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Kaiserausstellung im Landesmuseum Mainz

Vom 9.9.20 – 18.4.21 wird im Landesmuseum Mainz die Mittelalter-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ gezeigt.

Ich hatte Termine für zwei Führungen im Oktober und November. Coronabedingt dürfen nicht mehr als 10 Personen an der Führung teilnehmen. Den ersten Termin hatten wir am 9. Oktober, den zweiten haben wir am 19. November.

Tobias Bast, Mitarbeiter des Landesmuseums, führte uns am 9. Oktober durch die Ausstellung. Deren große Resonanz bekamen wir zu spüren, denn wir mussten trotz festem Termin noch warten, bis wir in den ersten Ausstellungsraum gehen durften. Dieses ist der Pandemie geschuldet, die nur eine begrenzte Anzahl von Personen in einem Raum zulässt.

Im ersten Raum erklärte uns Tobias Bast, dass im frühen Mittelalter die Herrscher Reisekönige waren, die von einem Ort zum anderen zogen. Ausgestellt sind drei Sitzmöbel. Zum einen der Goslarer Thronsessel aus der Zeit der Salier (11 Jh.), der sich am Aachener Kaiserthron orientiert; einem schlichten Stuhl mit einem Kalkstein-Thronfragment aus karolingischer Zeit (8 Jh.), das Weinreben zeigt, und einem wackelig anmutenden „Klappstuhl“ aus versilberten Eisenstangen, der, aus einer römischen Villa stammend, vermutlich als Modell für einen frühmittelalterlichen Reisethron diente.

Die Ausstellung beleuchtet anhand einiger Kaiserpersönlichkeiten die unterschiedlichen Herrschaftsideen – von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa, von der Zeit der Karolinger, über die Ottonen, Salier bis zu den Staufern.

Im zweiten Raum ist Karl der Große der Mittelpunkt. Zahlreiche Exponate sind aus dieser Zeit zu sehen, so ein Münzschatz aus karolingischer Zeit, Schulhefte von Anfang des 9. Jh., ein Rechtsbuch, Briefe an Karl d.Gr., die althochdeutsche Benediktregel aus St. Gallen.
Wir sehen Reste des Sarkophags des Sohnes von Karl d.Gr., Ludwig des Frommen und den Sarkophag eines Enkels Karl d. Gr. aus dem Kloster Lorsch.

Eines der Prunkstücke in diesem Raum ist eine Bronzetür aus dem 1. Jh. Es wurde vermutet, dass es eine Tür aus römischer Zeit ist, aber die wissenschaftliche Analyse des Materials deutet darauf hin, dass sie erst in der Karolingerzeit gegossen wurde und aus dem Kloster St. Alban stammte. Dieses wurde unter Karl d. Gr. zu einem Zentrum des fränkischen Reichs; es fanden Synoden, Konzile und Reichstage statt. Im 16. Jh. wurde das Kloster zerstört; fast 300 Jahre später, 1845 wurde die Tür von Arbeitern gefunden, so erzählt es uns Tobias Bast. Die Arbeiter zerschlugen die Tür, um Stücke davon zu verkaufen. Einer der Flügel wurde gerettet und ist jetzt in der Ausstellung zu sehen.
Auf der Webseite des Landesmuseums zur Ausstellung habe ich einen kurzen Film aus der Sendung "Landesart" des SWR zu eben jener Tür gefunden. Klicke hier

Weitere bedeutende Exponate im zweiten Raum ist eine Goldmünze und das Ada-Evangeliar, eine karolingische Bilderhandschrift mit einem kunstvoll gestalteten Goldeinband, auf dem neben zahlreichen Edelsteinen auch ein Relief mit der Darstellung der Familie des Kaiser Konstantin zu sehen sind.
Bild: WikipediaCommons/Palauenc05
Weitere Infos über Wikipedia: Ada-Evangeliar
(der Link konnte nicht eingesetzt werden!)

Wir gehen eine Etage höher und gelangen in die Zeit um das Jahr 1000 zu den Ottonenund zu Kaiser Heinrich II., der sich in Mainz von seinen bayerischen und fränkischen Anhängern zum König wählen ließ und 1002 durch den Mainzer Erzbischof Willigis im Mainzer Dom gekrönt wurde.

Eine Nachbildung der Reichskroneaus Gold und Edelsteinen hat den Weg in die Mainzer Ausstellung gefunden.
Bild: Von (Gryffindor) CSvBibra - Eigenes Werk, Gemeinfrei, commons.wikimedia

Ausgestellt ist die Willigiskasel, ein prächtiger Umhang aus Seide, den wir bereits bei unserer Führung 2011 im Dommuseum bewundern konnten.
Ein Bild und die Beschreibung davon kannst Du hier sehen

Die Bischöfe sicherten den Machterhalt der Herrscher und spielten eine zentrale Rolle. Auch die
Frauen hatten während der Ottonen-Zeit eine große Macht, so Kaiserin Theophanu, die Frau Otto II. Ausgestellt ist die Heiratsurkunde und ein Gebetbuch Otto II, das mit Elfenbein verziert ist.

Nach der Ottonen-Zeit gelangen wir zu den Saliern und zu Heinrich III. Er war von 1039 bis zu seinem Tod 1056 König und seit 1046 Kaiser im römisch-deutschen Reich.

Er stellte sich über die Macht der Kirche und setzt Bischöfe und Päpste ab. Mit dem Gang nach Canossa, wo Heinrich IV. 1077 sich Papst Gregor VII. unterwirft, erreicht der sog. Investiturstreit seinen Höhepunkt. Als Gegenkönig wird Rudolf von Rheinfelden gewählt.
Von dessen Tochter Adelheid, Königin von Ungarn, ist das Adelheidkreuz ausgestellt. Es ist mit vergoldetem Silberblech überzogen und trägt an der Vorderseite Gemmen, Edelsteine und Perlen.

