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Stephan Thome: Gegenspiel

Dieses Buch hat mich vom ersten Wort an gefangen genommen. Ein älteres Ehepaar wird vorgestellt, das gemeinsam zur Hochzeit einer jungen Verwandten fährt. Das Besondere daran: Seit einem Jahr arbeitet Maria wieder, in Berlin, mehrere hundert Kilometer vom gemeinsamen Wohnort Bonn entfernt. Hartmut, ihr Ehemann, leidet darunter und Maria fühlt sich zerrissen zwischen schlechtem Gewissen, dem Wunsch nach Gemeinsamkeit und einem Leben, das ihr mehr bietet als die Leere eines Hausfrauendaseins. Auf der Fahrt zu der Hochzeit kommt es zu einem großen Streit.

Ausgehend davon erzählt der Autor in Rückblenden wie das Ehepaar diesen Punkt erreichte: Maria ist Portugiesin und erlebt ihre Jugend in Lissabon nach der Nelkenrevolution. Sie entflieht der Enge dieses Lebens nach Berlin, studiert dort Theaterwissenschaften, gerät in die Hausbesetzerszene und lernt schließlich Hartmut kennen, der als Assistent an der Universität arbeitet. Während er Karriere als Professor macht, führt sie ein Hausfrauendasein in der provinziellen Enge einer Bonner Vorstadt. Erst als ihre Tochter das Haus verlässt, ergreift sie die Chance, diesem Leben zu entkommen.

Eine einfache, sich häufig wiederholende Geschichte. Doch das Buch ist fesselnd, spannend und sehr klug und einfühlsam geschrieben. Maria wird als Person dargestellt, die sich von Erfahrung zu Erfahrung treiben lässt, eher weiß, was sie nicht will als das, was sie will. Immer wieder gerät sie durch den Druck der Umstände in Lebenssituationen, die ihrer Persönlichkeit wenig entsprechen. Sie ist Mitläuferin, nicht handelnde Person, weiß aber darum, leidet auch darunter, kann sich dem aber kaum entziehen. Erst mit Ende 40 trifft sie eine Entscheidung, die ihr Leben in die gewünschte Richtung lenkt. Doch das geht auf Kosten ihrer Ehe.

Ein sehr lesenswerter Roman, der durch die vielschichtigen, gebrochenen Charaktere und ihre nicht immer geradlinigen Handlungsweisen Spannung erzeugt.

Stephan Thome: Gegenspiel
EUR 22,95 [D]
Erschienen: 10.01.2015
Gebunden, 464 Seiten
ISBN: 978-3-518-42465-0

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