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"Wenn du reisen willst, musst du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben" (Fontane)

Auf den Spuren von Fontane


2019 jährt sich der Geburtstag des großen Dichters Heinrich Theodor Fontane zum 200. Mal. Mit „fontane.200“ würdigt Brandenburg einen herausragenden Schriftsteller, der ein umfangreiches Werk geschaffen hat, darunter die Romane "Effi Briest", "Der Stechlin", "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und mehr als 250 Balladen und Gedichte, wie "Birnen von Ribbeck" und "John Maynard".

Vom 15. – 18. April 2019 wandelten und wanderten wir auf seinen Spuren in Schloß Rheinsberg, Neuruppin und Templin.

Wir – das waren 25 Mitglieder und Gäste der Regionalgruppen Mainz und Frankfurt-City, die bereits zum dritten Mal mit unserem Mitglied alfredo6969 von Trendreisen-24 eine 4-tägige Reise unternahmen.

Die Fahrt führte uns 80 km nördlich von Berlin in die Uckermark nach Templin. Am Ufer des Lübbesees steht das laut Prospekt größte Familien-, Sport- und Tagungshotel Brandenburgs, das Ahorn Seehotel Templin.


Erster Tag – Montag, 15.4.19

Es verspricht ein wunderbar sonniger Tag zu werden. Um 5.40 Uhr ist auch schon unser Bus des Unternehmens Hochfellner-Touristik aus Limburg am Mühldreieck in Mainz, am Lenkrad der Chef, Kurt-Jürgen Hochfellner, persönlich. Den Tipp für das Busunternehmen bekam ich vom Botschafter der Gruppen Westerwald und Frankfurt-City Hans-Rüdiger/Lahnelster.

Sechs Mitreisende sind pünktlich auf dem Parkplatz, so dass wir bereits kurze Zeit später am Mainzer Hauptbahnhof die größte Gruppe von 10 Personen aufnehmen können. Weiter geht es nach Wiesbaden, wo drei Damen zusteigen. Auch auf der A 66 läuft es gut und so sind wir um 7.30 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof und nehmen 5 Mitglieder der Frankfurter Gruppe mit an Bord. Eine Dame aus Berlin komplettiert unsere 25er Mannschaft in Templin.

Etwa 630 km Fahrt liegen vor uns. Zügig geht es über die A 5 nach Norden. Um 8.45 Uhr passieren wir Alsfeld und kurz vor 9 Uhr haben wir beim Rasthof Rimberg die erste 30minütige Pause. Herr Hochfellner hat Kaffee gekocht und wir verzehren unseren mitgenommenen Proviant.


Ab Herleshausen auf der A 4 unterhält uns Renate / Schmiermaxe immer dann, wenn wir geschichtsträchtige Orte passieren, mit viel Wissenswertem und interessanten Informationen über Eisenach, Gotha, Weimar, Jena und Bad Köstritz. Ein Dankeschön an Renate für diese umfangreichen Vorarbeiten, mit denen Du uns die Fahrt unterhaltsam und lehrreich gemacht hast.

Gegen 11.40 Uhr verlassen wir die A 4 nach Jena und fahren weiter auf der A 9, die befahrener ist.

Die Zeit bis zur Mittagspause gegen 12 Uhr in Naumburg beim Rasthof Osterfeld – der Name passt doch zu den bevorstehenden Osterfeiertagen – vergeht dadurch wie im Flug.

Um 13 Uhr fahren wir weiter mit frisch gekochtem Kaffee, und unsere gute Perle Nina/nina364 serviert dazu die von Renate und Rose gebackenen Eierlikör- und Nusskuchen.

Dazu hören wir von Renate etwas über Nebra, Leipzig, Halle, Dessau, Oranienburg, der Lutherstadt Wittenberg und Treuenbrietzen.
Treuenbrietzen – nie gehört! Aber das Lied, in dem der Name des Ortes vorkommt, kennt wohl jeder und wir stimmen es im Bus lauthals an. „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ erzählt die Geschichte einer Dienstmagd, die „gar hold und tugendhaft“ ist, bis sie sich mit einem jungen Schuster einlässt, der „aus Treuenbrietzen“ kommt. Und so nennt sich heute die kleine Stadt, die am Nordrand des Flämings liegt, „Sabinchenstadt“.

