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Ausflug in den Freistaat Flaschenhals und zum Generalfeldmarschall Blücher

Am 30. August fuhren wir in den vor 100 Jahren gegründeten Freistaat Flaschenhals. Dieser Kleinstaat existierte tatsächlich, und zwar vom 10. Januar 1919 bis zum 25. Februar 1923. Es begann nach den Wirren des 1. Weltkrieges. Die Siegermächte richteten halbkreisförmige Brückenköpfe mit einem Radius von 30 km ein. Die Brückenköpfe, die von den Franzosen um Mainz und von den Amerikanern um Koblenz gezogen wurden, berührten sich zwar, aber statt sich zu überlappen, hinterließen sie einen freien Raum in Form eines Flaschenhalses. Dieses unbesetzte Gebiet wurde "Freistaat Flaschenhals" genannt.

Es umfaßte das Gebiet der Städte Kaub, Lorchhausen und Lorch am Rhein und reichte ins Hinterland bis zur Gemeinde Laufenselden.
8.000 Einwohner lebten im unbesetzten Gebiet. Die Versorgung war äußerst schwierig, da die Region von den Franzosen und Amerikanern weitgehend abgeriegelt wurde; Straßen- und Bahnverbindungen wurden lahmgelegt, es durfte kein Zug im Freistaat halten. Im "Flaschenhals" blühte notgedrungen der Schmuggel.

Die Verwaltung des Freistaats wurde vom Lorcher Bürgermeister Pnischeck organisiert, der kurzerhand ein Freistaatgeld einführte.

Wein aus dem besetzten Rheingau wurde nachts mit Fuhrwerken über Waldwege in den "Flaschenhals" geschmuggelt, um ihn vor dem Zugriff durch die Franzosen zu retten. Ein Güterzug mit Kohle, der auf dem Bahnhof in Rüdesheim abgestellt war, wurde von einem Lokführer aus dem Freistaat gekapert und nach Lorch gefahren, wo sie unter der Bevölkerung aufgeteilt wurde. Auch über den Rhein wurde geschmuggelt.

1923 wurde es den Franzosen zu bunt und sie besetzten den Freistaat Flaschenhals am 25. Februar.

Zum 75. Jahrestag gründeten engagierte Winzer in Kaub, Lorchhausen und Lorch zur Erinnerung an diese Zeit die Initiative Freistaat Flaschenhals und wählten Peter-Josef Bahles zu ihrem Präsidenten. Er erzählte uns beim Abschluss im Weinhaus Bahles die Geschichte des Freistaats und garnierte sie mit wunderbaren Anekdoten.

Mehr zum Freistaat Flaschenhals mit Videos und Radiobeiträgen - klicke hier

17 Mitglieder trafen sich bei schönstem Ausflugswetter am 30.8.2019 um 11 Uhr am Mainzer Bahnhof. Am Bahnsteig 1 in Wiesbaden warteten 1 Wiesbadener und 3 Frankfurter Mitglieder auf uns. Die Züge an diesem Tag waren allesamt pünktlich, sowohl bei der Hin- wie auch bei der Rückfahrt.

Auf dem Bahnsteig in Kaub fällt der Blick als erstes auf Pfalzgrafenstein, die ehemalige Zollburg mitten im Rhein, auf der Insel Falkenaue. Sie wurde in den Jahren 1326 - 1340 von Pfalzgraf Ludwig dem Bayer erbaut.

Bereits 1257 wurde in einer Urkunde erwähnt, dass die Herren von Falkenstein Rheinzoll als Einnahme erhoben. Auch in den folgenden Jahrhunderten war dies eine exzellente Einnahmequelle, die erst seit dem 1.1.1867 nicht mehr sprudelte.

Woher der Name "Kaub" stammt, ist nicht ganz eindeutig belegt. Möglicherweise stammt er aus dem keltischen Wort "cabi" - kleines Haus oder aus dem lateinischen Wort "cuba" - Bett, Lager, oder wird von "cupa" - Faßkufe hergeleitet.

Am 14. Juni 983 wird Kaub erstmals urkundlich erwähnt. Als Cuba villula bestätigt Kaiser Otto II. auf dem Reichstag in Verona dem Mainzer Erzbischof Willigis die Gebietsschenkung im Rheingau, die bis nach Kaub reicht.

Tatsächlich ist Kaub wesentlich älter. Bei Ausgrabungen wurde ein um 500 v. Chr. stammendes Gefäß von den Kelten gefunden, das als Grabbeigabe diente.

