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Mara Meimaridi: Die Hexen von Smyrna

Smyrna gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Stadt steht in voller Blüte, Juden, Armenier, Griechen, Türken, aber auch Franzosen, Holländer und Genuesen haben sich hier niedergelassen. Die Volksgruppe leben in eigenen Vierteln, doch es gibt geschäftliche wie auch private Kontakte. Die Geschäfte gehen gut, auch in den ärmeren Vierteln herrscht ein gewisser Wohlstand und mit Verstand und etwas Glück ist der Aufstieg möglich.

Eine, die der Aufstieg aus dem Armenviertel in die vornehmste Gesellschaft der Stadt gelingt, ist die Griechin Katina. Als Neunjährige verlässt sie zusammen mit ihrer Mutter das Heimatdorf in Kappadokien, um in Smyrna das Glück zu suchen. Sie ist nicht schön, eher unscheinbar, aber klug – und sie hat von ihrer Mutter und einer geheimnisvollen Türkin das geheime magische Wissen der Hexen erlernt. So gelingt es der 16-Jährigen mit Verstand und Hexerei einen reichen Tabakhändler zu bezaubern und seine Frau zu werden. Nach seinem Tod, mit ihrer nächsten Ehe steigt sie in die höchsten Kreise Smyrnas auf. Ein Vierteljahrhundert nach Katinas Tod zeichnet deren Großnichte Maria, die die magischen Fähigkeiten ihrer Tante geerbt hat, deren Leben auf.

Ich mag den Roman, weil er höchst lebendig das Leben in Smyrna / Izmir vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Vertreibung der Griechen durch die Türken zeichnet. Im Mittelpunkt stehen die Frauen, ihr Tagesablauf, ihr Denken, Fühlen und Handeln, ihre Freundschaften und Feindschaften, ihre Intrigen, ihre Versuche, sich oder den Töchtern einen Mann zu sichern, der ihnen ein angenehmes Leben ermöglicht. Katina ist in dieser Lebenswelt eine Art Scarlett O’Hara von Smyrna. Ähnlich der Südstaatenlady ist auch der jungen Griechin jedes Mittel recht, um aufzusteigen und Erfolg zu haben. Und ähnlich wie diese setzt sie sowohl ihren Verstand als auch ihre Weiblichkeit ein, um jene Männer für sich zu gewinnen, die genug Geld, Einfluss und Macht haben, um sie ihren eigenen Zielen näherzubringen.

Weniger gut hat mir gefallen, dass die Hexenkünste der Frauen als reale Fähigkeiten dargestellt werden. Sicherlich haben die Frauen der Zeit und Kultur, in der der Roman angesiedelt ist, an magische Künste geglaubt, doch fehlt mir die erzählerische Distanz dazu. Schließlich handelt es sich nicht um einen Fantasy- sondern eher um einen historischen Roman. Ebenso gefällt mir nicht, dass das Leben Katinas von ihrer Großnichte aufgezeichnet wird, die das Wissen darum auf magischen Weg erhält. Das erscheint mir als recht überflüssige Rahmenhandlung, die sich Autorin hätte sparen können, ebenso wie das unvermittelte Hin- und Herspringen zwischen der Ich-Perspektive und der Erzählung in der dritten Person. Da aber die wundervollen Schilderungen des Lebens in Izmir den Hauptteil des Romans ausmachen, ist dieser wirklich lesenswert.

Mara Meimaridi: Die Hexen von Smyrna
Roman, Insel Verlag Berlin 2011
D: 16,95 €
A: 17,50 €
CH: 24,50 sFr
Klappenbroschur, 510 Seiten
ISBN: 978-3-458-17512-4

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