Unvergessen: Claire Waldorff mit dem Lied auf Sabinchen

Weiter geht es über den Berliner Ring und wir hören Interessantes aus Beelitz, dem Kloster Lehnin in Werder an der Havel, Potsdam, Dalgow-Döberitz und Oranienburg.

In Oranienburg biegt unser Bus von der Autobahn ab und über die Landstraße führt der Weg durch zauberhafte, teilweise blühende Alleen die letzten 50 km nach Templin.

Um 17.30 Uhr sind wir vor dem Hotel und unser Mitglied Alberto/alfredo6969 von Trendreisen-24 erwartet uns.

Die Schlüsselübergabe erfolgt zügig, die zahlreichen großen Fahrstühle bringen uns und unser Gepäck auf die Zimmer. Die meisten von uns sind im 4. oder 5. Stock untergebracht.

In der 3. Etage befindet sich das Restaurant „Brandenburg“ (es gibt mehrere Restaurants in dem großen Hotel); dort bekommen wir erste Informationen von Alberto über den Ablauf der kommenden Tage.

Ab 18 Uhr können wir uns am reichhaltigen Buffet bedienen. Da wir reservierte Tische haben, müssen wir auch nicht lange nach freien Plätzen suchen. Perfekt !

Nach dem Essen haben wir genügend Zeit, um die Koffer auszupacken und uns etwas von der Fahrt zu erholen.

Um 20 Uhr beginnt die Lesung mit dem Historiker Günter Rieger, der uns viel Wissenswertes und Interessantes zu Theodor Fontane erzählen kann. Vorher lernen wir auch unseren Reiseleiter für die kommenden zwei Tage, Herrn Knut Metzke, kennen.

Zweiter Tag – Dienstag, 16.4.19

Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet starten wir um 9 Uhr in den Tag. Knut Metzke begrüßt uns im Bus mit einem Gedicht Fontanes aus dem Büchlein „Guter Rat“ – Poetische Kostbarkeiten: Wandern

Er ist seit 27 Jahren Reiseleiter und bietet 35 verschiedene Führungen in unterschiedlichen Städten an.

Zuerst erzählt er uns etwas über unser Hotel, das „Ahorn-Waldhotel“. Es liegt 2 ½ km von Templin entfernt am Lübbesee, wurde in den Jahren 1979 – 84 gebaut und als FDGB-Heim genutzt. Heute hat es noch 409 Zimmer. Zu DDR-Zeiten waren es über 1.000 Zimmer.

Der Lübbesee ist 11 km lang. Im Umkreis von Templin gibt es 180 Seen.

Templin ist flächenmäßig so groß wie Dresden und hat ca. 16.000 Ew.

Fontane schrieb über das Land „Weite Flächen, Hügelzüge am Horizont, ein See, verstreute Ackerfelder, hier ein Stückchen Sumpfland, durch das sich Erlbüsche, und dort ein Stückchen Sandland, durch das sich Kiefern ziehen“.

Beeindruckend die Alleen. Insgesamt, so Knut Metzke, gibt es in Brandenburg 8.000 km Baumalleenstraßen, die hauptsächlich mit Linden und Kastanien, seltener auch mit Rubinien (Akazien) bepflanzt sind.

Sie dienten in früheren Zeiten den Soldaten als Orientierungshilfe und Schutz vor den Feinden und der Sonne. Alle Alleen gingen in Richtung Osten, denn – so unser Reiseleiter – die Kriegsherren wollten immer schon nach Russland.

Hinter den Alleen fällt die Kargheit der Landschaft auf. Es wird Obst und Gemüse und Getreide angebaut. Per Gesetz von 1756 ließ Friedrich der Große Kartoffeln anbauen und kontrollierte jährlich, ob sich die anfangs widerspenstigen Bauern auch an das Gesetz halten.

Im Laufe der Jahrhunderte siedelten hier Slawen, Schlesier, Westfalen, Schwaben, Böhmen, Hugenotten und Holländer, die Friedrich II. anwarb, um die Sümpfe trockenzulegen und Ackerflächen zu schaffen.