In der Nähe des Bahnhofs wurde 1933 ein aus Ton gefertigter Einhenkelkrug aus der Zeit von 250 n. Chr. gefunden.

In der Schule erzählte uns der Lehrer die Legende von St. Theonest, an die ich mich noch sehr genau erinnere:

Der Legende nach, soll Theonest als Bischof in Makedonien vertrieben worden, und als Missionar nach Mainz gekommen sein.

In Mainz wurde der heilige Theonest wegen seines Glaubens gesteinigt und weil man glaubte, er sei tot, warf man ihn in eine durchlöcherte Kufe (Bütte), die mit gärenden Trauben gefüllt war. Die Kufe wurde in den Rhein gestoßen.
Der Dunst des Mostes belebte und betäubte ihn, so daß er keine Schmerzen empfand und einen stärkenden Schluck nahm. Der Wein kühlte seine Wunden und heilte ihn zugleich. Er nahm sich vor, dort, wo die Kufe landen würde, Wein anzubauen.

In Kaub strandete er. Als Dank für seine Rettung verkündete er das Christentum und lehrte die Kauber, Wein anzubauen. Theonest nannte das Dorf nach seiner Kufe "Cuba". Die Kauber ließen sich taufen und verehrten statt des heidnischen Weingottes Bacchus den Weinheiligen Urban.

Der heilige Theonest wurde als Symbolfigur im späteren Stadtwappen und in den Stadtsiegeln verewigt.

Wir mußten in der Volksschule auch das Gedicht von Karl Simrock über St. Theonest auswendig lernen. Ich habe nachgesehen und zitiere es wie folgt:

St. Theonest

Ihr Männer Kaubs, warum vergeßt
ihr eures Heil'gen Theonest?
O säht ihr euer altes Siegel:
da treibt er auf des Rheines Spiegel
in jener Kufe sanft hinab,
die Kaub erst einen Namen gab.

In Mainz gemartert bis zum Tod,
besargt in lecker Kufe Boot,
so wiegen ihn die blauen Fluten
und wecken neue Lebensgluten:
Er fühlt sich heil, das Wasser dringt
nicht ein zu ihm, der Feuer bringt.

Der Salm umhüpft den selt'nen Kahn,
ihn lachen alle Hügel an,
der Rheingau grüßt mit freud'gem Rufe
den heil'gen Mann und seine Kufe,
aufjubelnd rauscht der Niederwald
im Nahetal jauchzt ihm jung und alt.

Nun schnellt er durch das Binger Loch,
der Rheinstein denkt: "O käm' er doch!"
"Gefiel es ihm, bei uns zu Hausen!"
erseufzen Lorch und Trechtlingshausen.
"Erwählt er unser warmes Tal!"
ruft Bacharach und Steeg zumal.

Ihr alle haltet ihn nicht fest,
bei Kaub erst landet Theonest:
Er pflanzte mit dem Christenglauben
in Kaub die ersten süßen Trauben;
in seiner Kufe preßt er sie:
Ihr Kauber, das vergeßt ihm nie.

Wann feiern wir St. Theonest?
In den Oktober fällt sein Fest,
wenn aus der Kufe Todesbanden
der junge Wein ist auferstanden.
Ja wenn ihr um die Kelter tanzt,
dann denket des, der ihn gepflanzt.

(Karl Simrock)


Wir gehen durch die Bahn- und die Zollstrasse.

Den Stadtrundgang durch Kaub habe ich bereits bei unserem ersten Ausflug in meine Heimatstadt im Jahr 2007 detailliert beschrieben. Dort kannst Du ihn nachlesen.

Klicke hier

Auch in den Jahren 2008 und 2012 war unser Ziel die kleine Stadt am Mittelrhein mit der großen Geschichte.

Den Bericht vom Oktober 2012 kannst Du hier noch einmal nachlesen

Lesens- und sehenswert ist auch der Bericht von 2008, als wir ca. 12 km auf dem Rheinsteig von Lorch nach Kaub wanderten - die, die dabei waren, schwärmen noch heute davon!
Klicke hier

Nunmehr, nach 7 Jahren, war es also an der Zeit, mit den Mitgliedern wieder nach Kaub zu fahren.
Da ich in den Berichten die Sehenswürdigkeiten bereits beschrieben habe, erzähle ich in diesem Bericht mehr über Geschichte und Legenden und erkläre die Bilder, die Günter/Moritz22 dankenswerterweise in großer Zahl gemacht hat.