Weitere Exponate sind Bergkristalle aus einer Werkstatt, die beim Bau der U-Bahn in Köln nahe des Doms gefunden wurde. Sie stammten offenbar aus einer Goldschmiede und dienten sakralen Objekten.

Auch Grabbeigaben, so z.B. Reichsapfel, die Grabkrone von Kaiserin Gisela (siehe Bild), der Gemahlin Konrad II. und ein Ring, der Heinrich V. zuzuordnen ist, sind ausgestellt.

Unter den Saliern begann die Blütezeit der Städte und die Macht der Erzbischöfe. Zu sehen sind digitale Städte-Rekonstruktionen der SCHUM-Städte Mainz, Worms und Speyer.

Bedeutende Ausstellungsstücke finden sich in der Abteilung der Stauferzeit, mit dem bekanntesten, Kaiser Friedrich Barbarossa.

Aus dem Louvre wurde das Armreliquiar Karl des Großen ausgeliehen. Es wurde von Friedrich Barbarossa in Auftrag gegeben und enthielt den Armknochen von Karl dem Großen
zu sehen unter dem Link: akg-images.de/archive/-2UMEBMJD6J1W.html

Schön anzusehen ist der Cappenberger Barbarossakopf, eine Porträtbüste Kaiser Friedrichs I. Barbarossa aus vergoldeter Bronze.

Neuere Forschungen, so unser Führer Tobias Bast, besagen jedoch, dass nicht der Kopf Barbarossas dargestellt sein soll, sondern der Kopf des Apostel Johannes. Ursprünglich enthielt das Reliquiar vermutlich Reliquien des Evangelisten Johannes, des Patrons der Cappenberger Klosterkirche.


Wir sind am Ende des 12. Jh. angelangt. Die Städte werden größer und bedeutender, die Kaiser huldigen der höfischen Kultur und umgeben sich mit Ritter.

Davon zeugen die Ausstellungsstücke: Grabsteine mit Inschriften, Chroniken, u.a. die Weingartner Welfenchronik und schließlich der Codex Manesse.
Bis zum 25. Oktober ist er im Original zu bestaunen, danach noch als Faksimile.

Das Liederbuch ist weltberühmt und eine der kostbarsten Handschriften des Mittelalters. Es enthält fast 6000 Strophen von 140 Dichtern und ganzseitige, farbenprächtige Autorenbilder, welche die Dichter bei höfischen Aktivitäten zeigen. Jede Woche wird eine Seite umgeblättert.

Codex Manesse_wikipedia_gemeinfrei
Zwei Bilder aus dem Codex Manesse:
Walther von der Vogelweide und Heinrich V.

Nach einer Stunde betreten wir den letzten Raum, der abgedunkelt ist.

Hier stehen die großen Sandsteinreliefs der deutschen Kurfürsten aus der Zeit zwischen 1330 und 1340. Es sind die 7 Kurfürsten in der Aufstellung, wie sie seit 1356 in der Goldenen Bulle für Königskrönungen festgelegt wurden: vorne der Trierer Erzbischof, dahinter die weltlichen Kurfürsten, in der Mitte der künftige König zwischen den beiden wichtigen Erzbischöfen, dem Kölner zur Linken und dem Mainzer zu Rechten.

Nachbildung des Mainzer Kurfürstenzyklus - Bild: Wikipedia/Commons/Martin Bahmann


Die Reliefs befanden sich an dem im frühen 14. Jh. erbauten Kaufhaus am Brand. Sie schmückten das Kaufhausdach und wurden als Mainzer „Kurfürstenzyklus“ bekannt. Während der Belagerung der Franzosen 1793 wurde das Kaufhaus stark beschädigt und 1812/13 abgerissen. Die Reliefs wurden zum Glück geborgen und befinden sich heute im Landesmuseum Mainz.

Wer möchte, kann auch zum Mainzer Rheinufer zwischen Hilton-Hotel und Theodor-Heuss-Brücke gehen. Dort ist der gesamte Zyklus als Nachbildung mit farbig ausgemalten Wappen zu sehen (siehe Bild)

Ich habe eine interessante Seite zu dem Mainzer Kaufhaus gefunden – klicke hier

Zum Abschluss können wir noch ein weiteres Prunkstück der Ausstellung bewundern: Die Goldene Bulle, das kaiserliche Gesetzbuch, das seit 1356 die Königs- und Kaiserwahl regelt und die Rolle des Mainzer Erzbischofs auf Dauer festschrieb. Er ist der Leiter der Königswahl und hatte bis 1806 zum Ende des Heiligen Römischen Reiches diese Funktion.

Auch hierzu habe ich – außer in Wikipedia - zwei interessante Seiten gefunden – klicke hier
und zur herausragenden Stellung der Mainzer Erzbischöfe - klicke hier


Ein Besuch der großen Kaiserausstellung lohnt sich.

Für eine Gruppe bieten sich Führungen an; alleine kann man sich gut mit einem Audioguide behelfen. Es empfiehlt sich, ein Online-Ticket – mit Zeitfenster – zu buchen. Mehr – klicke hier

Die eingestellten Bilder sind entweder "gemeinfrei" bei Wikipedia;
bzw. ich habe den Fotografen, wie in Wikipedia angegeben, genannt.


(eingestellt am 11.10.20)

Autor: Feierabend-Mitglied

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