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Sprachschätze: Wörter, die heute kaum noch jemand benutzt

Sprache wandelt sich stetig wenn auch manchmal fast unbemerkt. Während neue Begriffe rasch in den Alltag rutschen, verschwinden andere gerade aus dem täglichen Sprachgebrauch. Viele dieser älteren Wörter tragen jedoch Erinnerungen an vergangenen Zeiten in sich.

Miniaturfigur, die auf Bücher sitzend mit einem Fernrohr in die Ferne blickt

Warum diese Wörter an Wirkung verlieren

Viele dieser Ausdrücke verschwinden, weil Zusammenhänge verlorengehen, die sie einst selbstverständlich machten. Der Bandsalat, der das verknotete Band einer Kassette beschreibt, wird nicht mehr gebraucht – weil so gut wie niemand mehr Kassetten nutzt.

Manche Begriffe fallen weg, weil sie ein Menschenbild transportieren, das nicht mehr in die Gegenwart passt. Eine Vettel war einst ein abwertender Ausdruck für eine unsympathische Frau. Mit veränderten sozialen Sichtweisen verschwindet ein solches Wort meist von selbst. Währungen, Technik aber auch Gesellschaften verändern sich und die Sprachgewohnheiten passen sich schlichtweg den neuen Lebenswelten an.

Ein Blick auf einige dieser beinahe vergessenen Ausdrücke zeigt, wie viel Geschichte in ihnen steckt.

Schmökern
Schmökern meint nicht einfach Lesen. Der Ausdruck vermittelt Ruhe und beschreibt eine Tätigkeit, bei der man sich Zeit gönnt. Er transportiert Freude. Auch wenn er seltener geworden ist, vermittelt er noch immer ein angenehmes Gefühl von Unbeschwertheit.

Heiermann
Als Heiermann wurde das 5-Mark-Stück bezeichnet. Eine Münze, mit der man doch recht viel anfangen konnte. Der Begriff verschwand mit der Einführung des Euro fast vollständig, doch er löst bei vielen bis heute ein kurzes Lächeln aus.

Sapperlot
Sapperlot gehört zu jenen Ausrufen, die schon wegen ihres Klanges auffallen. Er wirkte weder derb noch streng, sondern transportierte eine Art höfliche Empörung. Der Ausdruck zeigt, wie kreativ frühere Generationen Situationen kommentierten, ohne dabei lauter zu werden.

Drahtesel
Fahrräder haben sich stark verändert. Sie sind leichter und technisch ausgefeilter geworden. Der Drahtesel gehörte jedoch zu einer Phase, in der ein Rad oft schwer, manchmal etwas klapprig, aber im Alltag unentbehrlich war. Mit dem Rad ging es überall hin, bei Wind und Wetter.

Schabernack
Schabernack gehört zu jenen Wörtern, die fröhlich klingen und zugleich harmlosen Unsinn beschreiben. Wer Schabernack trieb, wollte niemandem ernsthaft schaden, sondern einfach spielerisch necken. Der Ausdruck lässt an Schulhöfe denken und an kleine Streiche, die niemandem die Laune verdarben.

Muckefuck
Dieser Begriff steht für Kaffeeersatz und erinnert an schlimme Zeiten, in denen man improvisieren musste. Ob aus gerösteter Gerste oder Zichorienwurzel hergestellt, war Muckefuck ein fester Bestandteil des Alltags vieler Familien. In Zeiten, in denen Kaffee überall erhältlich ist, ist das Wort obsolet.

Antike Statuen, die Zeitungen halten

Plünnen
Plünnen ist ein norddeutscher Ausdruck für abgenutzte Kleidung. Das Wort hat seinen ganz eigenen Klang und vermittelt ein charmantes Bild von Kleidungsstücken, die längst bessere Zeiten gesehen haben, aber trotzdem noch im Schrank hängen.

Stelldichein
Vor der Zeit digitaler Nachrichten gab es Verabredungen, die mit einer gewissen Feierlichkeit verbunden waren. Das Wort wirkt heute fast romantisch und erinnert an eine Kommunikationsform, in der Menschen häufiger persönlich aufeinander zugingen. Das Stelldichein wurde vom Rendezvous abgelöst, das nun wieder vom Date verdrängt wurde.

Amtsschimmel
Der Amtsschimmel steht für eine behördliche Arbeitsweise, die sich streng an festgelegte Abläufe hält. Er verweist auf eine Zeit, in der Behörden den Rhythmus vorgaben und Entscheidungen nicht selten Geduld erforderten. Das hat sich bis heute nicht geändert und doch verschwindet das Wort immer mehr. Damit hält es in dieser Aufzählung eine Sonderstellung.

Fisimatenten
Fisimatenten steht für unnötige Umstände oder Erklärungen, die eine Sache komplizierter machen, als sie sein müsste. Der Ausdruck klingt leicht, benennt aber dennoch sehr treffend, wenn jemand übertreibt oder sich herausreden möchte. Seine genaue Herkunft ist nicht eindeutig, wird jedoch häufig mit französischen Einflüssen in Verbindung gebracht.

piesacken
Piesacken meint kleine Sticheleien, die nicht ernst gemeint sind, aber durchaus nerven können. Das Wort klingt spielerisch und beschreibt Verhalten, das es in jeder Familie und in jedem Freundeskreis gab. Vermutlich geht es auf niederdeutsche Formen zurück, die ebenfalls für leichte Plage oder Neckerei standen.


Welche alten Wörter nutzt du noch? Oder vermisst du bestimmte Ausdrücke? Schreib sie uns gerne in die Kommentare.

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