Hier ist der "Dicke Turm" zu sehen, der auf dem früheren Grubengelände der Schiefergrube "Wilhelm Erbstollen" steht.

Bereits 1355 wurde der Schieferbergbau erstmals urkundlich erwähnt. In Kaub gab es viele Gruben. Sie hießen u.a. Viktoria, Ludwig, Rennseit, Ernestine, Herrenberg. 1972 wurde die letzte Schiefergrube, die "Wilhelm Erbstollen" geschlossen, da sich der Abbau des Schiefers, der überwiegend im Untertagebau gebrochen wurde, nicht mehr lohnte.

Auf dem Weg durch die Zollstraße erkläre ich, dass die meisten Häuser wegen der Hochwassergefahr hohe Treppen haben, die zu den Wohnungen führen. Darunter befinden sich Keller und Ställe, in den früher die Pferde der Treidler untergebracht waren. Bis gegen Ende des 19. Jh. wurden sie für die Treidelschiffahrt eingesetzt.

Die Häuser der Zollstraße 42 und 46 sind alte Amtshäuser der Kurpfalz. Sie sind auf die alte Stadtmauer gebaut. In der Stadtmauer über dem Eingang ist das Wappenschild des Pfalzgrafen bei Rhein zu sehen. Die lateinisch geschriebene Zahl lautet 1485. Das kleine rote Schild besagt, daß der Pfalzgraf die oberste Gerichtsbarkeit ausüben durfte (das ging bis zur Todesstrafe).

Neben dem Toreingang ist eine Steintafel zu sehen, die die Belagerung von Kaub im bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg 1503 - 1507 durch die Landgrafschaft Hessen im Jahr 1504 belegt.

Daneben ist der Text auf einer Tafel übersetzt.

Auch über die Belagerung von Kaub gibt es eine Legende von dem Elslein von Kaub, die mündlich von Generation zu Generation überliefert wurde. Jahrelang wurde die Geschichte auch als Schauspiel bei dem jährlich stattfindenden Winzerfest gespielt.

Aus meiner Erinnerung heraus hat sich folgendes zugetragen:

"Anfang des 16. Jh. war es, als sich die junge Kauberin Else Welzer, Tochter eines Geschützgießermeisters, in einen in der Werkstatt ihres Vaters beschäftigten Geschützgießergesellen, der Henne Schwarz hieß, verliebte. Der Vater mißbilligte diese Liebschaft und warf sie aus dem Haus.

Else erhielt von ihrem Jugendfreund Franz von Sickingen Schutz und Heimat. Von der Sauerburg aus zog Else mit Sickingen zur Ebernburg, die im Nahetal liegt.

Auch der Geselle Henne Schwarz zog es in die Welt hinaus und nach etlichen Lehr- und Wanderjahren kam er als Geschützgießermeister zurück nach Kaub. Genau zu dem Zeitpunkt, als 1504 die Hessen Kaub belagerten. Henne Schwarz half dem Meister Welzer und versöhnte so den alten Meister.

Als Else hörte, daß ihr Geliebter wieder in Kaub war, machte sie sich von der Ebernburg auf den Weg zurück nach Kaub. In Bacharach traf sie auf kurpfälzische Truppen, die Kaub vor der Belagerung retten sollten. Sie mußten mit Nachen über den Rhein gebracht werden. Da sie aber nicht den richtigen Weg vorbei an den Klippen kannten, verkleidete sich Else Welzer als Landsknecht und führte die Truppen bei Nacht über den Rhein.

In Kaub begab sie sich noch in ihrer Verkleidung als Landsknecht zu den Geschützen der Verteidiger. Dort wurde sie von einem Splitter am Kopf getroffen. Beim Abnehmen ihrer Sturmhaube erkannte man, daß sie ein Mädchen, und gar die Else Welzer war.

Sie traf ihren Henne Schwarz wieder und beide bekamen den Segen des alten Geschützgießermeisters und wurden ein glückliches Paar."

Da Else zur Rettung der Stadt beigetragen hatte, hieß sie fortan "Elslein von Kaub". Zum Andenken an Else wählte die Stadt Kaub jedes Jahr zum Winzerfest ein neues Elslein. Leider gibt es diese schöne Tradition offenbar nicht mehr.

Der Komponist Carl Schultes hat dem Elslein von Kaub ein Lied gewidmet, das der Männergesangverein beim Winzerfest und anderen Gelegenheiten immer vortrug.