Die Landschaft wechselt – wir fahren durch ein riesiges Waldgebiet, die Schorfheide. Sie wurde vor allem durch die letzte Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren geschaffen. Knut Metzke erzählt, dass das Gebiet ca. 50.000 ha Wald umfasst und seit 1991 Teil des UNESCO-geschützten Biosphärenreservat ist. Schorfheide-Chorin ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands und steht an 3. Stelle nach der Serengeti und dem Yellowstone-Nationalpark. Viele bedrohte Tierarten haben hier ihren Lebensraum gefunden.

Wir sehen Kraniche und Störche, der im hiesigen Dialekt „Pattengreifer“ genannt wird (Patten = Frosch).
Wegen des großen Wildbestandes war die Schorfheide schon in der Kaiserzeit ein attraktives Jagdgebiet. In der Zeit des Nationalsozialismus hatte Reichsmarschall Hermann Göring in der Schorfheide einen Landsitz. Während der DDR-Zeit dienten große Teile des Gebietes Erich Honecker und anderen seiner Funktionären als Jagdrevier.

Beim kleinen Ort Vogelsang befand sich in Zeiten des kalten Krieges eine der größten Garnisonen außerhalb der Sowjetunion. Bis 1994 waren hier zehntausende sowjetische Soldaten stationiert. Das Gelände war abgeriegelt und – so Knut Metzke – es durfte nur das „Scheuerlappengeschwader“ dort hinein.

Unser Reiseleiter, der sich nach dem Abzug der Sowjets auf dem Gelände umsehen konnte, berichtet, dass in 16 unterirdischen Bunkern Nuklearwaffen untergebracht waren. Die Atomsprengköpfe lagerten in Holzschuppen mit Vorhängeschloß.
Mehr dazu kannst Du hier lesen

Außerdem, so Knut Metzke, befand sich in der Schorfheide auch ein großer Flugplatz, der Flugplatz Templin/Groß-Dölln. Zur Zeit seiner militärischen Nutzung von 1955 bis 1994 durch die sowjetischen Luftstreitkräfte war Templin der größte Militärflugplatz auf dem Gebiet der DDR.
Mehr ist bei Wikipedia darüber zu erfahren.
Klicke hier


Wir überqueren die Havel. Unser erstes Ziel an diesem Vormittag ist Rheinsberg, besser gesagt, Schloss Rheinsberg.

Friedrich Wilhelm I. kaufte das Schloss 1734 für seinen Sohn Friedrich des Großen nach seiner Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. In den Jahren 1736 – 1740 wurde das Schloss erweitert und die Räumlichkeiten im Stil des frühen Rokoko gestaltet. Es diente Friedrich d. Gr. als Vorbild für Schloss Sanssouci.

In den Jahren 1736 bis 1740 ließ der Kronprinz in Rheinsberg einen Musenhof entstehen, an dem er sich fernab von Berlin seinen philosophischen, literarischen und musischen Interessen widmen konnte. Es wird gesagt, daß Friedrich auf Schloss Rheinsberg seine glücklichsten Tage als Kronprinz hatte. Nach dem Tod des Vaters 1740 und der Thronbesteigung übernahm Friedrichs jüngerer Bruder Prinz Heinrich von Preußen Schloss Rheinsberg.

Auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg kam auch Theodor Fontane nach Rheinsberg und berichtete in seinen Erzählungen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über den Rheinsberger Hof und die beiden preußischen Prinzen Friedrich und Heinrich.

Um das Schloss zu besichtigen, bleibt leider keine Zeit. Aber wir gehen ein gutes Stück durch die weitläufige Parkanlage.

Am Seeufer des Grienericksee hat man den schönsten Blick auf das Schloss. Weitläufige Rasenflächen, Statuen, herrliche Blumenarrangements und Hecken säumen die Wege.

Im Park ließ sich Prinz Heinrich noch zu Lebzeiten eine Grabstätte in Form einer abgebrochenen Pyramide errichten, in der er nach seinem Tod 1802 beigesetzt wurde. Die französische Inschrift auf der zugemauerten Eingangspforte verfasste Heinrich selbst. Mehr dazu ist hier zu lesen


Kurz nach 11 Uhr fahren wir weiter nach Neuruppin, dem Zentrum der Region „Ruppiner Schweiz“.

Wir parken in der Nähe des Ruppiner Sees und spazieren an der Uferpromenade entlang zum Zentrum. Direkt an der Promenade in Sichtweite der Klosterkirche St. Trinitatis steht die 17 Meter hohe Edelstahlfigur "Parzival".

