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Philipp Meyer. Der erste Sohn

Philipp Meyers "Der erste Sohn" ist ein moderner Klassiker.
Es geht um die Besiedlung des Westens, den amerikanischen Gründungsmythos, das Blutvergießen aus Perspektive der Weißen, der Indianer und dem, der beides ist. Eli, der erste Sohn Texas und späteres Oberhaupt des McCullough-Clans, wird bei einem brutalen Massaker von Indianern entführt und adoptiert. Als Krankheiten drohen den Stamm auszurotten, kehrt er zurück in die Zivilisation. Für ihn eine fremde Welt, eine, die nicht mehr seine ist. Doch Eli hat Chuzpe und es gelingt ihm, ein Emporium zu errichten; er wird durch Viehzucht und Öl vermögend und einflussreich.
Das Buch hat mir die Zeit näher gebracht, in der die Moral desjenigen, der weniger Skrupel hat, die wahrhaftige war. Das mag widersprüchlich klingen, doch wenn der erwachsene Eli McCullough seine Gründe darlegt, gegen seinen Nachbar zu reiten und die Familie brutal auszulöschen, erkennt man an, dass Vernunft und Rechtsbewusstsein nicht in Stein gemeißelt sind. Zumindest nicht im Wilden Westen.
Die detailgetreuen Schilderungen sind übrigens nichts für schwache Nerven, etwa wenn Eli von der Verarbeitung der erlegten Bisons berichtet, die von der Verarbeitung der Knochen und Sehen zu Werkzeugen, der Blase zu einer Tasche und dem Hirn, das mit Seifenwasser und Talg zusammenvermischt als Mahl dient, reicht. Seine erste Skalpierung liest sich da fast wie eine Episode aus einer Vorabend-Ärzteserie.
In dem Buch kommen neben Eli auch dessen Sohn Peter und die Ur-Enkelin Jeanne Anne zu Wort. Grob zusammengefasst ist Eli der Übermensch, ist Peter die Enttäuschung und ist Jeanne Anne, als Frau, die den in relativ kurzer Zeit stattgefundenen krassen Wandel der Frau mitbekommt, die Zerrissene.
Peter ist sich seiner Rolle als Sohn bewusst, kann und will sie jedoch nicht erfüllen. Sein Leid gipfelt in der Ermordung der Nachbarsfamilie, die der Vater veranlasst. Jeanne Anne ist wankelmütig, doch mit klarem Ziel: Sie möchte das Unternehmen weiterführen, das Erbe des Urgroßvaters antreten. Dabei muss sie als Frau ihren Mann stehen. Sie will alles: Frau und Unternehmerin sein, Schwächen zeigen dürfen und trotzdem in der von Männern dominierten Geschäftswelt bestehen.
Nie rutscht Meyer ins Klischee ab, die Personen sind absolut real in ihrem Tun analog zu ihrer Zeit, dabei bleiben sie stets Mensch und nie bloß Romanfigur. Das Buch ist absolut lesenswert!

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
608 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0479-8
€ 24,99 [D]
Verlag: Knaus
Verlagsgruppe Random House Bertelsmann

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