"Es liegt ein Städtlein an dem Rhein
ist keines sonst ihm gleich;
darinnen wohnt die Liebste mein
die Schönst´ im ganzen Reich.
Elslein, ach Elslein, du Rose im Laub
dich lieb´ ich ewig, mein Elslein von Caub!

Was nützet Reichtum und Gesind
was aller Ahnen Zahl?
Ist kalt das Herz, für Liebe blind
ade dann, Welt, zumal!
Elslein, ach Elslein, dem Treuschwure glaub
“Du bist mir alles, mein Elslein von Caub!”

Lass fahren allen Erdentand
bleibt dir die Lieb’ allein!
Sie führet an der treuen Hand
zur Seeligkeit dich ein.
Elslein, ach Elslein, bis einst ich bin Staub
bleib’ ich dein eigen, mein Elslein von Caub!
"

Es existiert sogar eine alte Aufnahme des bekannten Rudolf Schock (1915-1986), die Du hier hören kannst


Durch den Torbogen unter dem Mainzer Torturm gehen wir in die Metzgergasse. In meiner Kinder- und Jugendzeit war es "die" Einkaufsstraße des Ortes. Ein Geschäft und eine Kneipe reihte sich an die andere. Es gab vier oder fünf Metzgereien. Heute liegt die kleine Gasse im Dauerschlaf und wirkt trotzdem immer noch romantisch auf denjenigen, der mit offenen Augen durch sie hindurch geht.

Wir kommen am Blüchermuseum vorbei, in das wir später zu einer Führung hinein gehen wollen.
Ich mache die Mitglieder auf einige Besonderheiten in der Metzgergasse aufmerksam und erzähle ihnen, welche Geschäfte es hier in meiner Kindheit außer den Metzgern und Lokalen gab:

Das Café Manthe, das Elektrogeschäft Leblang, das Schreibwarengeschäft Mayer (heute ist dort ein Antiquitäten- und Waffengeschäft), das Modehaus Löhnert, das Milchgeschäft Lang, ein Obst- und Gemüseladen, eine Drogerie, ein Fotogeschäft, das Rathaus, einen Blumenladen, einen Elektriker, ein Fischhaus, in dem der fangfrische Fisch angeboten wurde, sehr zu meinem Leidwesen, denn freitags gab es immer den gleichen Backfisch, den ich wegen der vielen Gräten absolut nicht mochte. In einem großen Bassin, das von außen im Schaufenster sichtbar war, schwammen Aale, die noch am Tag zuvor im Rhein gelebt haben.

Ich habe einen kleinen Film im SWR über die Metzgergasse gefunden, den Du hier sehen kannst

Heute gibt es lediglich noch einen kleinen Supermarkt, eine Schneiderei, ein Antiquitäten- und Waffengeschäft und ein Eiscafé.

Am Ende der Metzgergasse vor der evangelischen Kirche führt eine Treppe auf den Kirchplatz. Bis Ende des 18. Jh. war dort der Friedhof. Auf dem Kirchplatz befand sich bis Anfang des 20. Jh. das evangelische Pfarramt, das ein neues Domizil in der Schulstraße bekam. Das Haus wurde dann als Kindergarten und Schwesternwohnheim genutzt. Als Kinder haben wir oft auf dem Kirchplatz Murmel - wir nannten sie Klicker - gespielt. Am Ende des Platzes befand sich neben unserem Kindergarten auch ein kleiner Spielplatz mit einem Sandkasten.

Ab Mitte der 60er Jahre - nachdem ein neuer Kindergarten in der Schulstraße gebaut worden war - wurde der Platz neu gestaltet. Fortan fand hier das Winzerfest und andere Festlichkeiten statt. Bis in die heute Zeit wird der Platz auch für die Kauber Theatertage genutzt.

Wir kommen auf den Marktplatz mit dem Marktbrunnen und der dahinter befindlichen Apotheke aus dem Jahr 1853. Der Brunnen ist aus Sandstein. An der Brunnensäule sind vier Masken zu erkennen, die Männergesichter darstellen, mit Schwanenhälsen, die Wasser in den Brunnen speien.

Auf dem Brunnen thront der nassauische Löwe, der ein Schild zwischen seinen Pranken hält. Dem Schild ist zu entnehmen: "im XII. Jahre der glorreichen Regierung Wilhelm, Souverainen Herzogs zu Nassau, wurde dieser Hauptbrunnen nebst V Nebenbrunnen errichtet, der Bach überwölbt und ein neues Straßenpflaster gelegt 1828."