Wir gehen weiter zur Klosterkirche St. Trinitatis, die wir auf dem Rückweg besuchen. Mit ihren Doppeltürmen ist sie das Wahrzeichen der Stadt.

Unser Weg führt in die Stadt, dessen mittelalterliches Erscheinungsbild 1787 bei einem verheerenden Brand verloren ging und nahezu alle Häuser vernichtet wurden. Die Stadt wurde vollständig neu im frühklassizistischen Stil geplant und aufgebaut. Es entstand ein rechtwinkliges Netz von langen, breiten Straßen und großen Plätzen.

Eines der ältesten Bauwerke Neuruppins ist die Siechenhauskapelle Sankt Lazarus. Sie wurde 1491 erbaut und überstand den Brand von 1787.

Auf dem Marktplatz steht die imposante Pfarrkirche St. Marien. Heute wird die Kirche als Kultur- und Kongresszentrum genutzt. Auf dem Platz hinter der Pfarrkirche steht das Denkmal für Karl Friedrich Schinkel, dem großen preußischen Baumeister, Architekt und Stadtplaner. Er wurde 1781 in Neuruppin geboren. Sein Elternhaus stand wohl bis zu dem großen Stadtbrand von 1787 auf diesem Platz. Die Bronzestatue zeigt den Baumeister mit einer Zeichnung des Berliner Schauspielhauses in der Hand.

Wir gehen weiter zur Karl-Marx-Straße 84 und stehen vor der Löwen-Apotheke, dem Geburtshaus von Theodor Fontane. In den Schaufenstern deutet einiges auf das Jubiläum in diesem Jahr hin.

Die 30-minütige Pause nutzen einige für einen Bummel über den Wochenmarkt, der auf dem Marktplatz aufgebaut ist, oder für ein Eis in der kleinen Eisdiele gegenüber der Löwen-Apotheke. Ich bin neugierig, betrete die Apotheke, um einen Kräutertee „Theos Teezeit“ zu erwerben und bekomme als Zugabe noch ein hübsches Pflastermäppchen mit dem Bild der Apotheke als Erinnerungsstück.

Nach der Pause schlendern wir am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium vorbei, in dem Fontane 1832 bis 1833 die Quarta (7. Klasse) besuchte.

Neben dem Museum betreten wir den Tempelgarten. Kronprinz Friedrich II., der als 20jähriger im Jahr 1732 von seinem Vater in Neuruppin als Regimentskommandeur zum Militär geschickt wurde, ließ sich nahe der Stadtmauer an den alten Wallanlagen einen kleinen barocken Garten anlegen, der ihm nicht nur als Nutzgarten diente, sondern auch als Garten und Treffpunkt für musische und künstlerische Darbietungen gedacht war.

Er benannte ihn nach der griechischen Nymphe „Amalthea“ (Ihr abgebrochenes Horn als Inbegriff für reichen Überfluss ist auch als „Füllhorn“ bekannt).
Im Zentrum des Gartens steht der Apollo-Tempel, der 1735 errichtet wurde. Nach der Wende wurde der Garten liebevoll restauriert, ein Café errichtet und neue Blumenrabatte angelegt.

Die Zeit drängt; wir haben ja noch einiges an diesem Tag vor uns. Nach einem kurzen Besuch in der Klosterkirche St. Trinitatis eilen wir zum Bus und fahren weiter durch das Havelland in den kleinen Ort Ribbeck.


Zur Geschichte des Ortes ist bei Wikipedia folgendes nachzulesen:

„Das Dorf Ribbeck wurde 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erstmals urkundlich im Zusammenhang mit der Familie von Ribbeck und ihren Rittergütern benannt. Bereits am 4. August 1237 wurde Henricus de Ritbeke bei der Bestätigung einer Schenkung des Bischofs Gernand durch das Domkapitel zu Brandenburg an der Havel erwähnt. 1282 wurde Johann von Ribbeck urkundlich erwähnt. Im Jahre 1354 wurden die von Bredow für eine Generation Lehnsherren in Ribbeck. Bereits 1374 wurden die von Ribbeck wieder mit dem Dorf belehnt und waren bis 1945 die Besitzer des Gutes. Neben dem Ribbeckschen Gut gab es zwischen 1706 und 1828 noch ein weiteres Gut in Ribbeck, das Gut der Familie von Bardeleben. 1856 wurde das Dorf bis auf das Gutshaus, die Kirche und zwei Gehöfte Opfer eines Feuers.“

