Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.


Frankfurt

Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Un wär’sch e Engel un Sonnekalb,
e Fremder is immer von außerhalb!
Der beste Mensch is e Ärjerniß,
wann er net aach von Frankfort is.

(Friedrich Stoltze (1816-1891)
Frankfurter Heimat- und Mundartdichter

Bereits bei unseren zwei Besuchen im vergangenen Jahr bummelten wir durch die Frankfurter Altstadt vorbei an Bauzäunen, Gerüsten und durch Planen verdeckte Häuser. Sie wiesen darauf hin, dass sich hier etwas Gewaltiges tut.

Die Neue Altstadt in Frankfurt wurde im Rahmen eines riesigen Bauprojekts rekonstruiert und teilweise neu aufgebaut. Die Eröffnung fand mit einem dreitägigen Altstadtfest vom 28.-30. September 2018 statt. Auch Feierabend berichtete darüber auf seiner Startseite.

Das machte uns Mainzer neugierig und ich wählte die Führung mit dem Freundeskreis Liebenswertes Frankfurt – einem Verein, dessen ehrenamtlich tätigen Mitglieder interessierten Gästen die Besonderheiten von Frankfurt zeigt. Herr Boller, der 1. Vorsitzende des Vereins, begleitete uns persönlich über eine Stunde durch die Neue Altstadt.


Bis zu ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg war Frankfurts Altstadt die größte Altstadt, die in ihrer mittelalterlichen Form erhalten geblieben war.

In den engen Gassen wohnten Kaufleute und Handwerker in bürgerlichen Wohnhäusern mit stolzen Giebeln, Überhängen und überdeckten Dachlauben, den sog. „Belvederchen“. Hier vollzog sich Geschichte und blühte Kultur.

Durch den „Alten Markt“ ging der feierliche Zug der im Kaiserdom gekrönten deutschen Kaiser zum Römer. Dieses lebendige Baudenkmal sank im März 1944 in Schutt und Asche.

Mehr zur Geschichte der Neuen Altstadt kannst Du bei Wikipedia lesen.

Klicke hier

Nachdem es am Donnerstag noch den ganzen Tag geregnet hatte, schien zwar am 5. April 2019 nicht die Sonne, aber es blieb zumindest trocken. Mit 7° C war es allerdings auch ein recht kühler Apriltag. Kurz vor 11 Uhr trafen wir uns mit 17 Teilnehmern am Hauptbahnhof. Zwei Mitglieder fuhren mit der S-Bahn von Wiesbaden nach Frankfurt, drei Mitglieder kamen in Frankfurt zu uns.

Manchmal kommt während der Fahrt etwas dazwischen; an diesem Tag war es ein Personenschaden im S-Bahn-Tunnel, so dass wir mit der S 8 nicht bis zur Konstablerwache durchfahren konnten.

Wie gut, dass es Handys gibt. Ich nahm Kontakt zu Nina auf, die uns dankenswerterweise auf dem Bahnsteig abholte und uns zur Straßenbahn lotste, mit der wir in die Nähe des Paulaners fahren konnten.

Ich hatte für 12 Uhr Plätze im „Paulaner am Dom“ reserviert und wir bekamen dort auch einen schönen Tisch zugewiesen. Da kurz vor halb eins noch nicht allzu viel Betrieb war, kam unser Essen unglaublich schnell. Ich hatte 2,5 Stunden Zeit eingeplant, die wir gar nicht gebraucht hätten.

Noch vor der vereinbarten Zeit standen wir vor dem Paulaner und nutzten die Wartefrist für ein Gruppenfoto.

Pünktlich um 14.30 Uhr erschien Gerhard Boller, der uns erst einmal etwas zur Geschichte des Doms und der Frankfurter Altstadt erzählte.

Der Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus war – im Gegensatz zum Mainzer Dom – keine Kathedralkirche mit einem Bischof, sondern eine Stiftskirche. Seine Bedeutung verdankte er als Wahl- und Krönungskirche der deutschen Kaiser.

Frankfurt war in der Goldenen Bulle Karls IV. von 1356 als Ort der Königswahl festgelegt.
Seit der Zeit Maximilians I. galt der von sieben Kurfürsten zum König Gewählte auch ohne Zustimmung und Krönung durch den Papst als Erwählter Römischer Kaiser. In der Folge galt auch die Königs- zugleich als Kaiserkrönung. Die sieben Kurfürsten waren drei geistliche (Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier) und vier weltliche.