Früher floß der Holzbach, von Weisel kommend, oberirdisch in Kaub in den Rhein. Später wurde der Holzbach in Blücherbach umbenannt, weil Blüchers Truppen von Weisel kommend durch das Tal nach Kaub gingen. Im 19. Jahrhundert wurde der - oder wie die Kauber sagten - die Blücherbach mit Häuser überbaut. In den felsigen Kellern der Häuser konnten wir "die Bach" teilweise noch rauschen hören.

Ich erzählte von den 3 Busunglücken, die sich in Kaub zutrugen und deren Bilder man in der Apotheke sehen konnte oder noch immer kann. Dreimal versagten bei Bussen die Bremsen auf der steilen Straße des "Kauber Stichs" von Weisel nach Kaub. Sie rasten durch die Blücherstraße abwärts in die Apotheke. Das erste Unglück ereignete sich 1938, das zweite 1953. Davon hat mir mein älterer Bruder erzählt. Das Vorderteil des Busses steckte in der Apotheke, das Heck stand noch auf dem Marktplatz. Bei diesem Unglück - es war ein Touristenbus - gab es zahlreiche Verletzte.

Das dritte Unglück bekam ich von meiner Mutter am Telefon erzählt. Der Brunnen hatte den Bus gestoppt und wurde erheblich beschädigt. Der Löwe auf dem Brunnen flog bis zur Apotheke und saß danach unversehrt im Schaufenster.

Nach dem ersten Teil des Stadtbummels stärkten wir uns im Hotel "Deutsches Haus", wo wir reservierte Plätze auf der Terrasse hatten. Im Schatten der Häuser ließ es sich angenehm pausieren und das gute Essen und der Kauber Wein mundete allen.

Derart gestärkt ging es zurück über den Marktplatz in die Evangelische und danach in die Katholische Kirche.

Die Kirchen in Kaub stellen eine Besonderheit dar. Es ist eine sog. Simultankirche, d.h. die Ev. Trinitatis-Kirche bildet mit der Kath. St.Nikolaus-Kirche eine Einheit.

Die katholische Kirche habe ich bei unserem Rundgang 2012 näher beschrieben und darf darauf verweisen. Ich beschränke mich daher heute mehr auf die evangelische Kirche. Ab 1705 wurde die Kirche getrennt. Die katholische Gemeinde erhielt den Chor, die evangelische das Langschiff.

Im Kirchenraum befinden sich zahlreiche Epithaphe.
Unter der Kanzel ist eine Gedenktafel angebracht, die an die Vereidigung der Kauber Schiffer bei Blüchers Rheinübergang erinnert. Der Text lautet:
"In der Neujahrsnacht 1813/14 wurden hier für Feldmarschall von Blücher und sein Befreiungswerk die Cauber Schiffer in Eid und Pflicht genommen - 31.12.1913."

Von der Empore aus, auf der ich sonntags mit meinem Vater dem Gottesdienst unseres langjährigen Pfarrers Siuts, einem sprachgewaltigen Pastor, lauschte, gelangt man auf die Stadtmauer.

Nach dem Besuch der Ev. Kirche gehen wir auch noch in die Kath. Kirche.

Auf dem Marktplatz vor den Kirchen wurde zur Erinnerung an den Krieg 1870/71 das Kriegerdenkmal errichtet. Davor stehen zwei Kanonen, die von Kaiser Wilhelm II. den Kaubern 1907 geschenkt wurden. Sie waren Beutestücke der französischen Armee.

Vom Marktplatz aus führt die Blücherstraße in Richtung Weisel. Wir wenden uns aber dem Rhein zu und gehen die Treppe hoch zum Wehrgang "Auf der Mauer".

Die Stadtmauer, so sagt ein Schild aus, wurde bereits 1275 erwähnt. Sie führt von der evang. Kirche bis zum Mainzer Torturm.

Am Ende der Stadtmauer über der zur Empore führenden Tür der ev. Kirche befindet sich eine alte Sonnenuhr, die genau die Mittagszeit um 12 Uhr anzeigt. Sie stammt vermutlich aus dem Mittelalter.

Teilweise stehen die kleinen Häuser auf dem Oberboden des darunter stehenden Hauses.

Auf dem Weg über die Mauer sind noch einige kunstvoll gestaltete Haustüren im Originalzustand zu sehen. Der Blick geht auf den Rhein und die Pfalz. Unterhalb der Mauer befinden sich Gärten und Garagen, auf denen die Bewohner der Häuser auf der Mauer kleine Terrassen errichtet haben.