....und weiter:

„Bekannt wurde Ribbeck vor allem durch das Gedicht Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane, welches an Hans Georg von Ribbeck (1689–1759) erinnert. Der im Gedicht beschriebene Birnbaum auf dem Ribbeckschen Grab wurde bei einem Sturm am 20. Februar 1911 umgeworfen. Sein Originalstumpf befindet sich heute in der Dorfkirche. Südwestlich der Dorfkirche wurde im Jahr 2000 ein neuer Birnbaum gepflanzt.“

Unter diesem blühenden Birnbaum stehen wir nun.

Ein weiterer Höhepunkt wartet in dem kleinen Café der Alten Schule.

Wir bekommen ein Stück Birnen-Streuselkuchen serviert und eine gute Tasse Kaffee. Danach können wir uns im liebevoll eingerichteten historischen Klassenzimmer der 1841 vom damaligen Herrn von Ribbeck gebauten Schule umschauen und staunen.

Ein paar Schritte weiter in der Alten Brennerei, die heute einem Nachfahren der Ribbecks, Friedrich-Carl von Ribbeck und seiner Frau Ute gehört, können wir Produkte aus Birnen verkosten: Birnenbrand, Birnenlikör und Birnenbalsam und im Shop erwerben.

Schließlich gehen wir noch in die kleine Kirche.
Dort sehen wir ihn, den Stumpf des Original-Birnbaum-Stammes, der 1911 einem Sturm zum Opfer fiel.

Es gab ihn wirklich, den berühmten Birnbaum, der nahe der Kirche über der Gruft der Familie von Ribbeck stand.

In den 70er Jahren ist zu DDR-Zeiten ein neuer Birnbaum gepflanzt worden. Da dieser jedoch nicht den erwünschten Ertrag brachte, wurde 2000 ein neuer Baum gepflanzt.

Gegen 17.30 Uhr fahren wir wieder zurück nach Templin. Die Fahrt dauert etwa 1 Stunde, so dass wir relativ spät zum Abendessen wieder im Hotel sind. Der obligatorische Absacker nach dem Essen darf natürlich nicht fehlen.

3. Tag – Mittwoch, 17.4.

Nach einer ziemlich kalten Nacht, es waren nur 2°, sind es am Morgen bereits 17°. Es verspricht wieder ein warmer, sonniger Tag zu werden.

Um 9 Uhr starten wir mit einer Stadtrundfahrt in Templin und fahren zuerst zur NaturTherme Templin. Das Thermalbad wurde erst im Jahr 2000 eröffnet. Die jodhaltige Thermalsole kommt aus einer Tiefe von 1.650 Metern und wird im Bad und in der Therapie in Konzentrationen von 1–6 % bei Temperaturen von 32–36°C verwendet.

Templin hofft natürlich darauf, sich irgendwann „Bad“ nennen zu dürfen, und damit den Kur-, Freizeit- und Touristikbereich zu bereichern. Da die Industrialisierung einen großen Bogen um die Stadt gemacht hat, wäre eine Bezeichnung als Kurbad für den Gemeindehaushalt wichtig; vorerst nennt sie sich Thermalsoleheilbad.

Etwas Geld in die Kasse spült die 2004 gegründete Westernstadt „El Dorado“. Sie dient den Filmstudios in Babelsberg als Kulisse, Musikvideos werden gedreht, es finden Husky- und Harley Davidson-Rennen statt oder die Kulissen werden für Werbefilmproduktionen genutzt.

Auf der ehemaligen 28 km-langen Zugstrecke zwischen Fürstenberg/Havel und Templin kann man seit über 15 Jahren mit der Fahrrad-Draisine unterwegs sein.

Templin, das als „Perle der Uckermark“ bezeichnet wird, hat nur rund 16.000 Einwohner. Es ist jedoch die flächengrößte Stadt im Landkreis Uckermark im Norden Brandenburgs und der Fläche nach die achtgrößte Stadt Deutschlands. Nach der Gebietsreform kamen 12 Dörfer hinzu.

Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde die Stadt im Jahre 1270. Der mittelalterliche Stadtkern ist gut erhalten. Bemerkenswert ist die Stadtmauer, die eine Länge von 1.735 m hat. Unser Weg führt später ein gutes Stück an ihr vorbei.

In der Siedlung „Waldhof“ wuchs Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Hier ging sie zur Schule und machte Abitur. Ihr Vater, Horst Kasner, war Theologe und ihre Mutter Herlind Lehrerin. Noch vor ihrem kürzlich erfolgten Tod gab sie mit 90 Jahren in der VHS Englisch-Unterricht. Die Eltern sind beide auf dem Waldfriedhof in Templin beigesetzt. Die Kanzlerin selbst hat 15 km von Templin entfernt ein Wochenendhaus. Mehr ....klicke hier

Um 10.15 sind wir an der Anlegestelle am Templiner See und starten um 10.30 zu einer 2-stündigen Rundfahrt auf 5 Seen mit der „Uckermark“.

Die meisten von uns sitzen trotz eines kühlen Windes auf dem Oberdeck und genießen den Blick auf die Stadt und das Ufer. Der Bruchsee, Gleuensee, Fährsee und Zaarsee bieten viel Natur und Einblick in die heimische Pflanzen- und Tierwelt.

Es ist einfach schön, so entspannt über das Wasser zu fahren. Und es bleibt Zeit für Gespräche miteinander.


Nach der Schiffahrt unternehmen wir mit Knut Metzke einen einstündigen Stadtrundgang, der uns vor und hinter der bis zu 7 m hohen Stadtmauer entlang führt, vorbei an Toren, Türmen und sog. Wiekhäusern. In Templin gab es 47 solcher Wiekhäuser, die in Abständen von rund 30 m in die Stadtmauer eingefügt waren. Sie dienten zur Verteidigung. Die oberen Etagen waren meist über Leitern zu erreichen.

Wir passieren das Mühlen-, Prenzlauer und das Berliner Tor. Zur Stadtseite hin ist es mit einer Fassade der norddeutschen Backsteingotik ausgestattet. In der Nähe steht das älteste Gebäude Templin, die kleine St. Georgen-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Wer nicht mitlaufen will oder kann, geht vorab auf den Marktplatz, wo wir uns später wieder alle treffen.


Unser Stadtrundgang endet auf dem Markplatz, der von einer Lindenallee umgeben ist.

Wir haben 30 Minuten Pause und verbringen diese in dem schnuckeligen Altstadt-Café oder einem der anderen Restaurants oder Cafés an diesem zentralen Platz.

Unser Programm für diesen Tag ist damit noch nicht zu Ende. Wir fahren nach Alt-Placht zu einem besonderen Kleinod, dem Kirchlein im Grünen. Einen Tag später findet hier ein Gedenkgottesdienst im kleinen Rahmen für die kürzlich verstorbene Mutter der Bundeskanzlerin statt.

Das Kirchlein wurde um 1700 gebaut, offenbar von Hugenotten, denn die Bauweise erinnert an nordfranzösisches Fachwerk. Es besitzt als einzige Kirche ringsum ein Reetdach. 1758 fiel das Dorf Alt-Placht einem Brand zum Opfer; nur das kleine Gotteshaus blieb stehen.

Was der Brand nicht geschafft hatte, wird aus der Beschreibung des Kirchlein im Grünen deutlich. Hier ist zu lesen:

"Seit etwa 1970 schien das Gebäude dem Untergang geweiht zu sein. Durch Verfall und mutwillige Zerstörung bot die Stätte ein Bild der Verwahrlosung und Verwüstung. Alles von Wert war entwendet worden bis hin zu den alten Kastenschlössern und schmiedeeisernen Türbeschlägen. Die noch vorhandene Bronzeglocke von 1721 war an das Elisabethstift in Berlin verkauft worden. Ein Gutachten des kirchlichen Bauamtes beschied damals, „diesen Schandfleck baldmöglichst zu beseitigen.“ Doch selbst dazu fehlten die Mittel. 1989 drohte die Kirche endgültig einzufallen. Da fiel die Berliner Mauer.“

Was dann geschah, grenzt an ein Wunder und kann hier nachgelesen werden...