Von 1562 bis 1792 fanden zehn Kaiserkrönungen im Frankfurter Dom statt. Danach zog der kaiserliche Krönungszug durch das Nordportal über den „Königsweg“ zum „Römer“, wo im Kaisersaal das Krönungsmahl stattfand.

Direkt neben dem Dom befindet sich das prächtige und repräsentative Haus „Zur Goldenen Waage“. Sein Besitzer war seit 1605 der Zuckerbäcker und Gewürzhändler Abraham van Hamel. Gewürze waren damals teurer als Gold und sein Reichtum zeigte van Hamel in dem prächtigen Neubau des Vorderhauses, das er von 1618 bis 1619 errichten ließ.
1944 wurde auch dieses Haus vollständig zerstört und 2014 wieder als Rekonstruktion aufgebaut.

Hier kannst Du mehr darüber lesen

Wie es heute im Haus „Zur Goldenen Waage“ aussieht, kannst Du wunderbar auf dem Rundgang durch das Haus sehen. Klicke hier

In einem Teil des Gebäude der „Goldenen Waage“ ist das Stoltze-Museum eingezogen. Wenig später kommen wir auch am Stoltze-Brunnen auf dem Frankfurter Hühnermarkt vorbei.

Mehr zum Stoltze-Museum findest Du hier



Wir gehen, vorbei an der U-Bahn Station Römer zum Hühnermarkt. Hier stand bis zu seinem Abriß in den Jahren 2010-2012 das Technische Rathaus, das 1972 gebaut wurde und wegen der Größe zu den umstrittenen Bauwerken der Frankfurter Architekturgeschichte gehörte. Im Rahmen der Rekonstruktion der Neuen Altstadt wurde der alte Hühnermarkt wieder zugänglich, der vorher gänzlich vom Technischen Rathaus überbaut gewesen war.

Acht von elf Häusern am Hühnermarkt wurden rekonstruiert. Insgesamt wurden in der neuen Altstadt 35 Häuser wieder aufgebaut, davon 15 orginalgetreue Rekonstruktionen und 20 Neubauten mit ca. 80 Wohnungen für 200 Bewohner und über 30 Geschäften, Restaurants, Cafés und Museen.

Für die 200 Bewohner lagen ca. 2.000 Bewerbungen vor. Bewerben konnten sich Frankfurter Privatleute und möglichst auch Geschäfte aus Frankfurt.

2013 wurde beschlossen, den Stoltze-Brunnen wieder auf dem neu errichteten Hühnermarkt aufzustellen. Er stand von 1981 bis 2016 auf dem Friedrich-Stoltze-Platz hinter der Katharinenkirche.

Als der Brunnen noch auf dem Hühnermarkt stand, war der bekannte Frankfurter Lokaldichter, Journalist und Satiriker Friedrich Stoltze fast zu Hause; er wurde 1816 im Gasthaus „Zum Rebstock“ und hat hier seine Kindheit und frühe Jugend verbracht.

Eine Bronzebüste des Dichters ziert den Brunnensockel. Ein Relief zeigt die „Francofurtia“
Das Kapitell der Säule zeigt Figuren aus Stoltzes Werken, darunter der David mit der Kapp, der Kranke Mann und der Rote Schornsteinfeger. Auf der Säule zu lesen ist der Spruch:

Der lebte nicht vergebens
Auch ihm sei Dank und Sang
Der um den Ernst des Lebens
Den Menschen Rosen schlang
“.

Charakteristisch bei vielen Häusern sind die Überhänge über dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Eine Besonderheit ist die Auskragung unter dem Dachfirst, die sog. Frankfurter Nas’.

Hinter dem Haus zur Flechte, das ebenfalls rekonstruiert wurde, biegen wir ab in die Straße „Hinter dem Lämmchen“. Im Eckhaus , dem Haus zum Esslinger wohnte früher Goethes Tante Johanna Melber. Goethe war oft bei ihrer zu Besuch und erzählte in seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“ von ihr und dem Haus: "Auch in ihrem Hause war um sie her alles bewegt, lebenslustig und munter, und wir Kinder sind ihr manche frohe Stunde schuldig geworden.“

Ab Mai 2019 zieht hier das Struwwelpeter-Museum ein.

