2010)

Hillibaby's September-Glosse

Glauben

Am 25. August 1900, also vor jetzt fast genau 110 Jahren ist der große deutsche Philosoph, Dichter und klassische Philologe Friedrich Wilhelm Nietzsche in Weimar gestorben. Auf seine weltweit bekannten Schriften und Erkenntnisse kann ich nicht eingehen, das würde zu weit führen und den Rahmen einer Glosse sprengen. Ich will ihn hier nur einfach zitieren: „Glaube heißt nicht wissen wollen, was wahr ist“. Dies ist das echte Zitat des Philosophen. Wir sagen meist nur Glauben heißt „nicht wissen“.

Das Wort glauben kommt von mittelhochdeutsch gelouben oder althochdeutsch gilouben und bedeutet „für lieb halten“ „gutheißen“. Darunter wird eine Wahrscheinlichkeitsvermutung verstanden, also hypothetisch für wahr gehalten. Wir können die Wahrheit des Sachverhalts annehmen, sie aber gleichzeitig widerlegen, soweit mit Tatsachen das Gegenteil bewiesen werden kann. Beim Umgang miteinander oder in der Rechtssprechung bedeutet glauben jemandem vertrauen.

Ganz anders verhält es sich bei dem Glaubensbegriff der Religionen. Christen, Juden und Mohammedaner glauben an einen Gott, dessen Existenz wir mit unserem Verstand nicht fassen können. In meiner Sturm- und Drangzeit, Ende der 50iger/Anfang der 60iger Jahre im letzten Jahrhundert, hatten wir einen alten Weinkeller in der Mainzer Neustadt gemietet, um dem „Unverständnis unserer meist konservativen, während des Hitlerregimes geprägten Eltern gegenüber den für sie revolutionären Ideen der Jugend“ zu entgehen. Da kamen dann auch heftige Debatten über den Glauben im Allgemeinen auf. Eines Nachts, als wir uns über die Existenz Gottes stritten, beendete ich die Diskussion mit der einfachen Feststellung: Du glaubst, dass es keinen Gott gibt, ich bin davon überzeugt. Du kannst nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt und ich nicht seine Existenz, also Ende der Debatte. Wir gingen dann friedlich heim. Dieser von mir schon damals gewollte Glauben auch ohne endgültiges Wissen der Wahrheit um die Existenz Gottes leitet mich noch heute. Dagegen kommt selbst der große Nietzsche nicht an.

Im Internet fand ich den schlauen Satz eines Mitmenschen, der tatsächlich bemerkt hatte: „Ich glaube, dass 5 Pfund Rindfleisch eine gute Brühe ergeben“. Jener irrt, denn das ist eine feststehende, bereits bewiesene Tatsache, die jeder Glaubensgrundlage entbehrt.

Deshalb setze ich den an eine Hauswand in Oberbayern gemalten Spruch dagegen: „Es glaube jeder, was er will, ihm gebe Gott dreimal so viel“. Was zu beweisen wäre oder auch nicht. Einen schönen September wünscht

Euer glaubender Hillibaby

(eingestellt am 30. August 2010)

Hillibaby's August-Glosse

Gedankenlosigkeit

„Gedankenlosigkeit tötet. Andere.“ Das hat einmal der polnische Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec gesagt. Wie oft machen wir andere Menschen mundtot, erschlagen sie mit Worten oder beleidigen sie sogar tödlich? Mehr als wir denken, von einem auf den anderen Moment, in einem Gespräch mit oder über unsere Mitmenschen.

Da kippt die angenehme Atmosphäre schlagartig, weil wir etwas preisgegeben haben, was wir gar nicht wollten. Da werden Bekanntschaften, Ehen, Freundschaften, Gemeinschaften, was auch immer, reparaturbedürftig oder unheilbar gestört. Ein Wort zuviel und schon müssten wir einen Roman erzählen, um die gegenseitige Achtung halbwegs wieder herzustellen.

Schlimm ist es, wenn der Mensch das gar nicht merkt, was er so dahersagt und die Umgebung mit gedankenlosem Dauergeschwätz nervt. Manche Situationen gebieten es, mal für einen gewissen Zeitraum still zu halten. Ganz fürchterlich wird es, wenn auch noch die Einsicht fehlt, etwas falsch gemacht oder andere beleidigt zu haben. Ich selbst weiß, wie schwer es manchmal ist, gegenüber den Mitmenschen zuzugeben, gedankenlos gewesen zu sein und sich für den „Wortmord“ auch noch zu entschuldigen.