Achtung! Der Link funktioniert nicht immer; dann bitte selbst eingeben: http://www.kirchlein-im-grünen.de/
und dort unter Kirche - Geschichte nachlesen.


Unser Reiseleiter Knut Metzke, der zu den freiwilligen Helfern des Wiederaufbaus gehörte, erzählt uns die Geschichte des Kirchlein im Grünen und liest uns folgende Mahnung des Pfarrers Horst Kasner, dem Vater der Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die er 2008 geschrieben hat.

Ich zitiere:

"Das „Kirchlein im Grünen“ zu Alt Placht ist ein denkwürdiger Ort.
Denkwürdig, weil Slawen schon vor 1.000 Jahren hier verehrten, was ihnen heilig war. Sie gruppierten ihre Hütten um einen heiligen Ort, von dem Kraft ausging. Die Kultstätte verband sie mit der beseelten Natur und fügte sie zu einer festen Gemeinschaft zusammen.

Denkwürdig, weil diese Kirche auf dem Fundament einer katholischen Kirche errichtet worden ist. Der Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert lag inmitten des Dorfes, das dann durch Krieg zerstört worden ist. Um 1700 waren es hugenottische Glaubensflüchtlinge, die für einen adligen Grundherrn lutherischer Konfession diese Kirche im Stil ihrer Heimat als Gutskapelle erbauten.

Denkwürdig, weil diese Kirche nach dem Ende der Gutsherrschaft, das war 1899, allmählich verfiel und schließlich abgerissen werden sollte, aber dann doch mit der Wende 1989/90 wieder aufgebaut werden konnte; sie ist wiedererstanden als „Kirchlein im Grünen“.

Denkwürdig, weil diese Kirche längst nicht mehr ein Ort der Macht des Grundherrn ist, dem Land und Leute gehörten, und Kirchgang Pflicht war.
Denkwürdig, weil diese Kirche umstanden ist von alten Linden, gepflanzt zu jener Zeit, als Kolumbus Amerika entdeckte.

Denkwürdig, weil von dieser Kirche spürbar eine Kraft ausgeht; sie liegt über einem Kraftfeld.
Denkwürdig, weil in dieser Kirche, wo einst die Kanzel stand, das Wort des Apostels Paulus auf einer Tafel geschrieben steht: „Das Evangelium von Christus ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.“ (Röm 1, 16) Kirchen sind Orte der Kraft und nicht der Macht.“


1994 findet wieder der erste Gottesdienst des Pfarrers Horst Kasner im „Kirchlein im Grünen“ statt.

Um 15 Uhr fahren wir weiter über Lychen nach Boitzenburg. Der Ort Lychen, auch als Flößerstadt bezeichnet, ist von 7 großen Seen umgeben.

Schloss Boitzenburg war der bedeutendste Besitz der Grafen von Arnim, einer der bekanntesten und zahlenstärksten deutschen Adelsfamilien und jahrhundertelang in ihrem Besitz. Heute herbergt es ein Kinder- und Jugendhotel.

Im Marstall ist seit 2006 eine Schokoladenmanufaktur untergebracht. Bis 16.30 Uhr haben wir eine Pause, die wir mit leckerem Kuchen, Kaffeespezialitäten und Eis auf der Terrasse vor dem Marstall in der Sonne genießen.

Danach geht es zurück ins Hotel. Bis zum Abendessen haben wir noch genügend Zeit, uns das Hotel anzuschauen, einen Blick ins hauseigene Schwimmbad und in den Fitnessraum zu werfen oder zum Seeufer zu spazieren.

Nach dem Abendessen treffen sich einige wieder zu einem Drink in der Bar der 12. Etage mit herrlichem Blick auf den Lübbesee, bevor es ans Kofferpacken geht.

4. Tag – Donnerstag, 18. April

Um 8.30 Uhr verabschieden wir uns von Templin und fahren zum Kloster Chorin, wo wir kurz vor 10 Uhr eintreffen.

In Wikipedia ist zu lesen:

Chorin ist eine ehemalige gotische Zisterzienserabtei in der Nähe des Ortes Chorin etwa sechs Kilometer nördlich von Eberswalde. Es wurde 1258 von askanischen Markgrafen gegründet und hatte weitreichende Bedeutung am nördlichen Rand des Einflussbereichs der Askanier (Grenze mit den Slawen).