Wenn bei Hochwasser die Metzgergasse überflutet war, diente der Weg auch als Hochwasserweg, so daß wir trockenen Fusses von der Schule nach Hause gehen konnten.

Am Mainzer Torturm und dem "Hotel zum Turm" endet der Wehrgang und wir gehen die Treppe hinunter wieder in die Metzgergasse.

Um 15 Uhr hatte ich mit Ingrid Leonhard eine Führung im Blüchermuseum vereinbart.

Während Blüchers Rheinübergang diente das 1780 errichtete frühere Gasthaus "Zur Stadt Mannheim" als Hauptquartier des Generalfeldmarschalls von Blücher. Davon zeugt eine Tafel, die über dem Torbogeneingang angebracht ist.

Das Blüchermuseum wurde in den vergangenen Jahren umfangreich renoviert. Wenn man die Räume betritt, glaubt man sich in die Zeit der Jahreswende 1813/14 zurückversetzt, als der Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742 - 1819) mit etwa 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 182 Kanonen den Rhein in Kaub üerquerten und so zur Befreiung Europas vor Napoleon beitrugen.

Die Räume, in denen Blücher einige Tage wohnte, sind praktisch unverändert. Das Museum wurde umfangreich renoviert. Handbemalte Leinwand- und Papiertapeten erstrahlen im neuen Glanz, die Räumlichkeiten sind im Original erhalten. Ein alter Flügel aus dem Jahr 1790, ein Klavier von 1786, Original-erhaltene Sessel, Türen aus Nußbaum mit schönen Messingbeschlägen, Kachelöfen kunstvolle Kronleuchter, Geschirr und Gläser aus dem früheren Gasthaus, persönliche Gegenstände Blüchers sind zu sehen.

Mehr vom Museum, z.B. auch einen virtuellen Rundgang kannst Du hier sehen

In den Vitrinen ist das berühmte "Berliner Eisen" zu sehen ("Gold gab ich für Eisen"), auch die Büsten des preußischen Königspaares, Friedrich Wilhelm III und Königin Luise zieren die Räumlichkeit, ebenso persönliche Dinge Blüchers: seine Tabaksdose, ein Handschuh, Schreibmappe, ein paar seiner Briefe, die Kriegskasse.

Ingrid Leonhard erzählt anschaulich und kompetent von dieser Zeit, der Bedeutung Blüchers für Europa und des Rheinübergangs und wir fühlen uns in die Tage der Jahreswende 1813/14 zurück versetzt.

Am 12. September 2019 wurde in Kaub des 200. Todestages Blüchers gedacht.

Besonders das große Diorama aus Zinnfiguren, das Blüchers Rheinübergang nachstellt, ist interessant. Aber auch die gezeigten Waffen der damaligen Zeit, altpreußische Jägerbüchsen, Lanzen, Artilleriegerät, Messer und Säbel. Sehenswert auch die Uniformen der Soldaten der preußischen Armee und der Kosaken.

Zum Schluß können wir uns in einem Raum auf einer großen Leinwand den Rheinübergang virtuell ansehen.

Danach gehen wir zum Rheinufer an das Blücherdenkmal.

Es wurde von dem Bildhauer Schaper aus Berlin geschaffen und 1894 eingeweiht, zur Erinnerung an den Rheinübergang des Generalfeldmarschalls Fürst Blücher mit der Schlesischen Armee in der Neujahrsnacht 1813/14.

Den Tag beschließen wir in der Weinstube Bahles, wo uns Peter-Josef Bahles anschaulich von dem eingangs berichteten Freistaat Flaschenhals erzählt.

Unter großen Sonnenschirmen mit Blick auf die Pfalz genießen wir einen guten Kauber Wein und lassen uns die Wildschweinsülze mit Bratkartoffel und andere Köstlichkeiten schmecken.

Die Zeit vergeht im Nu und selbst die vorbeirauschenden Güterzüge trüben nicht die gute Stimmung.

Kurz nach halb acht bringt uns der Zug zurück nach Mainz. Es war wieder ein schöner Tag in der alten Heimat.

Die Bilder des Tages von Ute/Gartenhaeuschen (Gruppenfoto), Monika/Blumengruss (2x Pfalz) und Günther/Moritz22 (alle übrigen Fotos) habe ich in einem Album festgehalten.
Hier kannst Du sie sehen


(Bericht eingestellt am 9.9.19)

Autor: Feierabend-Mitglied

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