Zugeben muss ich, allergisch auf Menschen zu reagieren, die ihre Zuhörer mit ihrem dummen Geschwätz zumüllen und keine wörtliche Gegenwehr zulassen. Da versinke ich lieber in Gedanken und schweige, bis dem Wortmörder die Luft ausgeht oder nicht.

Um den Kampf gegen die Gedankenlosigkeit erfolgreich zu gestalten, sollten wir uns zu Herzen nehmen: Erst denken, dann reden, nicht umgekehrt.

Euer Hillibaby

(eingestellt am 2. August 2010)

Hillibaby's Juli Glosse

Moralische Korruption

Bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 erwarb sich ein italienischer Schiedsrichter mit Namen Pierluigi Collina weltweit den Ruf eines unbestechlichen Spielleiters, den nichts und niemand, selbst Morddrohungen nicht, davon abhalten konnte, den Akteuren auf dem Platz Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Bei der derzeitigen WM in Südafrika sind einige Schiedsrichter durch krasse Fehlentscheidungen in der Vorrunde aufgefallen, bis sich der Weltfußballverband FIFA wegen Öffentlicher Proteste erst zum Einschreiten entschloss.

1985 wurde ein 14 Jahre andauernder Streit zwischen Staat und Kirche über die Zulassung von Verhütungsmitteln durch den obersten Gerichtshof der Republik Irland in Dublin zugunsten der staatlichen Institutionen entschieden. Geistliche hatten die überwiegend katholische Bevölkerung vor dem Verfall der Sitten gewarnt. Briefschreiber und Anrufer bedrohten Parlamentarier: sie würden die Politiker umbringen, ihre Häuser anzünden und ihre Frauen entführen, so sie für den freien Verkauf von Verhütungsmitteln stimmten.

Ein deutscher katholischer Oberhirte musste vor wenigen Wochen, obwohl er das nicht wollte, wegen gegen ihn erhobener Vorwürfe zurücktreten. Die in Regierungsverantwortung stehenden Mitglieder der FDP mussten sich gegen Korruptionsvorwürfe wegen einer Millionenspende im Zusammenhang mit der Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen wehren. Eine Auflistung solcher Begebenheiten ließe sich beliebig ausweiten. Das würde aber den Rahmen einer Glosse sprengen.

Was will ich damit sagen? Korruption durch aktive oder passive materielle Vorteilsnahme ist, da sind wir uns alle einig, strafrechtlich zu verfolgen. Wenn aber ein Mensch durch moralisches Fehlverhalten auffällt und uneinsichtig ist, halte ich ihn für moralisch korrupt, wenn er anderen ohne deren Einwilligung Schaden zufügt.

Deshalb beherzigen wir den altbekannten Spruch: „Was du nicht willst, dass man Dir tu', das füg' auch keinem anderen zu“. Bis zum nächsten mal,

Euer Hillibaby

(eingestellt am 30. Juni 2010)

Hillibaby's Juni Glosse

Älter sein
Der dänische Schriftsteller, Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard hat ein auf uns passendes Zitat hinterlassen:

"Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden."

Da ist doch was dran, oder? Als wir jünger waren, hatten wir Pläne geschmiedet, unsere Zukunft geplant und versucht, das noch vor uns liegende, hoffentlich lange Leben mit aller uns zur Verfügung stehenden Energie zu bewältigen. Wir wußten nicht, was uns erwartete und bewegten uns nur vorwärts. Entweder gründeten wir eine eigene Familie oder blieben ohne festen Partner, wenn sich keine Gelegenheit gemäß unseren Wünschen, Sehnsüchten und Vorstellungen ergab. Beruflich nahmen wir Chancen wahr, nutzten gebotene Möglichkeiten oder unterließen dies. Wir versuchten zumindest, das vermeintlich Beste aus der jeweiligen Situation zu machen.

Nachdem ich mich längst jenseits der Lebensmitte befinde und all dies heute für mich persönlich Revue passieren lasse, habe ich ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen gehabt; das ist gut so gewesen, Ich machte gute und schlechte Erfahrungen, gewann Erkenntnisse, die ich mir in jungen Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte oder wollte. Ich ertappe mich dabei, nicht mehr so weit in die Zukunft zu schauen, weil die mir noch verbleibende Zeitspanne nicht die sein kann, als ich 20 oder 30 Jahre alt war. Ich bin beim Sammeln von Haltepunkten und ordne gedanklich ein, was ich selbst getan habe und was mir im Leben widerfahren ist.