Das Haus Goldenes Lämmchen in der Straße Hinter dem Lämmchen 6 wurde von einer reichen Patrizierfamilie im 14. Jh. erbaut. Die spätgotische Madonna, die an der südwestlichen Hausecke angebracht ist, stammt aus dem 15. Jh., als der Messehof Umschlagplatz für verschiedene Waren war. Hier fand die Bürgerberatung der Stadtverwaltung eine neue Heimat.

Im Hof sehen wir die für die Zeit in der Mitte des 17. Jh. typischen Holzgalerien mit den Laubengängen.

Der Evang. Regionalverband zog in das Haus daneben, Hinter dem Lämmchen 8. Vor dem Krieg stand hier der dreigeschossige Renaissancebau Nürnberger Hof, der damals die größte Herberge am Ort war.

Gerhard Boller macht uns darauf aufmerksam, dass bei der Umgestaltung der Neuen Altstadt kein Kopfsteinpflaster mehr verbaut wurde. Das heutiges Pflaster stammt aus Vietnam. Es ist gut zu begehen, behindertengerecht und kinderwagenfreundlich.

Die Häuser haben auch alle keine Keller, denn sie stehen auf einer Tiefgarage.

An der Kreuzung zur Straße „Hinter dem Lämmchen“ und dem „Krönungsweg“ steht das Haus Zu den drei Römern. Bei dem Neubau trifft „neu“ und „historisch“ zusammen.

Im Erdgeschoss sind die Originale von Renaissance-Arkaden aus Rotsandstein verbaut, an denen die Geschichte genagt hat.

Zum Abschluß unseres Rundganges stehen wir am Neuen Roten Haus. Es war schon immer Metzgerei und es soll auch wieder ein Metzger einziehen.

Drei dicke Säulen aus Eichenholz tragen das Haus und bilden eine Freifläche, die als Verkaufsstelle und Durchgang zur dahinter liegenden Gasse dient.

Aus Ausgang des Krönungswegs, an den Schirn-Arkaden, erklärt uns Gerhard Boller, dass die Arkaden an den historischen Verlauf der Gasse erinnern sollen. Hier verabschieden wir uns von ihm mit einem herzlichen Dankeschön für die Begleitung und kompetente Führung.

Mittlerweile sind wir alle mehr oder weniger „durchgefroren“ und überlegen deshalb nicht lange, wo wir noch ein Café für den Abschluß finden. Kurzerhand gehen wir ins Café der Schirn. Der Kuchen ist zwar alles andere als gut, die Auswahl mickrig, aber der Kaffee schmeckt und es ist warm.

Eine Stunde später fahren wir von der gegenüber liegenden U-Bahn Station Römer zum Hauptbahnhof und 10 Minuten später mit der S 8 zurück nach Mainz. Als wir auf den Bahnhofsvorplatz kommen, müssen wir auch nicht auf unsere Straßenbahn warten, so dass wir kurz vor 19 Uhr wieder zu Hause sind.

Fazit:
Wir hatten Glück, dass das Wetter an diesem Tag nicht allzu gut war. So waren kaum Touristen unterwegs. Wir konnten uns in Ruhe alles ansehen und den Erklärungen von Gerhard Boller lauschen.

Lohnenswert ist sicher noch ein weiterer Besuch, wenn die Museen, Cafés und Geschäfte alle geöffnet haben. Die Gruppenkarte für 5 Personen für 29 € ermöglicht eine günstige Fahrt mit der S- und U-Bahn. Wir waren sicher nicht das letzte Mal in Frankfurt in diesem Jahr.

Die Bilder von Günter/bakru26 kannst Du hier sehen

Für die Bilder von Dieter/fidelis45 klicke hier

(eingestellt am 9.4.19)

Autor: Feierabend-Mitglied

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (4 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


2 2 Artikel kommentieren

Regional > Mainz > Ausflüge und Veranstaltungen ab 2010 > 10_Ausflüge und Veranstaltung 2019 > 3_Neue Altstadt Frankfurt