Zwischen der 1542 erfolgten Säkularisation und dem beginnenden 19. Jahrhundert war das Kloster dem Verfall preisgegeben. Dann erfolgten Sicherung der Ruinen und teilweise Rekonstruktion der Gebäude unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel.


Heute ist das Zisterzienserkloster Chorin ein die Backsteingotik typisch repräsentierendes Baudenkmal. Als Teil im Deutsch-Polnischen Klosternetzwerk ist es Veranstaltungsort mit überregionaler Anziehungskraft.

2017 wurde eine Dauerausstellung eingerichtet und eröffnet, die das Leben und Arbeiten der Mönche im Kloster Chorin thematisiert und in einem weiteren Abschnitt die Entdeckung und denkmalpflegerischen Bemühungen von Karl Friedrich Schinkel aufzeigt"
.

Mehr zum Kloster Chorin – klicke hier

45 Minuten bleiben uns für einen kurzen Rundgang im Kloster und der kleinen Kapelle, ehe wir uns von Alberto verabschieden und uns auf die Rückfahrt begeben.

Zum Abschied erhält jeder von uns von Alberto noch ein Geschenk: ein kleines Büchlein von Theodor Fontane "Guter Rat - Poetische Kostbarkeiten" mit schönen Gedichten und Bildern. Eine wunderbare Erinnerung an unsere schöne Reise.

650 km liegen vor uns. Von 12.45 – 13.30 Uhr haben wir am Rastplatz Fläming eine längere Mittagspause und genießen in der Sonne auf der Außenterrasse die sehr schöne Raststätte mit einem großen Angebot an frischem Obst, Gemüse, Salat für ein kurzes Mittagessen.

Um 16 Uhr passieren wir Weimar und gönnen uns von 16.15 – 17.15 Uhr auf dem Autohof bei Waltershausen die von Elke/Sunny322 beworbene „beste Thüringer Bratwurst“.

Ohne Staus – die nur auf der Gegenfahrbahn Richtung Norden zu beobachten sind – und nach ruhiger Fahrt verabschieden wir um 19.30 Uhr die Frankfurter mit dem Lied „Auf Wiedersehen“. Um 20.30 Uhr sind wir in Wiesbaden und eine halbe Stunde später am Mainzer Bahnhof. Bis Hechtsheim dauert es noch etwas länger, aber kurz vor 22 Uhr sind wir wieder alle müde und glücklich zu Hause.

Fazit der Reise:
Alberto hatte wieder alles perfekt organisiert. Daß einige Zimmer kleinere Mängel hatten - um die er sich sofort kümmerte - dafür konnte er nichts. Die Busfahrt war dank des netten und vor allem sicher fahrenden Herrn Hochfellner ein absoluter Pluspunkt. Ebenso der kompetente Reiseleiter Knut Metzke, der zwar viel redete, dadurch erfuhren wir aber auch viele interessante Einzelheiten. Alles in allem wieder eine gelungene Reise.

Das Dankeschön von uns allen geht an Herrn Hochfellner für die gute Hin- und Rückfahrt, Herrn Metzge für die interessante 2-tägige Reiseleitung und vor allem an Alberto für die wunderbare Organisation der Reise, seine unermüdliche Geduld und für das Geschenk.

Wenn Du auf die kleinen Bilder im Bericht klickst, erscheinen sie größer. Du kannst Dir aber auch alle Bilder - und noch viele mehr - in den Alben der Mitglieder anschauen und die Fotos, die Dir gefallen, runterladen.

Die Bilder von Alberto/alfredo6969 sind hier zu sehen

Rose/Rose56 zeigt ihre Fotos hier

Nina/nina364 hat die Bilder in ihrem Album gesammelt - klicke hier

und die Bilder von Dieter/fidelis45 kannst Du hier sehen

Wir freuen uns schon auf unsere nächsten Reisen, im September nach Prag, im Oktober in einer kleinen Gruppe nach Kalabrien und im November nach Berlin. Wer noch mitreisen möchte, ist herzlich willkommen. Die Reisen stehen auf unserer Mainzer Veranstaltungsseite !


(eingestellt am 26.4.19)

Autor: Feierabend-Mitglied

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