Zwangsläufig geht dann auch der Blick zurück. So schließt sich der Kreis. Ich habe vorwärts gelebt und bin dabei, in der Rückwärtsschau vieles besser zu verstehen. Das soll aber nicht heißen, daß ich zukünftig untätig sein will. Ich habe mich auf Aktivitäten eingelassen, die mir viel mehr Freude und wenig Frust bereiten. Über mein Leben kann ich noch selbst bestimmen und genieße das.

Älter oder alt sein sein ist keine Strafe, sondern Ansporn, die in uns noch vorhandenen Kräfte auch sinnvoll einzusetzen, solange wir dazu noch fähig sind. Was wir hergeben, bekommen wir, davon bin ich überzeugt, auf irgendeine Weise zurück. Ich wünsche uns allen, daß wir uns dessen bewußt sind, nicht mehr Bäume ausreißen zu können und mit der Fähigkeit, Blumen am Wegesrand zu pflücken, auch zufrieden sein dürfen.

Mit dem Wunsch an alle, das Ältersein so zu genießen wie es ist, ein schönes Wochenende,

Euer Hillibaby

(eingestellt am 30. Mai 2010)

Hillibaby's Mai-Glosse

1. Mai

Der 1. Mai wird seit Jahrzehnten in Deutschland und vielen weiteren Staaten als Tag der Arbeit, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet und hat als gesetzlicher Feiertag das Privileg, den Arbeitnehmern einen freien Arbeitstag zu bescheren, so er nicht auf ein Wochenende fällt. Ursprünglich gab es eine Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien; die nordamerikanische Arbeiterbewegung folgte Anfang 1886 in Chicago mit der Forderung zur Durchsetzung des Achtstundentages.

In Deutschland hatten Mitglieder der Weimarer Nationalversammlung am 15. April 1919 versucht, den 1. Mai ebenfalls zum gesetzlichen Feiertag zu bestimmen. Dies scheiterte aber, weil sich Regierungs- und Oppositionsparteien nicht einigen konnten. Ausgerechnet die Nationalsozialisten, die die freien Gewerkschaften kurz nach der Machtübernahme verboten, benannten ihn 1933 zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ und 1934 zum „Nationalen Feiertag“. Nach dem 2. Weltkrieg bestätigte der Alliierte Kontrollrat die weitere Gültigkeit des Feiertages mit der Auflage der Durchführung von Maikundgebungen in beschränkter Form.

In der Bundesrepublik regeln die einzelnen Bundesländer den Feiertag durch eigene Gesetze. In Nordrhein-Westfalen z.B. wird der 1. Mai offiziell als „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“ begangen. In den 1980er Jahren gab es neben den politischen Demonstrationen teilweise auch regelmäßig Ausschreitungen. In der jetzigen Zeit wird der Feiertag ruhig begangen.

In der ehemaligen DDR feierten die Menschen den „Internationalen Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“. Das ist aber bereits seit mehr als 20 Jahren Geschichte, denn diesen Staat gibt es nicht mehr.

Auch wenn der größte Teil der Glossenleser nicht mehr „werktätig“ ist und das Rentnerdasein genießt, möchte ich alle in einen schönen geruhsamen Feiertag entlassen. Wie stand an einer Friedhofsmauer in der Ex-DDR zu lesen? „Kommt alle heraus zum 1. Mai und marschiert mit“.

Also dann, nix wie raus.

Euer Hillibaby

(eingestellt am 30.4.2010)

Hillibaby's April-Glosse

Frühlingserwachen

Nachdem sich der biologische Frühling in den letzten zwei Wochen nicht nur angekündigt hat, sondern auch tatsächlich in Erscheinung getreten ist, haben meine Frau und ich im Garten gewütet, Unkraut gejätet, Rosen und Sträucher zurückgeschnitten und die ersten warmen Sonnenstrahlen genossen. Aber, wir stellen fest: Für uns werden die Tage immer kürzer, obgleich es jetzt länger hell bleibt, warum?

Mit zunehmendem Alter können wir uns nicht mehr so schnell bewegen, das Bücken und Heben fällt schwerer. Die Reaktionen verlangsamen sich und wir ermüden eher als in früheren Lebensjahren. Für gleiche Tätigkeiten brauchen wir weitaus länger und die Ausdauer läßt nach. Während meiner beruflichen Tätigkeit wurde mir ein „Elefantengedächtnis“ nachgesagt, aber auch das wird etwas schwächer. Ich speichere jetzt eher und intensiver visuelle Eindrücke als trockene Daten und Fakten. Für kleine und große Einkäufe brauche ich Merkzettel und der Terminkalender ist ständiger Begleiter im Tagesablauf. Tröstlich für mich ist zu wissen, dass ich mit diesen Erkenntnissen nicht allein stehe, es geht sehr vielen Mitmenschen genau so.

Nachdem die meisten von uns das Berufsleben hinter uns haben, können und sollen wir den Tagesablauf entsprechend unseren Möglichkeiten und Bedürfnissen gestalten. Tun wir nur noch das, was uns Freude bereitet und versuchen uns damit abzufinden, dass wir nicht mehr überall mithalten können. Unsere große Lebenserfahrung hilft uns doch über vieles hinweg.

Genießen wir jetzt im Frühling die wärmenden Sonnenstrahlen und freuen uns am Erwachen der Natur. Beobachten wir mit Ruhe und Gelassenheit, was um uns herum passiert. Wenn wir die unabänderlichen Lebensumstände so annehmen wie sie sind, werden wir auch in der Lage sein, mit dem fertig zu werden, was uns wie auch immer noch bevorsteht.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein schönes und frohes Osterfest. Bis zum nächsten mal,

Euer Hillibaby

(eingestellt am 28.3.2010)

Hillibaby's März-Glosse

Besserwisser

Die Kaste der Besserwisser ist weiter verbreitet, als wir gemeinhin annehmen. Sie nehmen in Anspruch, den Durchblick zu haben. Auf alles haben sie eine Antwort oder wissen es besser als der Mitmensch, der gerade seine eigene Meinung oder Wahrnehmung geäußert hat. Sie können nicht zuhören, fallen dem Erzähler ins Wort, korrigieren das gerade Gesprochene, sind rechthaberisch belehrend und zeigen sich beleidigt, wenn sie nicht zugeben können, dass auch sie mal im Unrecht sind. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass dieses Verhalten sehr oft auf Mißfallen oder im Extremfall auf Ablehnung stößt.

Viele Besserwisser sind unsicher und haben ein niedriges Selbstwertgefühl, das sie durch Selbstdarstellung erhöhen wollen. Alles von ihnen Erlebte ist mindestens gleichwertig, dramatischer oder besser als das der Gesprächspartner. Von ihren Zuhörern erwarten sie Aufmerksamkeit und Anerkennung und werden oft als laut und aufdringlich wahrgenommen. Sie reagieren beleidigt, wenn es jemand wagt, ihre Gedankengänge und Worte zu korrigieren. Sie sind zu stolz, die Kompetenz anderer anzuerkennen, Gönnenkönnen scheint für sie im Sprachgebrauch abhanden gekommen zu sein.

Etwas besser zu wissen macht einen Menschen noch lange nicht zum Besserwisser. Der Wissende gönnt dem Gegenüber etwas, ohne dessen Kenntnisse und Fähigkeiten zu schmälern. Da höre ich gerne zu und profitiere von der Erfahrung. Es ist eine seit Urzeiten bekannte Tatsache: Perfekte Menschen gibt es nicht. Wiir sind alle Menschen mit einem reichen Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen, wie auch immer wir diese erlebt und verarbeitet haben.

Mir fehlt, das muß ich zugeben die Fähigkeit, Besserwissern lieb und nett zu erklären, daß es außer ihnen andere, klügere Leute gibt, die ihrer Kenntnisse nicht bedürfen. Da schweige ich lieber stille und denke mir meinen Teil, auch wenn es mir noch so schwer fällt, nichts zu sagen.

Ich wünsche allen, auch mir pfleglichen Umgang mit Besserwissern ohne atmosphärische Störungen. Wir wissen, daß es besser ist etwas zu wissen, ohne Besserwisser zu sein

Gönnen wir uns das an diesem und allen folgenden Wochenenden,

Euer Hillibaby

(eingestellt am 1.3.2010)

Hillibaby's Februar-Glosse

Winterzeit

Der Winter wird im Althochdeutschen als „wintar“, eigentlich nasse Jahreszeit nach dem deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm bezeichnet. Auf unserer nördlichen Welthalbkugel sind das die Monate Dezember bis Februar, auf der südlichen Juni Juli und August; für uns werden jetzt die Tage wieder länger und die Nächte kürzer.

Es gibt doch tatsächlich sehr viele Leute, die darüber schimpfen, daß altbekannte Fakten über winterliche Wetterverhältnisse auch bei uns zutreffen. Tatsächlich ist es kalt, die Wettervoraussage beschert uns Wind und Schnee, was für unsere mittelrheinische Gegend nicht mehr als ganz normal akzeptiert wird. Wenn ich mich an meine Jugendzeit in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts erinnere, war es doch auch schon kälter und unser berühmter „Vater“ Rhein verschiedentlich zugefroren, was ja heute bei den jetzigen Umwelteinflüssen kaum möglich scheint. Da waren Buden auf dem Eis aufgestellt und die Fastnachtsnarren konnten sogar tanzen und feiern. Nach dem Krieg hatte der Winter 1946/47 viel schlimmere, ja sogar katastrophale Auswirkungen, weil es die Leute damals nicht so warm in ihren Wohnungen hatten. Das Organisieren von geeigneten Brennmaterialien war sehr oft Tagesaufgabe. Heute sollte keiner mehr hungern und frieren müssen, unser soziales Netz ist weltweit mit das Beste.

Auch der Natur tut die Winterzeit gut. Durch Eis und Schnee wird ihr eine Ruhephase und Erholungspause gegönnt, um wieder Kraft für neues Wachstum zu schöpfen und den jahrtausendealten Wechsel der Jahreszeiten aufrechtzuerhalten. In unseren Breitengraden ist Dauerhitze oder –kälte ungesund, der Organismus von Mensch und Tier wäre ungewohntem Dauerstreß ausgesetzt. Ich kann und will es mir nicht vorstellen, daß irgendwann in der Zukunft im Rhein Krokodile und Haie schwimmen und wie am Nil Palmen und Bananenstauden wachsen könnten. Oder die Kälte führte dazu, daß wir wegen Schnee und Eis nicht mehr in der Lage wären, uns mit frischen Lebensmitteln zu versorgen, wo doch auf unserem Planeten eh so viele Bewohner hungern müssen. Wir wollen doch nicht auf künstlichen Nahrungsersatz umstellen, Astronauten.sind wir nicht und wollen auch nicht so leben. Unsere Widerstandskräfte wären bei dauerhaft gleichen Verhältnissen gestört und gefährdet. Denken wir mal darüber nach.

Am 2. Februar ist Maria Lichtmess. Bekannt ist der alpenländische Spruch:“Wenn’s zur Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nicht mehr weit.“ Oder aber wie in Salzburg wird auch gesagt: “Sonnt der Dachs sich in der Lichtmeßwoch, bleibt er noch 4 Wochen in sei’m Loch.“ Ich kann mit beiden Versionen leben und freue mich jetzt im Winter auf den nächsten Frühling.

Ich wünsche allen einen schönen Monat Februar,

Euer Hillibaby

(eingestellt am 31.1.10)

Hillibaby's Januar-Glosse

Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.

Zum Jahresanfang zitiere ich hier in der Überschrift den Spruch von Erich Kästner, in dem das Wort „man“ vorkommt. Da habe ich bewußt gegen mein Prinzip seit Beginn des Glossenschreibens verstoßen, dieses Wort nicht zu benutzen. Den Spruch habe ich ja auch nicht verfaßt. Was bedeutet dieser Satz aber für mich?

Ich wollte mal auf das Fassen von guten Vorsätzen für das neue Jahr verzichten und die Behauptung als meine Überzeugung in den Raum stellen: Gutes geschieht nur, wenn ich selbst anfange, es zu tun oder es mir von anderen gefallen lasse. Dahinter steckt immer menschliches Handeln. Einerseits agiere ich und sehe, was ich getan habe. Andererseits erlebe ich das Ergebnis dessen, was mir widerfährt. Gutes geben und annehmen widerspricht sich nicht.

Wir hören oft nicht auf unsere innere Stimme oder das Bauchgefühl, unserem Gegenüber ein Wort der Anerkennung zukommen zu lassen. Es ist doch so einfach, mit kleinen Gesten das Miteinander zu fördern, ohne gleich „mit der Tür ins Haus zu fallen“. Sehr oft sind wir selbst blind für wohlgemeintes Verhalten unserer Mitmenschen, die uns ohne Hintergedanken gegenüber treten. Wenn wir immer nur auf diejenigen warten, die Gutes tun, wird diese Eigenschaft sehr schnell aussterben. Wir erleben ja tagtäglich, wie gut oder böse Menschen sein können.

So möchte ich Kästners weise Worte nur ein bißchen umschreiben und jedem meiner Leser ins Poesiealbum schreiben:

Es gibt nichts Gutes. Außer ich tue es oder lasse es mir antun

Einen besseren Jahresanfang kann ich mir für euch und mich nicht vorstellen. Deshalb möge das Gute mit uns sein.

Euer Hillibaby

(eingestellt am 1.1.10)

  • Hillibaby's Glossen 2009
  • Hillibaby's Glossen 2008

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